Krokers RAM: Amazon lässt die deutsche Digitalwirtschaft in der Cloud alt aussehen

Mein Rant am Morgen: Wenn selbst deutsche Behörden eher einem ausländischen Cloud-Anbieter vertrauen als dem nationalen Champion, lässt das aufhorchen: So wie im aktuellen Fall der Bundespolizei: Dort war Amazon schneller – und technisch ausgefeilter – als die Deutsche Telekom.

Als kürzlich durchsickerte, dass die Bundespolizei die Daten der neu eingeführten Bodycams ausgerechnet in der Cloud der Amazon-Tochter Amazon Web Services (AWS) speichert, war der Aufschrei groß.

Dabei gibt es für die Wahl von AWS durch die Bundespolizei mehrere Gründe, wie ich gestern in einer WiWo.de-Geschichte ausführlich dargelegt habe: Zum einen nutzt die vom Bodycam-Hersteller Motorola verwendete Software bestimmte technische Funktionen, die AWS anbietet – andere Cloud-Anbieter hingegen nicht.

Das heißt: Eine Portierung wäre nur mit großem technischen Aufwand wie dem Umprogrammieren der Software möglich gewesen – für die Bundespolizei kein gangbarer Weg.

Damit nicht genug: AWS hat von Beginn an eng mit der Bundespolizei und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als beratende Behörde zusammengearbeitet – und war schlicht schneller als die Konkurrenz.

So hat sich die Amazon-Tochter als erster hiesiger Anbieter der sogenannten C5-Zertifizierung des BSI unterworfen – wichtige Voraussetzung für die Beauftragung durch eine deutsche Behörde. Die Open Telekom Cloud von T-Systems hat sich dem erst viele Monate später unterworfen – möglicherweise die entscheidenden Monate zu spät für einen Deal mit der Bundespolizei, wie man auch bei der Telekom einräumt.

Anders ausgedrückt: Amazon hat die deutsche Digitalwirtschaft in der Cloud alt aussehen lassen – und das gleich mehrfach.

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