Interne E-Mail: Steve Ballmer liebt Microsoft – immer noch

In einer internen E-Mail wirbt der Microsoft-Boss für den jüngsten Strategieschwenk bei Tablet-Rechnern – und schwört seine Mitarbeiter auf die noch kommenden Produktveröffentlichungen ein.

Noch am Montagmorgen hatte ich den Schritt für unrealistisch gehalten, zu groß schienen die potenziellen Konflikte zwischen Microsoft und seinen PC-Partnern – und Microsoft-Boss Steve Ballmer hat es dennoch getan: Am Montagabend hat Ballmer höchstpersönlich in Los Angeles die neue Tablet-PC-Reihe namens Surface präsentiert – die ersten Computer, die unter der Marke Microsoft auf den Markt kommen soll.

Mögliche Bedenken, dadurch Partner wie HP oder Dell zu verprellen, haben Ballmer offensichtlich nicht mehr umstimmen können – zu groß scheint ihm der Vorsprung insbesondere von Apple im immer bedeutender werdenden Geschäft mit Tablet-Rechnern. „Die große Tablet-Zäsur“ hat den Schritt mein Silicon-Valley-Kollege Matthias Hohensee in einer ersten Analyse genannt. Zu recht: Erstmals greift Microsoft mit eigenen Geräten ein in den immer wichtiger werdenden Tablet-Markt, der laut IDC bis 2016 drei Mal so groß wie der PC-Markt sein soll. Die erklärten Gegner sind dabei das iPad aus dem Hause Apple sowie das Galaxy Tab von Samsung:

Quelle: Reuters

Die ersten Reaktionen auf die Ankündigung sind trotz des Risikos, das Microsoft und Ballmer eingehen, eher positiv. Das Microsoft-Tablet sei im Grunde eine „Schande für die PC-Hersteller“, schreibt etwa das US-Wirtschaftsmagazin „Businessweek“. HP, Dell, Acer und wie sie alle heißen hätten seit Jahren erfolglos probiert, den Erfolg von Apple zu imitieren. Daher habe jetzt Microsoft selber vorpreschen müssen, um den Tablet-Markt nicht komplett dem Erzrivalen aus Cupertino zu überlassen.

Offenbar haben die Redmonder dabei erst einmal nicht allzu viel falsch gemacht. „Microsoft. Kicks. Ass“, betitelt John Koetsier seine Analyse beim US-Hightech-Blog „Venture Beat“. Auf gut Deutsch bedeutet das nicht nur den sprichwörtlichen Tritt in den, nun ja, Allerwertesten. Sondern auch soviel wie „Geilomat Microsoft.“ Und das wohlgemerkt aus der Feder respektive Tastatur eines selbsterklärten Apple-Fanboys, wie Koetsier eingangs seines Beitrags selber preisgibt. Folgendes Promo-Video über Surface aus dem Hause Microsoft gibt einen guten ersten Eindruck:

Da wundert es nicht, dass sich auch Steve Ballmer geradezu begeistert über die neue Ankündigung zeigt: „Ich liebe es, dass wir brillante Ingenieure mit brillanten Ideen haben“, schreibt Ballmer gewohnt pathetisch in einer internen E-Mail an die Microsoft-Beschäftigten, die der WirtschaftsWoche vorliegt – und fährt fort: „Ich liebe es, dass wir nicht davor zurückschrecken, mutige Entscheidungen zu treffen.“

Was dann folgt, klingt fast wie eine Kampfansage an die Adresse der Konkurrenten, die Microsoft im Tablet- und Smartphone-Geschäft längst abgeschrieben haben: „Wir sind sehr gut im Plan, eine enorme Pipeline neuer Geräte und Dienste zu veröffentlichen, welche Endkunden lieben werden und Unternehmen brauchen. Unsere Arbeit wird anerkannt werden“, schwört Ballmer seine Leute auf die kommenden Herausforderungen ein. Den kompletten Text der E-Mail gibt’s als Tumblr-Kopie hier.

Apropos Liebe: Fast hat man als langjähriger Beobachter den Eindruck, Ballmer möchte mit seiner Wortwahl an die gute alte Zeit anknüpfen, an jene vor mehr als 10 Jahren, als Microsoft als scheinbar unumstößlicher Gigant der IT-Welt galt. „Ich liebe dieses Unternehmen“, beginnt Ballmer seine Nachricht. „Ich liebe dieses Unternehmen“ – das waren auch die Worte, mit denen er vor einer Dekade nach einer wilden Tanzeinlage eine Kundenkonferenz eröffnete – und danach zur Berühmtheit in diversen Web-Videos unter dem Spitznamen „Monkey Boy“ avancierte:

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