Viele Unternehmen nutzen die durch Corona gestiegene Online-Zeit nicht ausreichend

Jeder zweite User wird vom ersten Anblick einer Webseite in die Flucht geschlagen; durchschnittliche Besuchszeit liegt unter einer Minute.

Die Corona-Krise hat zu einem starken Anstieg der Websitebesucher seit März 2020 geführt. Allerdings bleibt weiterhin die Hälfte des Contents ungesehen – und die durchschnittliche Besuchszeit auf Websites unter einer Minute. Das ist der zentrale Befund einer neuen globale Erhebung des Spezialisten für Nutzer-Erfahrung Contentsquare mit Hauptsitz in Paris.

Conentsquare hat im Rahmen des jährlich erhobenen Digital Experience Reports über 20 Milliarden Web-Sessions aus dem gesamten Jahr 2020 untersucht. Die zentralen Ergebnisse:

  1. Die Pandemie als digitaler Beschleuniger in allen Lebensbereichen: Die Pandemie treibt die digitale Transformation weiter voran und führt zu einem sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen auf den Webseiten seit März 2020 (plus 25 Prozent). Soziale Kontakte wurden durch Social-Media-Kanäle und andere digitale Devices aufrechterhalten; Einkäufe online getätigt und auch die Freizeitaktivitäten zunehmend in den Onlinesektor verschoben. Somit konnte im letzten Jahresquartal des Jahres 2020 der größte Sprung im digital Traffic verzeichnet werden.
  2. Großes Umsatzpotenzial in Absprungraten: Jeder zweite User wird vom ersten Anblick einer Webseite in die Flucht geschlagen, was die durchschnittliche Bounce-Rate aller Branchen gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 47 Prozent stillstehen lässt. Besonders schlecht ist die Quote im B2B-Sektor, welcher die höchste Bounce-Rate aufweist: Drei Viertel der B2B-Kunden suchen sofort das Weite, mobil schneller als am Desktop oder Tablet (75 Prozent) – ein Umstand, der sich durch alle Branchen hinweg zieht.
  3. Einbruch bei bezahltem Traffic: Ein weiterer Gegenstand der Untersuchung bezog sich auf den organischen Traffic, welcher mit 80 Prozent deutlich überwiegt. Die Daten entstammen den Web-Sessions aus dem Social-Media-Bereich, zahlreichen Suchmaschinen, dem E-Mail-Verkehr sowie dem Referral Traffic. Der bezahlte Traffic fällt im Krisenjahr 2020 dagegen um satte 43 Punkte auf gerade einmal 20 Prozent – vor allem wegen der Einbußen an Etat für Werbemittel im Zuge der Pandemie.
  4. Besuchszeiten unter einer Minute: User sehen sich durchschnittlich fünf Seiten per Web-Session an; dabei bilden 54 Sekunden Besuchszeit die Regel. Hauptgründe hierfür: Online-Kunden geben on-site Pop-ups als größten Frustfaktor an, dicht gefolgt von langsamen Ladezeiten. Eine wichtige Erkenntnis liefert daher die Kennzahl Time To First Byte (TTFB), die die Zeit angibt, wie lange ein User auf seine angeforderten Daten im Internet warten muss: Schon ein Verzug von 100 Millisekunden kann dazu führen, dass die Conversion-Rate um sieben Prozent fällt, wohingegen ein Verzug von zwei Sekunden die Bounce-Rate nahezu verdoppeln lässt.
  5. Mobile First ungebremst: Fast zwei Drittel des Traffic stammen von mobilen Endgeräten (64 Prozent), dabei verlieren Tablets jedoch weiter stark an Bedeutung (minus 53 Prozent). Besonders stark war der Anstieg mobiler Besucher im Luxussektor (+13 Prozent auf 76 Prozent), aber auch der Desktop bleibt wichtig, vor allem branchenbezogen. Immerhin 57 Prozent des Finanzsektors und 81 Prozent der B2B-Branchen setzen weiterhin auf Desktop Traffic
  6. Fast die Hälfte des Contents bleibt ungesehen: Trotz des erhöhten digitalen Auftritts in Zeiten der Pandemie, bleiben weiterhin 45 Prozent des Contents ungesehen; 2019 waren es sogar ganze 69 Prozent. Hier gilt es zu evaluieren, welcher Content für die Nutzer relevant ist und wo er diese tatsächlich erreicht.

Die wichtigsten Zahlen & Fakten über das verschenkte Potenzial vieler Webseiten trotz steigender Besucherzahlen in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken:

Quelle: Contentsquare

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