Teradata, der unbekannte Software-Champion – und mögliches IT-Übernahmeziel Nummer 1

Heimlich, still und leise hat sich der US-Softwareanbieter Teradata zu einem der größten Profiteure des Datenbooms gemausert und könnte so Begehrlichkeiten bei den Großen der IT-Szene wecken – mal wieder.

„Wir haben das Geschäft mit Data Warehousing erfunden“, sagte Teradata-CEO Mike Koehler mit ungewohnt breiter Brust in seiner Eröffnungsrede auf der Kundenmesse seines Unternehmens, die von Sonntag bis heute in der irischen Hauptstadt Dublin stattfindet. „Und wir wollen auch weiterhin zweistelliges Wachstum beim Umsatz und Ergebnis liefern.“ Derart selbstbewusste Töne hört man bei dem amerikanischen Unternehmen mit Stammsitz in Dayton im US-Bundesstaat Ohio sonst eher selten.

Der 58-jährige Koehler steht mit seiner bedächtigen und zurückhaltenden Art geradezu exemplarisch für den weithin unbekannten amerikanischen Software-Anbieter. Denn Teradata ist auf den ersten Blick in vergleichsweise langweiligem Fahrwasser aktiv: Das Unternehmen arbeitet rein im Business-to-Business-(B2B)-Segment der IT: Es hat Datenbank-Software und Analysetools im Portfolio, mit denen Großunternehmen wie etwa Einzelhandelskonzerne, Banken, Versicherungen oder Mobilfunk-Provider ihre riesigen Datenbestände auswerten können.

In diesem Geschäft mit Mega-Datenbanken zur Analyse – im IT-Jargon Data Warehousing genannt – haben sich die Amerikaner in den letzten Jahren zum Haus- und Hoflieferanten von Großkonzernen in den USA, aber zunehmend auch Europa gemausert, wie das US-Marktanalyseunternehmen Gartner Teradata in einer aktuellen Studie bescheinigt. Ein kleines, aber feines und profitables – und zudem ordentlich wachsendes Segment innerhalb des B2B-Software-Marktes.

Teradata-Kundenkonferenz im Kongresszentrum Dublin

Mehr noch: Durch die Spezialisierung auf Datenanalyse ist Teradata überdies bestens positioniert, um gleich von zwei der großen IT-Megathemen der kommenden Jahre zu partizipieren: Big Data und das Internet der Dinge, beide zählen laut dem IT-Marktbeobachter Gartner zu den Top-10 Technologietrends des Jahres 2012. Big Data beschreibt die aktuell weiter geradezu exponentiell zunehmenden Datenmengen durch neue Internet-Dienste wie etwa soziale Netzwerke. Das Internet der Dinge bedeutet die zunehmende Vernetzung von allen erdenklichen Geräten übers Internet und den Datenaustausch von Maschine zu Maschine – was ebenfalls wiederum das Thema Big Data mit vorantreibt.

Dabei hat sich Teradata schon in der jüngeren Vergangenheit gut geschlagen. So kletterte der Umsatz des Softwareunternehmens im vergangenen Geschäftsjahr um 22 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Dollar; der Nettogewinn legte um 17 Prozent auf 353 Millionen Dollar zu. Die Wachstumsraten dürften nach Meinung von Experten angesichts der Positionierung von Teradata auf wichtige Zukunftsthemen eher noch zunehmen.

Das freilich dürfte Begehrlichkeiten bei den ganz großen der IT-Szene wecken. Denn Teradata ist nach der von Oracle, IBM, Hewlett-Packard (HP) und nicht zuletzt auch der deutschen SAP in den vergangenen Jahren angestoßenen Übernahmewelle einer der letzten noch unabhängigen Anbieter von Unternehmenssoftware.

 Teradata-Aktienkurs seit dem Börsengang im Oktober 2007

Wirklich überraschend käme ein Übernahmeangebot jedoch nicht. Denn Teradata ist in den vergangenen Jahren immer mal wieder als potenzieller Kaufkandidat gehandelt wurde. Im September 2008 etwa schoss die Aktie um sieben Prozent nach oben, nachdem ein Finanzanalyst in einem Bericht darüber spekuliert hatte, der deutsche Software-Riese SAP könne an Teradata interessiert sein. Fast genau zwei Jahre später, im September 2010, stieg die Aktie im Zuge eines entsprechenden Reports gar um zehn Prozent. Und als HP sich im vergangenen Jahr den britischen Softwareanbieter Autonomy für 10,3 Milliarden Dollar unter den Nagel riss, soll das Unternehmen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zuvor auch einen Kauf von Teradata durchgespielt haben.

Wer auch immer bei Teradata letztlich zugreifen würde, müsste ähnlich tief – oder sogar tiefer – in die Tasche greifen. Denn der Datenanalyse-Spezialist hat seinen Börsenwert seit der Abspaltung vom einstigen Mutterkonzern NCR im Jahr 2007 von rund fünf Milliarden Dollar auf zuletzt gut 11,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. „Das ist die beste Versicherung dagegen, geschluckt zu werden“, sagte Teradata-Chef Koehler im vergangenen Jahr im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Diesen Pfad müssen wir weitergehen und unseren Aktienkurs steigern.“

Das indes ist ihm zwischenzeitlich tatsächlich gelungen – und zwar wie: Zum Zeitpunkt des Gesprächs Mitte 2011 lag der Börsenwert des Unternehmens erst bei rund 8,5 Milliarden Dollar.

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