Der Apple-Schock im PC-Markt – mit unerwartetem Potenzial für Microsoft

Das Geschäft mit Tablet-Computern boomt – vor allem befeuert durch das iPad. Doch viele Nutzer wünschen sich eine Rechen-Flunder auf Windows-Basis.

Oberflächlich betrachtet scheint die Sache klar: Wie die beiden großen IT-Marktforschungshäuser IDC und Gartner in der vergangenen Woche übereinstimmend berichteten, ist der PC-Markt im Ende September abgelaufenen dritten Quartal nur noch um weniger als vier Prozent gewachsen. Hauptgrund der Flaute: „Die wachsende Popularität von Nicht-PC-Geräten inklusive Media-Tablets wie etwa das iPad sowie Smartphones hat die Ausgaben der Endkunden weg von Computern gelenkt“, sagt Gartner-Analystin Mikako Kitagawa. Das hat sich einmal mehr gestern Abend erwiesen, als Apple die Geschäftszahlen fürs vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres präsentiert hat. So gelang dem Konzern in den drei Monaten bis Ende September eine Steigerung der iPad-Verkäufe um stolze 166 Prozent auf mehr als 11 Millionen Geräte.

Wie sehr Apple von jenem Umschwung profitiert, macht eine Studie des taiwanesischen IT-Blogs Digitimes deutlich: Unter der Überschrift „Der Apple-Schock sorgt für einen Umbau der IT-Industrie“ haben die Analysten den Einfluss von Tablets vor allem auf das Geschäfts mit tragbaren Computern untersucht. Das Ergebnis: Während Apple weder bei Gartner noch bei IDC unter den Top-5 des Gesamtmarktes rangiert, kommt das Unternehmen sogar auf den Spitzenplatz vor Hewlett-Packard und Lenovo, addiert man Tablet- und Notebook-Verkäufe. Außer Apple macht nur noch Samsung im nennenswerten Umfang Geschäft mit den Rechen-Flundern, wie die folgende Grafik beweist:

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Quelle: Digitimes Research

Sollte der Trend anhalten, sind das insbesondere schlechte Nachrichten für das klassische Wintel-Duopol, das seit 30 Jahren das PC-Geschäft mit seinen Intel-Prozessoren und dem Microsoft-Betriebssystem Windows dominiert, zumindest auf den ersten Blick. Denn Media-Tablets verwenden wegen des geringeren Energieverbrauchs oftmals alternative Prozessoren, etwa jene aus dem Hause der britischen Chipdesigner ARM, sowie alternative Betriebssysteme – neben iOS bei Apple vor allem die Tablet-Version von Google Android.

Das freilich gilt nur so lange, bis Microsoft sein nächstes Betriebssystem-Update Windows 8 auf den Markt bringt: Die im Juni erstmals näher vorgestellte Software soll endlich auch in einer für Tablet-Rechner mit berührungsempfindlichen Displays optimierten Version auf den Markt gebracht werden – ein Feature, das beim ansonsten ziemlich erfolgreichen Vorgänger Windows 7 fehlt. Mehr noch: Neben Intel-Chips soll Windows 8 erstmals auch auf den im Mobilgeschäft so wichtigen ARM-Prozessoren laufen. Der Chef von ARM jedenfalls setzt selber große Hoffnungen in diesen Schritt und erwartet, dass Windows-8-Geräte mit ARM-Chips bis 2015 einen Marktanteil von 40 Prozent erobern könnten.

Möglicherweise sind die Redmonder mit Windows 8 für Tablets mal wieder spät, aber vielleicht noch nicht zu spät dran. Michael Dell, Chef des texanischen Computerbauers Dell, hat jedenfalls auf seiner Hausmesse Dell World in der vergangenen Woche verkündet, er wolle sich bei neuen Geräten wie Tablets vor allem auf Windows 8 fokussieren, weil die Bemühungen in Sachen Android bisher enttäuschend verlaufen seien. Ähnliches verlautete kurz darauf von PC-Weltmarktführer Hewlett-Packard. Glaubt man einer Anfang des Monats veröffentlichte Studie von Boston Consulting, dürften HP und Dell damit die Erwartung der (relativen) Mehrheit der Kunden treffen: Mehr als 40 Prozent aller Befragten in China wie in den USA wünschen sich demnach einen Tablet-Computer mit Windows-Betriebssystem; jeweils um die 30 Prozent wünschen sich Apples iOS, aber nur rund jeder Fünfte, also die Hälfte von Windows, wollen Android-Tablets.

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Quelle: All Things D / Boston Consulting Group

Sollten die Prognosen auch nur halbwegs zutreffen, dürfte der Tablet-Markt im Jahr 2012 noch einmal spannend werden. Dem Verbraucher kann mehr Wettbewerb durch bessere Angebote und günstigere Preise ja nur recht sein.

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Alle Kommentare [3]

  1. Hallo Herr Kroker,

    korrekt. Und es sollten langsam eigene Zahlen von den Analysten her.
    Die Tablets werden die Notebooks nicht überholen, doch gewaltig an Marktanteil gewinnen.
    Erst wenn die Spracheingabe die Tastatur ersetzt, werden sie alle überholen.
    Viele Grüße,
    Robert Brunner

  2. Sehr geehrte Damen und Herren, nur frage ich mich des öfteren nach den wirklichen Vorteilen eines Tablet PC`s. Im Moment schreibe ich hier bequehm auf einer treffsicheren Tastatur meines ASUS Eee PC mit 10″ Display. Wie treffsicher und sauber gegenüber diesen Touchdisplay`s. Zusammengeklappt ist mein Asus kaum größer als ein Tablet PC, nur ein klein wenig dicker. Dafür kann ich aber selber meinen Akku wechseln, beim I- Pad nicht, habe etliche Schnittstellen ohne jegliche Einschränkung und eine Laufzeit von ca. 8 Stunden mit dem Akku. Ach so, wenn ich nach Gebrauch mein Gerät in den Ruhezustand versetze, ist es in ca. 10 Sekunden nach Einschalten bereit. Schneller ist auch kein I Pad und noch nicht einmal mein Smartphone.