Deutscher Mittelstand holt bei Cloud-Nutzung auf – aber 10 Prozentpunkte unter Durchschnitt

Im Vergleich zu 2015 holen kleine und mittlere Unternehmen aus Deutschland in Sachen Cloud auf. Dennoch bleibt ein Rückstand bei der Digitalisierung.

Der deutsche Mittelstand holt bei der Nutzung von Softwarelösungen aus der Cloud stark auf – bleibt im internationalen Vergleich aber weiterhin das Schlusslicht. Dies ist der zentrale Befund einer internationalen Studie des Marktforschungsinstituts Pb7 im Auftrag des Anbieters von Unternehmenssoftware Exact aus den Niederlanden.

Demnach nutzt im Jahr 2016 die Hälfte aller kleinen und mittelständischen Firmen bereits Geschäftsanwendungen aus der Cloud (51 Prozent). Das entspricht einem deutlichen Plus im Vergleich zum Vorjahr: Bei der entsprechenden Studie 2015 lag jener Anteil gerade einmal bei 31 Prozent.

Dennoch liegen die deutschen Unternehmen immer noch zehn Prozentpunkte hinter dem internationalen Durchschnitt (61 Prozent). In Ländern wie Spanien und den Niederlanden liegt der Anteil der Cloud-Nutzer im KMU-Bereich sogar bei 70 Prozent und darüber.

Auch beim Thema digitale Transformation hinkt das Bewusstsein der Unternehmen in Deutschland hinterher: Dass die Digitalisierung einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbslandschaft in den kommenden Jahren hat, sehen weltweit 62 Prozent der befragten Unternehmen. In Deutschland stimmten dem nur 56 Prozent der Mittelständler zu.

Kein Wunder also, dass die hiesigen Unternehmen Schlusslicht bei der Digitalisierung sind: Zwar weisen 41 Prozent der deutschen KMU der Digitalisierung ihres Geschäfts eine hohe Priorität zu. Im internationalen Vergleich ist dies jedoch die niedrigste Rate: Hier geben 45 Prozent der befragten Unternehmen der Digitalisierung eine hohe Priorität; in Spanien sind es sogar 56 Prozent, in Frankreich 49 Prozent.

Weitere Ergebnisse der Studie „KMU Barometer 2016“, für die Pb7 insgesamt rund 2600 Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Spanien sowie den USA befragt hat, in der folgenden Infografik:

Quelle: Exact

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Alle Kommentare [7]

  1. Langsam gibt es auch mehr Lösungen, die dem deutschen Sicherheitsanforderungen entsprechen. ProfitBricks, T-Systems mit Microsoft sind einige Unternehmen die eine Lösung anbieten.

  2. Ich finde diese Zahlen sehr erfreulich. Das wir hinterherhinken, muss nicht negativ sein. Vor 5 Jahren war eine Cloud Lösung stets isoliert vom Rest des Unternehmens. Das macht Sinn, wenn man ein sehr einfaches Business betreibt, bei komplexeren Unternehmen müssen die Daten (Kundendaten etc.) in vielen verschiedenen Systemen aktuell vorliegen. Erst seit 1-2 Jahren gibt es wirklich gute Möglichkeiten, Applikationen aus der Cloud miteinander zu verketten und Daten auszutauschen. Der Eindruck, Cloud-Verweigerer hätten einen Wettbewerbsnachteil war bisher nicht gegeben. Doch das wird bald der Fall sein, Microsoft, SAP, Oracle, IBM liefern die besten Apps aus der Cloud.

  3. Ich persönlich finde die Verbindung „holen […] in Sachen Cloud auf.“ mit „Rückstand bei der Digitalisierung“ sehr weit her geholt und empfinde sie als „herstellergetrieben“.

