Fast jeder zweite Deutsche nutzt reine Online-Bank – deutlich mehr als in anderen Ländern

Die Digitalisierung der Finanzdienstleistungsbranche wird in Deutschland verglichen mit anderen europäischen Ländern bereits gut angenommen.

Die Finanzdienstleistungsbranche hat in den letzten Jahrzehnten einen großen Wandel hin zu digitalen Lösungen vollzogen. Das Wachstum des digitalen Bankwesens wurde durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt. Da viele Banken eingeschränkte Öffnungszeiten hatten – und in einigen Fällen für längere Zeit komplett schließen mussten – haben sich die Kunden verstärkt dem Internetbanking zugewandt.

Neue Akteure, die nahezu ausschließlich auf digital setzen, wollen diese Entwicklung fortführen. Gerade in Deutschland scheint die Strategie aufzugehen, wie eine Umfrage des amerikanischen Datenmanagement-Anbieters NetApp unter Verbrauchern in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien zeigt. „Kroker’s Look @ IT“ präsentiert die Ergebnisse der Studie heute exklusiv vorab.

Dabei haben die untersuchten Nationen manches gemeinsam. So möchten beispielsweise mehr als drei Viertel der Befragten den Großteil ihrer Finanzgeschäfte erledigen, ohne eine Filiale aufsuchen zu müssen. In einigen Punkten gingen die Antworten jedoch teils deutlich auseinander.

So sind traditionelle Banken immer noch die häufigste Wahl für die Befragten aller Ländern (Deutschland 82 Prozent, Großbritannien 94 Prozent, Spanien 87 Prozent, Frankreich 94 Prozent). Die Akzeptanz von Online-Banken wie N26 oder DKB sowie Drittanbietern wie PayPal und Apple Pay befindet sich allerdings in sehr unterschiedlichen Stadien.

In Deutschland sind Online-Banken auf dem Vormarsch: Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) nutzt sie bereits. Im Vergleich dazu nutzen 47 Prozent der Spanier, 35 Prozent der Briten und weniger als ein Viertel (20 Prozent) der Franzosen Online-Banken.

Am vielleicht überraschendsten war das Wachstum von Drittanbietern wie PayPal, Apple Pay und Google Pay, die mittlerweile von 68 Prozent der Deutschen genutzt werden. Im Vergleich dazu nutzen nur 37 Prozent der Franzosen Drittanbieter – der niedrigste Wert von den vier Ländern. In Spanien liegt dieser immerhin bei 62 Prozent und in Großbritannien bei 57 Prozent.

Eine Erklärung für diese Zurückhaltung könnte sein, dass die Mehrheit der Befragten aus Großbritannien (64 Prozent), Spanien (75 Prozent) und Frankreich (73 Prozent) Angst davor hat, dass ihre persönlichen Kontodaten bei der Nutzung von Drittanbietern von Kriminellen gestohlen werden. Die Deutschen hingegen sind vertrauensvoller: Nur 42 Prozent teilen diese Befürchtung.

Die Mehrzahl der Befragten aller Länder glaubt, dass die persönlichen Daten, die ihre Bank über sie hat, vor Hackern sicher sind. Außerdem sind 80 Prozent mit Ausnahme von Frankreich (73 Prozent) der Meinung, dass ihr Geld bei ihrer Bank sicher ist. Ein weiterer Grund für die geringe Nutzung von Drittanbietern speziell in Frankreich könnte darin liegen, dass 56 Prozent der Franzosen nicht wissen, wie diese funktionieren.

Wenn es um den Zugang zu Bankdienstleistungen geht, sind die Website und App die bevorzugten Interaktionsmethoden für alle Nationen. Mit dem Unterschied, dass die Spanier eine App (82 Prozent) einer Website (63 Prozent) vorziehen, während die Briten eine Website (82 Prozent) gegenüber einer App (65 Prozent) bevorzugen. Rund 70 Prozent der Deutschen favorisieren diese beiden Interaktionsmethoden.

Aber auch der persönliche Service am Telefon oder in der Filiale ist beliebt: Etwas weniger als die Hälfte der deutschen Befragten zieht es vor, eine Filiale aufzusuchen (47 Prozent) oder mit einem Bankangestellten telefonisch zu sprechen (44 Prozent). In Frankreich ist diese Vorliebe am größten (Filiale: 61 Prozent, Telefon: 53 Prozent). Obwohl die digitalen Mittel die physischen Kontaktmöglichkeiten überholt haben, bleiben sie also relevant.

Die wichtigsten Zahlen & Fakten zur Digitalisierung in der Finanzdienstleistungsbranche in Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken:

Quelle: NetApp

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