Das Android-Paradoxon besteht weiter

Gut die Hälfte aller Smartphones läuft mit dem mobilen Betriebssystem von Google. Aber nur rund ein Fünftel aller mobilen Web-Zugriffe kommen von Android-Geräten.

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass ich über dieses Thema hier im Blog schreibe. Aber die Schere, ja die Tragweite dieses Befundes wird tatsächlich sogar noch größer. Erst Anfang dieser Woche haben die Marktforscher von Comscore ihre monatlichen Zahlen zum Smartphone-Markt publiziert.

Das Ergebnis: Der Anteil von Geräten basierend auf dem Google-Mobilsystem Android wächst weiter und liegt mit weitem Vorsprung vor Apple iOS und dem kümmerlichen Rest des Markte – und zwar egal ob in den USA, weltweit oder auch in Deutschland: Android kommt auf einen Marktanteil von jeweils gut 50 Prozent.

Quelle: Holger Schmidt/Comscore

In die gleiche Richtung weisen Zahlen, die in dieser Woche von Google selber veröffentlicht wurden. Laut Chairman Eric Schmidt aktiviert der Internet-Riese aktuell 1,3 Millionen Android-Geräte – und das jeden Tag.

Dies ist ein deutlicher Sprung gegenüber den 900.000 Androiden, die Google im Juli freigeschaltet hat. Von den 550.000 Geräten vor einem Jahr ganz zu schweigen. Im Klartext: Binnen eines Jahres hat sich die Aktivierungsrate mehr als verdoppelt.

Quelle: Silicon Alley Insider/Google

Um so erstaunlicher ist es freilich, dass Android trotz dieses regelrechten Booms bei der Nutzung des mobilen Internets nicht recht vom Fleck kommt. Dort ist nämlich weiterhin der Erzrivale iOS, also Apple, das Maß aller Dinge.

Laut aktuellen Zahlen vom Internet-Marktforscher NetApplications stammten im August gut 66 Prozent aller mobilen Web-Zugriffe von iOS-Geräten, also iPhones und iPads. Android kommt mit knapp 21 Prozent nicht mal auf ein Drittel dessen – auch wenn das Wachstum zuletzt höher war als bei iOS. Ähnliche Zahlen weist StatCounter in einer separaten Erhebung aus, wie Philip Elmer-Dewitt in seinem bei Fortune aufgehängten Blog „Apple 2.0“ Anfang der Woche angemerkt hat.

„Im Rennen zwischen iOS und Android hält die Abkopplung von Marktanteil und Web-Nutzung an“, hat Mobil-Analyst Horace Dediu vom Marktbeobachter Asymco diesen Befund per Twitter kommentiert. Das Android-Paradoxon, es besteht weiter. Bleibt eigentlich nur die Frage: Was, wenn nicht Surfen, machen all die Android-Nutzer dann mit ihren Geräten?

Quelle: Fortune.com/NetApplications

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Alle Kommentare [12]

  1. Leute, das ist kein Paradoxon. Android Geräte kosten nicht viel. Dafür kriegt man ein iPhone meistens nur mit einem teuren Handyvertrag, mit sämtlichen Flatrates. Und ihr faselt was von Paradoxon. Schämt euch.

  2. Na ja, dafür ist der Unterschied zwischen Zahl der Geräte und Grad der Nutzung einfach zu groß. Zudem gibt’s in vielen Märkten ja längst auch Billig-Daten-Flats.

  3. Die meisten Leute aus meinem Bekanntenkreis brauchen ihr smartphone für whatsapp und Fotoalben … und zum Telefonieren.

  4. Android sind die Smartphones, die die Leute kaufen, die früher Nokias Mittelklasse gekauft haben (ebenfalls Smartphones), aber nie als Smartphone benutzt wurden.

    Sind halt in der Handy Verlängerung kostenlos drin. Nimmt man mit, auch wenn man es eigentlich nicht braucht. Wird dann am Ende eben auch nicht benutzt … Ist nicht paradox.

    Hätte Apple ein 200 Euro iPhone (ergo bei Vertragsvlängerung kostenlos drin), würde das Paradoxon sofort verschwinden.