    Gerade mittelständische Unternehmen betreiben Ihre IT ja nicht erst seit gestern, haben für ihre Zwecke die für sie notwendigen und hilfreichen Systeme integriert und passend zu ihren Abläufen optimiert. Die Rechenzentren, Backup, Lizenzen, Personal, Know-How usw. sind da, laufen und kosten im Betrieb normalerweise nur noch relativ Geld im Vergleich zu Neuanschaffungen und – auf die Dauer gerechnet – cloud-basierten Lösungen.

    Warum sollte also eine mit eigener, hoch-optimierter IT weniger „digitalisiert“ sein, als eine, die wie im Bauchladen bei zig Cloudanbietern Insellösungen einkauft, deren Prozesse dementsprechendes Flickwerk sind und die außerordentlich deutlich von externen Firmen und Internetzugang abhängt?

  4. Ich stimme hier Thomas ganz und gar zu.
    Cloud- der Begriff, der immer wie eine „Gefahr“ über den Kunden schwebt, wird bei dieser Aussage auch wieder nur auf „ausgelagerte Anwendungen und Dienste“ bezogen – also auf externe Cloud-Anbieter. Vergessen sind hier die KMU, die ihre IT und Geschäftsprozesse selbst auf Cloud-Dienste innerhalb ihrer Unternehmen, sprich per Virtualisierung umgestellt haben. Also bitte, wir sollten doch zum allgemeinen Verständnis endlich nach mehr als 30 Jahren den Begriff Cloud (dem Kind / der Funktionalität wurde ein neuer Name gegeben) richtig kommunizieren! (public?, private?, hybrid?) Somit ist aus dieser Meldung kein Rückschluss auf „Hinterherhinken“ der KMU in Bezug der Digitalisierung zu schließen. Vielmehr sollten zum Stand „Digitalisierung“ in Deutschland politische, rechtliche und sicherheitstechnische Rahmen und Faktoren analysiert werden.

  5. Textkorrektur eines „KMU´lers“:
    Deutscher Mittelstand forciert weiter bei Cloud-Nutzung Unternehmensdaten für jedermann sichtlich zu machen (Thema Datenklau für die heimische Wirtschaft der USA, NSA…)
    – jedoch immer noch 10 Prozentpunkte Intelligenz überm Durchschnitt
    Der deutsche Mittelstand forciert weiterhin ungebrochen das Risiko bei der Nutzung von Softwarelösungen aus der Cloud – bleibt im internationalen Vergleich aber weiterhin in Führung
    Damit liegen die intelligenten deutschen Unternehmen immer noch zehn Prozentpunkte vor dem internationalen Durchschnitt (61 Prozent). In Ländern wie Spanien und den Niederlanden liegt der Anteil der Cloud-Nutzer, für die die Sicherheit ihrer Unternehmensdaten wohl gar nix mehr wert ist, im KMU-Bereich sogar bei 70 Prozent und darüber.
    Was denkt sich eigentlich der Autor, solch einen Bericht zu veröffentlichen???
    VG RH

  6. Was hat cloud mit Digitalisierung zu tun? Tritt vielleicht gleichzeitig auf die Bildfläche. Man kann perfekt digitalisieren ohne einen Cloud-Dienst zu nutzen. Firmen, die keine cloud benutzen, als rückständig hinzustellen ist unredlich und wahrscheinlich interesse-geleitet. Oder einfach oberflächlich.

  7. Diese Untersuchungen scheinen immer davon auszugehen, dass Cloud besser ist als Inhouse-Server.

    Vielleicht hängt der „vermeintliche Rückstand“ – im Vergleich zu anderen Ländern – mit besseren IT-Abteilungen in Deutschland zusammen?

    Aber ich will damit keine Diskussion ob Cloud besser ist als Inhouse-Server anstoßen. Ich stelle aber in meiner täglichen Arbeit fest, dass jedes Unternehmen ganz eigene Anforderungen an IT- und Business-Software hat. Und dieser Individualismus muss bei der Entscheidung ob Cloud oder Inhouse-Lösung immer im Einzelfall entschieden werden.