Krokers RAM: Eine dreistellige Milliarden-Bewertung der Telekom wäre kein Selbstzweck!

Mein Rant am Morgen: Im weltweiten Konkurrenzkampf ist ein hoher Börsenwert, wie ihn Telekom-CEO Tim Höttges anstrebt, kein Mittel zum Selbstzweck: Sondern er ermöglicht es etwa, eigene Aktien als Währung bei Übernahmen einzusetzen – wie es die US-Rivalen immer wieder vorexerzieren.

Wie ich gestern exklusiv berichtet habe, peilt die Deutsche Telekom auf absehbare Zeit eine Börsenkapitalisierung im dreistelligen Milliardenbereich an. „Die Schwelle von 100 Milliarden Euro adressieren wir, wenn der US-Deal mit Sprint durchkommt“, so Telekom-Vorstandschef Tim Höttges in der vergangenen Woche am Rande der Konferenz Digital X in Köln gegenüber der WirtschaftsWoche.

Aktuell sind die Bonner an der Börse rund 75 Milliarden Euro wert – und damit immerhin der am höchsten bewertete Telekommunikationskonzern in Europa. Dennoch hatte Höttges die Telekom auf seiner Konferenz-Keynote zuvor als „Einäugigen unter den Blinden“ bezeichnet: Allein die fünf Tech-Riesen Apple, Alphabet, Amazon, Facebook und Microsoft kämen zusammen auf rund vier Billionen Euro. „Ihr Magenta-Riese ist im globalen Wettbewerb ein Zwerg“, sagte Höttges in seiner Rede.

Und auch die direkten US-Rivalen Verizon (Börsenwert 220 Milliarden Euro) und AT&T (254 Milliarden Euro) lägen bei einem Mehrfachen der Telekom. „Wir brauchen daher auch in Europa Telcos mit einer Marktkapitalisierung von 250 Milliarden Dollar und entsprechenden Muskeln im Wettbewerb“, so Höttges in seiner Rede weiter.

Sollte die Telekom mittelfristig die 100-Milliarden-Euro-Schwelle überschreiten, wäre der Konzern nach dem Walldorfer Softwaregiganten SAP erst das zweite deutsche Unternehmen mit einem Börsenwert im dreistelligen Milliardenbereich.

Tatsächlich ist der Drang nach Größe aus Sicht von Höttges verständlich: Im weltweiten Konkurrenzkampf ist eine hohe Börsenbewertung kein Mittel zum Selbstzweck, sondern ermöglicht es unter anderem, eigene Aktien als Ersatzwährung bei Übernahmen einzusetzen – wie es gerade die US-Rivalen immer wieder vorexerzieren.

Wie schnell die Telekom den nächsten Schritt schafft, ist gleichwohl offen. Zwar hat die amerikanische Regulierungsbehörde für Telekommunikation FCC einer Fusion der Telekom-Tochter T-Mobile USA mit dem US-Rivalen Sprint erst am Dienstag dieser Woche zugestimmt. Allerdings klagen mehr als ein Dutzend US-Staaten gegen den Zusammenschluss; die Gerichtsverhandlungen sollen im Dezember beginnen – wie lange sich dieser Prozess hinzieht, ist völlig unklar.

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