Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000 Stellen.

Eine wirkliche Bombe war es nicht mehr, als Hewlett-Packard (HP) am Mittwochabend deutscher Zeit sein Vorhaben präsentierte, bis 2014 rund 27.000 Stellen abbauen zu wollen. Denn schon Ende vergangener Woche kursierten Gerüchte über drohende Massenentlassungen bei HP.

Meines Erachtens hat der weltgrößte IT-Konzern aber weniger ein Kosten- als vielmehr ein Innovationsproblem, wie ich gestern in einem ersten Kommentar geschrieben habe. Grund: Bis heute hat HP als weltgrößter PC-Hersteller keine Antwort gefunden auf den Wandel der Branche weg von klassischen Computern hin zu Tablet-Rechnern und Smartphones.

Das sieht die heutige HP- und einstige Ebay-Chefin Meg Whitman – wenig verwunderlich – anders: In einer gut viertelstündigen Videobotschaft hat Whitman, die im September 2011 dem glücklosen Léo Apotheker nachfolgte, am Mittwoch ihre Sicht der Dinge und die Notwendigkeit für das Abbauprogramm erläutert. „Unsere Kosten steigen während unser Umsatz sinkt, und das geschieht bereits zu lange“, so die 55-jährige laut eines intern verbreiteten Videotranskripts, das der WirtschaftsWoche vorliegt.

Die angekündigte „Mehrjahres-Restrukturierung, die jeden Bereich von HP betreffen und ein stromlinienförmigeres Unternehmen schaffen“ werde, sei daher unumgänglich – auch und gerade mithilfe des Abbaus von 27.000 Stellen, die laut ihren Worten „in einer Kombination aus Entlassungen und Frühverrentungen“ durchgezogen werden sollen. „Das sind schwierige Aktionen. Der Abbau von Arbeitsplätzen ist nie leicht, und wir nehmen ihn auch nicht auf die leichte Schulter“, beteuert Whitman in ihrer Ansprache.

Abzielen auf die großen Kostenblöcke

Ihr sei durchaus auch bewusst, dass HP in den vergangenen Jahren bereits durch diverse Veränderungsprozesse gegangen sei und jetzt eine neuerliche „Dosis Veränderung“ anstehe. „Aber in diesem Fall ist sie absolut notwendig für die langfristige Gesundheit unseres Unternehmens“, beschwört Whitman geradezu.

Und nennt als Begründung folgende Rahmendaten: 2009 habe HP 304.000 Mitarbeiter gehabt, Ende 2010 seien es 325.000 gewesen, und Ende vergangenes Jahr fast 350.000. Der Umsatz 2010 sei dagegen zehn Prozent gewachsen, 2011 um ein Prozent geschrumpft und falle bisher auch 2012 weiter. „Wir stolpern unter unserem eigenen Gewicht“, so Whitman.

Zudem unterstreicht sie den Unterschied zu den bisherigen Kostenreduktionen, die Unternehmen und Mitarbeiter durchschritten haben. „Was wir jetzt machen ist anders. Denn wir zielen auf die großen Kostenblöcke und auf den fundamentalen Umbau unserer Geschäftsprozesse. […] Es ist härtere Arbeit – mit potenziell größerem Ergebnis.“ Was vermutlich als Beschwichtigung gemeint war – für die in den vergangenen Jahren bereits mehrfach von Sparplänen und Abbauprogrammen gebeutelten HP-Mitarbeiter muss das fast wie eine Kampfansage klingen.

Von der Wiederherstellung der einst so typischen Innovationskultur bei HP spricht Whitman indes nicht – und endet mit Durchhalteparolen im Stil von „Lasst nicht nach“, „Schließt jeden Deal ab“, „Lasst nichts auf dem Tisch liegen“. Ein Neuaufbruch, er klingt jedenfalls anders – vor allem nach den Frustrationen der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren (siehe unten). Das komplette Transkript der Whitman-Rede in englischer Sprache gibt’s hier.

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Alle Kommentare [2]

  1. Bei HP hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Innovation steht seit langem nicht im Fokus. Der Schwenk zu Software und Services wie es IBM gemacht hat, ist bei HP nicht zum tregen gekommen. Das Unternehmen ist zu sehr auf Hardware und Volumenprodukte fokussiert. Die Mitarbeiter sind fleissige Ameisen, jedoch ohne wirkliche Mitbestimmung. Die meisten Geschäftsbereiche zu groß und ohne Zellteilung. Als großer tanker wird HP nicht so schnell untergehen, aber aus dem schwierigen Fahrwasser kommt man mit Personalabbau auch nicht raus. Kundenfocus, Innovation und motivierte Mitarbeiter sind Schlüssel zum neuen Erfolg, diese Schlüssel kommen aber nicht zum Zuge.

  2. Der Personalabbau ist viel zu gering um damit Erfolg zuhaben.40000-50000 müsstens wohl schon sein.Der PC Bereich müsste verkauft werden und Frauen haben noch nie was gutes bewirkt bei HP.siehe Carly Fiorina.Innovationen? Fehlanzeige.Die Tinte z.b. solls wiedermal im Druckerbereich richten.Sehr Beindruckend.