Stranguliert Apple mit dem neuen iPhone den Markt für Musik-Streaming?

Angeblich will Apple mit dem iPhone 5 auch ein eigenes Angebot für Internet-Radio starten – der Anfang vom Ende von Streaming-Anbietern wie Spotify, Pandora & Co.?

Anfang des Jahres hat die US-Nachrichtenagentur Bloomberg über die Bemühungen von Samsung berichtet, sein Geschäft mit Digitalkameras neu aufzustellen, um so dem Schicksal manch anderer Gadget-Kategorien wie GPS-Emfpänger oder der Mini-Videokamera Flip zu entgehen. Die vielsagende Überschrift jenes Beitrags: „Tod durch Smartphone“.

Wenn der IT-Übergigant Apple am heutigen Abend die fünfte Auflage seines Megasellers iPhone präsentiert, könnte dies den Anfang vom Ende des nächsten Todgeweihten bedeuten: Laut Bericht der US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ (leider Paywall) will Apple den eigenen Musik-Dienst iTunes um eine Internet-Radio-Komponente erweitern – gewissermaßen als Alternative zu Musik-Streaming-Diensten wie Spotify, Last.fm oder Pandora, wie der Branchendienst „Meedia“ erläutert.

 Quelle: Statista/Strategy Analytics

Zwar boomt das Streaming – also die Live-Übertragung von Daten – im Gegensatz zum herkömmlichen Herunterladen von Musik oder der Nutzung physikalischer Tonträger wie CDs deutlich. Allein in diesem Jahr liegt das Plus laut einer Mitte August veröffentlichten Studie des britischen Marktforschers Strategy Analytics bei 40 Prozent im Vergleich zu neun Prozent bei Downloads.

Parallel zu den Umsätzen von Streaming-Diensten wie Spotify oder Pandora scheinen aber auch die Verluste zu wachsen. Laut einem Bericht der „New York Times“ von Ende August hat etwa der auch in Deutschland populäre Musikdienst Spotify im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von knapp 240 Millionen Dollar ein Minus von fast 60 Millionen Dollar eingefahren.

Quelle: Statista/New York Times

Beim Wettbewerber Pandora sieht die Situation ganz ähnlich aus. Hauptgrund für die Verluste sind die hohen Lizenzabgaben an die Musikindustrie, die offenbar einen Großteil der Einnahmen fressen. Bei Pandora betragen die Lizenzen laut „New York Times“ 54 Prozent, bei Spotify gar 70 Prozent der Umsätze. Einziger Ausweg für die Anbieter: Geringere Lizenzkosten bei der Musikindustrie verhandeln und den eigenen Kunden gleichzeitig höherwertige und damit teurere Premium-Accounts verkaufen.

Beides könnte aber der jetzt bevorstehenden Vorstoß von Apple konterkarieren: Schon heute ist iTunes die mit Abstand wichtigste Instanz für den legalen digitalen Vertrieb von Musikstücken. Entsprechend schwer dürfte es Spotify, Pandora & Co. fallen, zusätzliche Kosten zu verlangen, wenn die Kunden künftig bei Apple alles aus einer Hand bekommen. Von dem mutmaßlichen Vertriebserfolg des iPhone 5 als dem wichtigsten Musikabspieler überhaupt ganz zu schweigen: Das vielleicht bekannteste Opfer der Kategorie „Death by Smartphone“ stammt nämlich von Apple selber – oder erinnert sich noch jemand an den iPod?

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