SAP beendet Partnerschaft mit dem amerikanischen IT-Anbieter Teradata

Um das eigene Geschäft mit Datenanalyse zu verstärken, hat SAP einen Pakt mit dem Data-Warehouse-Spezialisten aus den USA gekappt.

SAPs Co-Vorstandschef Bill McDermott hat heimlich, still und leise die Partnerschaft mit dem amerikanischen IT-Anbieter Teradata beerdigt. Teradata ist spezialisiert auf Lösungen rund um Mega-Datenbanken zur Geschäftsanalyse – im IT-Jargon Data Warehousing genannt.

Im April 2009 hatten beide Unternehmen den Beginn ihrer Zusammenarbeit verkündet. Deren Ziel war es, dass die Software SAP Business Warehouse (SAP BW) künftig auch auf Basis der Datenbank von Teradata erhältlich sein soll. Diese Kooperation hat McDermott jetzt überraschend gestoppt, wie die WirtschaftsWoche aus dem Teradata-Umfeld erfahren hat.

Grund sind die eigenen Bemühungen von SAP: So hat der Walldorfer Software-Konzern seit Mitte vergangenen Jahres eine eigene Hochleistungsdatenbank namens HANA im Angebot. Sie erzielte laut McDermott-Kompagnon Jim Hagemann Snabe im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von 160 Millionen Euro und ist das am schnellsten wachsende Produkt in der SAP-Geschichte.

Konzernzentrale in Walldorf (Quelle: SAP)

Der verprellte börsennotierte Ex-Partner Teradata sieht HANA indes nicht als Konkurrenz zu seinen Lösungen. „Der Schritt zeigt nur, wie verzweifelt SAP sein eigenes Produkt antreiben will“, sagt ein hochrangiger Teradata-Manager, der ungenannt bleiben will.

Mehr noch: Offenbar haben die Walldorfer bei dem plötzlichen Ende nicht mal großartig auf eigene Kunden Rücksicht genommen. Dem Vernehmen nach hatten bereits eine Handvoll Pilotkunden SAP BW auf Teradata im Einsatz, darunter der Schweizer Pharmariese Novartis.

Beim Walldorfer Software-Unternehmen bestätigt man zwar das Ende der Partnerschaft, beteuert aber, die Trennung habe man „im gegenseitigen Einvernehmen“ mit Teradata vollzogen; zudem versichere SAP den Bestandskunden „nach wie vor die volle Unterstützung zu“, was „die Integration der Systeme“ betreffe. Novartis wollte den Stand der Partnerschaft mit SAP auf Anfrage nicht kommentieren.

Dass bei den Pilotkunden indes große Namen dabei waren, verhehlt selbst SAP nicht. Wie es inoffiziell heißt, sei die Order für die weitere Unterstützung der Bestandskunden „von ganz oben gekommen“. Was vermutlich folgendes bedeutet: Zuvor hat sich der Boss eines beteiligten SAP-Kunden direkt bei einem der beiden SAP-Chefs über das Vorgehen beschwert – und das war dann gewiss kein Mittelständler.

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