  5. Hi Michael,

    interessanter Artikel! Kurze Frage: wie genau definiert Ihr „mobile Web Zugriffe“? Sind das Zugriffe einschließlich aller App-Zugriffe (sobald sie Daten online abrufen)? Oder sind das lediglich Web-Zugriffe über den Browser? Vielen Dank und viele Grüße Markus

  6. Ich glaube, dass Android-Geräte inflationär auf dem Markt sind. Viele brauchen kein mobiles Internet, bekommen aber vom Mobilfunkanbieter ein internetfähiges Smartphone in die Hände gedrückt – meist ist das halt Android. Apple hat eher seinen Ruf bei den Havy-Usern und Digital Natives – die surfen auch auf dem kleinen Bildschirm to-go, machen dafür aber Abstriche in der Userbility. Für Leihen mag es daher noch unverständlicher zu sein, am Handy zu browsen.

  7. Hi Michael,
    vielen Dank für die schnelle Antwort. Das erklärt dann einiges, oder? Es sind ja grade die Apps, die online Zugriffe über das Handy komfortabel machen. Internetbrowsen über das Handy ist ja nach wie vor ziemlich hakelig. Ich denke, wenn man sich die Zugriffe insgesamt ansieht (also einschließlich App-Zugriffe), wird das Ganze weit weniger paradox…

  8. Mhhh, im Februar stellte sich die Differenz noch nicht so hoch dar: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/208254/umfrage/weltweiter-monatlicher-mobiler-datenverkehr-nach-betriebssystem/

    Fakt ist aber tatsächlich, dass der Verbrauch unter iOS signifikant höher ist. Das ist aber nur augenscheinlich ein Paradoxon: Der Fehler ist imo, dass Comscore und Co nicht zwischen iPhone und iPad differenzieren und dadurch unbeabsichtigt Äpfel mit Birnen verglichen werden. Während es in der Vergangenheit „kaum“ Android-Tablets gab, ist das iPad aber schon seit über 2 Jahren ein Millionen-Seller. Auch die 3G-Varianten. Der Datenverbrauch bei den Dingern ist aber bei fast allen Inhalten (natürlich außer bei Musik) gegenüber dem von Smartphones signifikant höher: Je größer der Screen, desto höher der Verbrauch, bei allem was gestreamed wird. Ich hatte es bei Sky Go mal mitgeplottet. Afair Faktor 3 oder 4 bei derselben Sendung.
    Deswegen schaut das Ergebnis so aus, als wären Android-Nutzer allgemein mobil weniger aktiv. Sind sie aber nicht. Es gibt nur eben weit weniger Android-Tablets am Markt.

    Finde die Statistik nicht mehr, aber afair ist es so, dass allein durch das iPad1 weltweit mittlerweile 10% des stationären Datenvolumens verbraucht werden (Couchsurfer). Lässt man da einen vagen Rückschluss auf den mobilen Verbrauch zu, dann stützt das meine Behauptung.

  9. @Karsten: Wenn ich den Autor richtig verstanden habe, geht es aber nicht um Traffic, sonder um HTTP-Requests. Die müssten doch unabhängig von der Streamqualität vergleichbar sein.

    Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings bestätigen, dass ich den Browser auf meinem Androiden kaum nutze, da es für die meisten Aufgabenbereiche passende Apps gibt. Inwieweit diese API-Requests auch in der Statistik enthalten sind, wäre hier also interessant.

  10. @Jonas

    Stimmt. Habe ich übersehen. In der zweiten Grafik sind übrigens die Zugriffe „ipadbereinigt“ dargestellt: http://tech.fortune.cnn.com/2012/09/02/net-applications-apples-ios-web-share-hit-65-9-in-august/. Da ist Android auch nur leicht vorn, trotz weit höherer Verkaufszahlen. Einzige Erklärung aus meiner Sicht wäre dann noch: Zu den ganzen Androiden, die da mit erfasst werden, gehören natürlich auch eine Menge Budget-Geräte. Da das Webbrowsen damit oft sehr frickelig ist, nutzt man sie entsprechend selten, sondern beschränkt sich tatsächlich auf die Nutzung von ein paar Apps.