Interne E-Mail von SAP-Vorstand Dalgaard: Vernichtendes Urteil über Cloud-Strategie

In einer Brand-Mail verreißt der neue Vorstand die bisherige Internet-Strategie des Softwarekonzerns. Denn die macht vor allem eins: Verluste.

Erst gestern hat SAP-Vorstand Lars Dalgaard auf der seit Montag laufenden Kundenmesse SapphireNow in Orlando/Florida die neue Cloud-Strategie der Walldorfer präsentiert. Demnach will SAP seine Bemühungen bei den Internet-basierten Produkten künftig auf vier Bereiche konzentrieren: Mitarbeiter, Finanzen, Kunden und Lieferanten – genau die Bereiche also, welche die WirtschaftsWoche vorab in ihrer letzten Ausgabe benannt hat.

Spannender als das ist freilich, was Dalgaard intern über die bisherigen Cloud-Bemühungen der SAP verbeitet hat. Erst seit Ende April sitzt Dalgaard im Vorstand des deutschen Softwarekonzerns SAP, schon erregt er mit einer internen E-Mail Aufsehen. In der Notiz rechnet er mit der Cloud-Strategie des Riesen ab: „Kunden: Nicht genug. Umsatz: Nicht genug.“ Ein vernichtendes Urteil. Dabei will SAP bis 2015 der weltweit führende Cloud-Anbieter sein und hier zwei Milliarden Dollar umsetzen. Zwar hat SAP seit 2011 einige Programme zum Abruf aus dem Web im Angebot, aber keines generiere Einnahmen, die „im Plan für das Jahr“ liegen, ärgert sich Dalgaard.

SAP-Internet-Vorstand Lars Dalgaard (Quelle: SAP)

Die Einnahmen decken der Mail zufolge nicht einmal die Kosten. Die operative Marge betrage ­minus 64 Prozent. Dagegen läge sie bei SuccessFactors, einem Spezialisten für Cloud Com­puting, den er gegründet und gerade für 3,4 Milliarden Dollar an SAP verkauft hat, bei +83 Prozent. „Ja, das ist ein Minus (-) und ein Plus (+), und es liegt einige Arbeit vor uns, bis unsere Umsätze unsere Ausgaben abdecken“, schreibt Dalgaard in der Brandmail weiter.

Die 5000 Beschäftigten, die sich bei SAP um Cloud Computing kümmern, ermahnte der Top-Manager deshalb: „Es liegt einige Arbeit vor uns, bis unsere Umsätze unsere Ausgaben abdecken.“ In Meetings mit Mitarbeitern sei ihm „ klar geworden, dass wir bisher keine klare und fokussierte Strategie in Sachen Cloud haben“. Die Kon­sequenz: „Wir müssen uns – angefangen bei der Entwicklung über den Vertrieb bis zum Kunden­support – auf einige wenige Produkte konzentrieren, die bereits wettbewerbsfähig sind und die wir sofort verkaufen können.“

Nicht den Ozean zum Kochen bringen

Wohin Dalgaard strebt, hat er bei SuccessFactors vorgemacht. Das von ihm mitgegründete Unternehmen gilt mit 15 Millionen Anwendern als einer der weltweit führenden Cloud-Anbieter bei Personalsoftware, liegt beim Umsatz sieben Prozent über Plan und hat im letzten Quartal rund 100 Millionen Dollar eingenommen, ein Plus von 59 Prozent, wie Dalgaard in der E-Mail preisgibt.

Die Brandmail ist auch ein Seitenhieb auf die bisherige Cloud-Hoffnung von SAP: das Mittelstandspaket Business By Design. Das werde künftig angeboten, wo eine Komplettlösung gefragt sei. Viel hält Dalgaard davon offenbar nicht. „Die meisten Kunden kaufen noch kein Komplettpaket“, schreibt er, „sondern eher diverse Einzelprodukte, die lose miteinander verknüpft sind.“ Die Entwicklung von Business By Design hatte SAP geschätzt ­eine Milliarde Euro gekostet und insgesamt sieben Jahre gedauert. Dalgaard warnt: „Wir wollen nicht den Ozean zum Kochen bringen.“ Den Text der kompletten E-Mail gibt es als Tumblr-Kopie hier.

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