Preisverfall bei Google-Anzeigen: So kaputt ist der Markt für Online-Werbung

Der US-Internet-Riese zeigt beispielhaft, wie schlecht das Geschäft mit Online-Anzeigen läuft. Unter anderem deshalb wird „Basic Thinking“ jetzt verkauft.

Als Google Ende der vergangenen Woche seine Zahlen fürs abgelaufene erste Quartal vorlegte, sah oberflächlich beleuchtet alles gut aus: So stieg der Gesamtumsatz im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 17,3 Milliarden Dollar; das Geschäft mit Online-Anzeigen legte 11 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar zu.

Bei Lichte betrachtet aber erweist sich: Gerade das mit einem Umsatzanteil von gut 90 Prozent für Google so wichtige Online-Werbegeschäft krankt – und zwar so sehr, dass selbst der unumstrittene Marktführer langsam, aber sich darunter leidet.

Quelle: Statista/Google

Google erhält pro Klick auf eine Web-Anzeige Geld (Cost per Click, CPC). Doch die durchschnittlichen Preise für Google-Anzeigen – sprich ebenjene CPC-Preise – sind seit Jahren im freien Fall. Allein im jüngsten ersten Quartal sackten die Preise um sieben Prozent in den Keller. Das letzte Plus verzeichnete der Markt im dritten Quartal 2011.

Die schrumpfenden Durchschnittserlöse bei den Online-Anzeigen schlagen längst auch beim Kerngeschäft von Google durch: Noch vor drei Jahren lag das Wachstum in jener Sparte laut US-Portal „Business Insider“ auf fast 25 Prozent – inzwischen ist die Rate auf knapp zehn Prozent gerutscht.

Quelle: Business Insider/Google

Immerhin, das Geschäft für Google wächst noch. Andererseits hat der US-Konzern längst noch weitere Probleme: So könnte das kürzlich gestartete Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission der Anfang vom Google-Abstieg sein, wie die „WiWo“ kürzlich analysiert hat.

Für alle anderen Unternehmen, die mit Internet-Anzeigen irgendwie Geld verdienen wollen, sind die Zahlen aber noch viel ernüchternder – zeigen sie doch, dass der Markt für Online-Anzeigen regelrecht kaputt ist.

Wie kaputt, zeigt sich auch an folgender Kennzahl: Wie mir ein Brancheninsider kürzlich zugerufen hat, setzt das recht bekannte deutsche IT-Blog „Basic Thinking“ weniger als 1000 Euro mit Online-Werbung um – pro Monat wohlgemerkt. Da wundert es kaum, dass die Muttergesellschaft Onlinekosten.de – wie Mitte April angekündigt – Basic Thinking nun losschlagen will.

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Alle Kommentare [2]

  1. Ist das nicht schlicht und einfach Inflation? Wenn ich immer mehr Werbeflächen in den Suchergebnissen schaffe und die Nachfrage, die vom eCommerce-Volumen abhängt, nur mit knapp 10% wächst, müssen die Werbepreise doch per definitionem fallen. Es entstehen durch mehr Anzeigenklicks ja nicht zwangsläufig mehr Transaktionen, sie werden nur anders verteilt und im Zweifel durch mehr Werbeklicks GEteilt. Folglich muss der Klickpreis fallen.

    Hintergrund: http://pip.net/google-werbemarkt

  2. @Philipp Kloeckner: Danke für den Link und die lange, aber dennoch sehr spannende Analyse… ist natürlich was dran. Und spricht dann tatsächlich eher mehr denn weniger für eine Regulierung…