Hewlett-Packard: Droht 2011 weiterer Stellenabbau?

Arbeitnehmervertreter erwarten, dass in Deutschland mehr Arbeitsplätze wegfallen als bisher offiziell bekannt. Demnach könnte im kommenden Jahr eine neuerliche Abbauwelle drohen.

Am vergangenen Freitag meldete ich in einer Vorabmeldung zu einer kurzen Geschichte in der WirtschaftsWoche 21/2010, dass der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) in Deutschland rund 640 Stellen streicht, das sind sechs Prozent seiner Belegschaft hierzulande. Knapp 540 Jobs fallen in bestimmten Verwaltungsfunktionen weg; diese werden nach Osteuropa und Indien transferiert. Weitere 100 Jobs sind von der Verlagerung eines Server-Werks in Gültstein bei Böblingen nach Tschechien betroffen. HP Deutschland hatte das entsprechende Vorhaben vor ziemlich genau einem Jahr verkündet; nun wird es umgesetzt.

Spannend ist in dem Zusammenhang die Frage: Wie geht es weiter? Immerhin konnte HP-Vorstandschef Mark Hurd Mitte Mai für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinnsprung von stolzen 28 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar verkünden. Wirklich groß scheint die Notwendigkeit weiterer Stellenstreichungen vor diesem Hintergrund also nicht zu sein.

Schon 2009 wollte HP 5700 Stellen in Europa streichen

Dennoch erwarten manche Arbeitnehmervertreter von HP Deutschland, dass der Arbeitsplatzabbau hierzulande weiter gehen wird. Indizien in jene Richtung gab es bereits früher, beispielsweise: Genau am selben Tag der Bekanntgabe seiner Schließungspläne für Gültstein hat der US-Konzern den europäischen HP-Betriebsräten seine Umbauabsichten für die EMEA-Organisation vorgestellt (diese und die Gültstein-Pressemitteilung liegen mir als Datei vor, sind aber auf der HP-Homepage nicht mehr zu finden – daher der Posterous-Link).  Insbesondere der seinerzeit geplante Abbau von 5700 der insgesamt 80.000 Stellen in Europa innerhalb von zwei Jahren sorgte für Unruhe bei den Beschäftigten. In den Folgemonaten wurde es indes ruhig um das geplante Streichkonzert. Das bis spätestens Ende 2009 erwartete Runterbrechen der 5700 abzubauenden Jobs auf die einzelnen Länder der Region EMEA erfolgte nicht.

Auch offiziell wird HP Deutschland mir gegenüber nicht müde zu betonen, dass die laufende Reduktion um 640 Stellen in keiner Weise mit den vor Jahresfrist geäußerten Plänen zusammen hingen. „Das 2009 vorgestellte Programm hat in der Form keine Relevanz mehr“, sagt ein Sprecher in der HP-Deutschlandzentrale in Böblingen auf Anfrage. Auf welchen Plänen der aktuelle Stellenabbau denn dann basiere, ließ er freilich offen.

„Das jetzige Vorgehen ist quasi ein Vorgriff auf eine massive Abbauwelle, die aber erst 2011 kommen soll“, heißt es dagegen aus einer Arbeitnehmerquelle. Andere Betriebsratskreise teilen diese Einschätzung. Zwar gebe es zwischen Gesamtbetriebsrat und HP-Geschäftsführung in Deutschland eine Übereinkunft, dass es im Kalenderjahr 2010 keine weiteren Stellenstreichung geben soll. „Das wird dann halt im Januar 2011 losgehen.“ Ein Grund dafür sei unter anderem, dass im kommenden Jahr mehrere Outsourcing-Verträge ausliefen, in deren Rahmen HP bisher Betrieb und Wartung der IT einiger Kunden übernommen habe. Die entsprechenden Jobs seien mit Auftragsende überflüssig. Weder innoffiziell aus Reihen des HP-Wirtschaftsausschusses noch offiziell seitens HP Deutschland wollte man diese Informationen kommentieren.

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Alle Kommentare [2]

  1. Psychpoathische CEOs wie Fiorina hinterlassen immer wieder einen Trümmerhaufen. HP ist so ein klinischer Fall. Nieman weiss, was dieser Laden eigentlich noch liefert und für welche Produkte der Name „HP“ steht. Carly hofft auf einen fetten Posten in Washington – ich bin schon gespannt, sie passt da wunderbar ins Bild.

  2. Oh weh diese Fragestellung betreffs Stellenabbau ist ja so ungemein neu und spannend in einem Wirtschaftsmagazin und es gibt sicher noch hundert Möglichkeiten sie ausweichend zu beantworten, oh wie kompliziert! Stellenabbau = fortgesetzte Profitmaximierung durch Erhöhung der Verdienstspanne, …oder?