HP will 8000 Arbeitsplätze in Europa streichen; 1000 Stellen in Deutschland gefährdet

Im Rahmen der 27.000 Stellen umfassenden Massenentlassungen fürchten HP-Arbeitnehmervertreter den Abbau von 1000 Jobs in Deutschland. In dieser Woche will das Management seine Pläne vorlegen.

Am vergangenen Wochenende hat die WirtschaftsWoche per Exklusivmeldung verbreitet, dass bei dem amerikanischen IT-Konzern Hewlett-Packard (HP) in Deutschland 1000 Arbeitsplätze wegfallen könnten – gut jede zehnte Stelle in Deutschland.

Hintergrund: Wie die WirtschaftsWoche von Personen erfahren hat, die dem Unternehmen nahestehen, will HP bis Ende 2014 rund 8000 Stellen in Europa streichen. „Bis zu 1000 Arbeitsplätze sind akut in Deutschland gefährdet“, sagt ein HP-Arbeitnehmervertreter, der ungenannt bleiben will. Das Unternehmen beschäftigt hierzulande rund 10 400 Mitarbeiter.

Damit wäre Deutschland überproportional von dem Restrukturierungsprogramm getroffen, das HP-Chefin Meg Whitman Ende Mai angekündigt hatte. Es sieht vor, dass bis zum Ende des Geschäftsjahres 2014 weltweit 27 000 Mitarbeiter gehen müssen, acht Prozent der Konzernbelegschaft. Whitman erhofft sich von dem Umbau jährliche Einsparungen von 3,0 bis 3,5 Milliarden Dollar.

Quelle: Statista

Auf Anfrage bestätigte HP die Pläne für Europa. Vor zwei Wochen habe man „dem Europäischen Betriebsrat mitgeteilt, dass im Rahmen der Restrukturierung in der Region Europa, Nahost, Afrika rund 8000 Stellen“ wegfielen, heißt es aus der Deutschland-Zentrale in Böblingen. Den Abbau in Deutschland wollte HP nicht kommentieren; zum aktuellen Zeitpunkt gebe es „noch keine konkreten Pläne, wie viele Stellen in den verschiedenen Ländern von der Restrukturierung betroffen sind“.

Das Unternehmen kämpft bereits seit 2010 mit schwindenden Umsätzen und sinkenden Gewinnen. Entsprechend ist allein in den letzten zwei Jahren die Marktkapitalisierung von HP um 63 Prozent gesunken, wie das Datenportal Statista am vergangenen Freitag in einer Grafik dargestellt hat.

Sitzung des Wirtschaftsausschusses in dieser Woche

Dass der von Arbeitnehmern befürchtete Verlust von rund 1000 Arbeitsplätzen in Deutschland nicht unrealistisch ist, zeigen die die Zahlen für Europa: 8000 von gut 72.000 Stellen in der Region EMEA bedeuten ein Minus von gut elf Prozent. Das wären hierzulande rein rechnerisch gar fast 1150 Arbeitsplätze.

Die Beschäftigten sollen die endgültigen Zahlen für Deutschland bald erfahren: Wie die WirtschaftsWoche aus Betriebsratskreisen erfahren hat, tagt in dieser Woche der Wirtschaftsausschuss; dort will das Management offenbar seine konkreten Abbaupläne vorlegen.

Verwandte Artikel:

HP-Chefin Whitman stellt ihr Management-Team neu zusammen (Juni 2012)

Weiteres Ungemach: Rivale Lenovo auf den Fersen von HP (Mai 2012)

Wie HP-Chefin Whitman die Massenentlassungen erläutert (Mai 2012)

Willkommen im Intrigantenstadl Hewlett-Packard (September 2011)

Chaostage bei Hewlett-Packard (September 2011)

Die Antritts-Mail des neuen HP-Chefs Léo Apotheker (November 2010)

Interne E-Mail: Miese Stimmung bei den HP-Mitarbeitern (September 2010)

Hewlett-Packard: Droht 2011 weiterer Stellenabbau? (Mai 2010)

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*