Eine Trendwende bei Blackberry ist in weite Ferne gerückt

Die neuen Blackberry-10-Geräte haben den Geschäftsverfall bei dem kanadischen Smartphone-Pionier nicht gestoppt. Das zeigen auch spezielle Indikatoren wie der durchschnittliche Wert je Kunde.

Ende vergangener Woche hat Blackberry seine Geschäftszahlen fürs erste Quartal des Geschäftsjahres 2014 vorgelegt. Die waren auf den ersten Blick gar nicht so schlecht: So ist zwischen März und Mai dieses Jahres beispielsweise nur ein Verlust in Höhe von 84 Millionen Dollar angefallen – im selben Zeitraum des Vorjahres war es noch mehr als eine halbe Milliarde Dollar.

Dass die Börse die Aktie von Blackberry trotzdem um fast ein Drittel in den Keller geschickt hat, hatte denn auch einen einzigen Grund: Von den 6,8 Millionen verkauften Smartphones waren nur 2,7 Millionen der allerneusten Baureihe Blackberry 10 – das waren 600.000 weniger als von Analysten erwartet.

Quelle: Tech-Thoughts

Damit ist eine schnelle Trendwende bei dem strauchelnden Smartphone-Konzern in weite Ferne berückt, wie Industrie-Analyst Sameer Singh in seinem Blog “Tech-Thoughts” analysiert hat. Denn die Verkäufe der Neugeräte können bisher den Einbruch bei den veralteten Blackberry-7-Geräte nicht kompensieren.

Mehr noch: Vergleicht man die Blackberry-Zahlen mit denen des ebenfalls strauchelnden Handy-Riesen Nokia, erkennt man, dass die Finnen bei der Ablösung ihres Altsystems Symbian bereits ein ganzes Stück weiter sind (auch wenn Nokia damit ebenfalls noch nicht über den Berg ist).

Auf einen weiteren spannenden Aspekt hat Mobilfunk-Analyst Horace Dediu in seinem Blog „Asymco“ hingewiesen: Demnach ist der Wert eines einzelnen Blackberry-Nutzers – bezogen auf den Börsenwert des Konzerns – aufgrund des Kursverfalls dramatisch gesunken.

Quelle: Asymco

Aktuell ist laut Dediu jeder der rund 72 Millionen Blackberry-Nutzer noch rund 40 Dollar wert; beim Höhepunkt Anfang 2010 war jeder einzelne dagegen fast 900 Dollar wert. Mehr noch: Jenes Allzeithoch lag weit – genau genommen deutlich mehr als zwei Jahre – vor dem Gipfel bei den weltweiten Nutzerzahlen. Das bedeutet: Obwohl die Nutzerbasis wuchs, sank bereits der Wert des einzelnen Kunden.

Zudem fällt auf: Beim amerikanischen Endkunden hat Blackberry viel früher – rund zwei Jahre – den Höhepunkt erreicht als bei allen Kunden weltweit. Das heißt: Vor allem Unternehmenskunden haben lange noch das Blackberry-Geschäft künstlich gestützt, obwohl darunter bereits die Basis in Form von Kundenzuspruch wegbrach.

Es bleibt spannend abzuwarten, ob und mit welchen Mitteln der deutsche Blackberry-Chef Thorsten Heins jetzt noch das Ruder rumreißen kann.



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Alle Kommentare [1]

  1. Man sollte immer bedenken, Monokulturen sind nicht gut! Da baue ich doch lieber auf BlackBerry und meine Daten sind sicher. Ich habe keine Lust meine Telefonnummern von Facebook für Android ausspähen zu lassen, oder mir Android Würmer einzufangen! Leider benötigt es immer viel Zeit für die Verbraucher zum Umdenken. Denn BlackBerry 10 ist gut. Es läuft extrem stabil, ist schnell und wenn man die paar Gesten zur Bedienung kennt, kann man rasend schnell navigieren. Es muss halt nur noch leider beim Consumer ankommen, der sich damit wohl noch nicht beschäftigt hat. Da muss BlackBerry wohl noch mehr Werbung machen.