Samsung veräppelt Apple

In einem neuen Werbespot nimmt der koreanische Unterhaltungselektronik-Multi den Erzrivalen aus Kalifornien aufs Korn – oder genauer: dessen sektenhafte Jünger.

In Amerika ist es gute Werbetradition, in Spots direkt auf die Marketingaussagen der Konkurrenz abzuzielen: Im Februar ätzte etwa der Elektronikkonzern Motorola in einem Spot während des amerikanischen Super-Bowl-Finales gegen die selbst inszenierte, aber längst vom Markterfolg ins Gegenteil gewendete Außenseiterrolle von Apple: In dem Video stilisiert Motorola seinen damals neuen Tablet-Rechner Xoom als Befreiung der gleichgeschalteten, unschwer als Apple-Kunden identifizierbaren Nutzer.

Jetzt hat der Unterhaltungselektronik-Riese Samsung sein Ringen mit Rivale Apple im Geschäft mit Smartphones und Tablets auf jenes kreative Terrain verlegt. In einem neuen Werbespot verballhornen die Koreaner die Kalifornier, genauer gesagt deren sektenhafte Jünger. In dem Video sieht man Schlangen von jungen Hipstern in diversen US-Städten: „New York, vor 9 Stunden“, genauso in San Francisco, Denver, Boston, Seattle und Chicago. Auch wenn explizit keine Namen genannt werden – die Leute stehen ganz offensichtlich vor dem örtlichen Apple Store und warten dort auf ein neues Produkt. Als Apfel-Fanboys sind sie jedenfalls an den Apple-typischen weißen Kopfhörern unschwer erkennbar.

Und der Spot lässt kaum ein Klischee über Apple und seine dem Unternehmen ja geradezu religiös verschriebenen Jünger aus. „Das ist ein Event, an das wir uns für den Rest unseres Lebens erinnern werden“, proklamiert salbungsvoll ein Wartender mit Hut. Ein anderer fragt sich mit leicht ängstlicher Stimme: „Wenn es genauso aussieht, woher wissen andere dann, dass ich das Neue habe?“ – ein unverhohlener und leicht erkennbarer Seitenhieb auf das Anfang Oktober vorgestellte iPhone 4S also, welches das gleiche Design wie der Vorgänger iPhone 4 hat.

Irgendwann entdecken die Fanboys jenseits des Absperrgitters einen an dem ganzen Apple-Bohei offensichtlich Desinteressierten, der zudem ein Nicht-iPhone in der Hand hat. Zögerlich untersuchen sie das Smartphone, stellen fest, dass es im Vergleich zum iPhone ja ein geradezu „riesiges Display“ habe. Aber: ein „Samsung-Gerät“, wie die Apple-Jünger nach und nach naserümpfend anmerken.

Er könne niemals Samsung nutzen, sagt einer, er sei schließlich kreativ. „Kumpel, Du bist Barista“, auf gut Deutsch: ein besserer Kaffee-Zubereiter, antwortet ein anderer. Das sei das neue Galaxy S II, erläutert der Samsung-Nutzer, „das Teil ist wirklich ‚amazing'“ – eines der Lieblingsworte in Produktvorstellungen von Apple. „Das nächste große Ding ist bereits da“, endet der Spot, ein finale Anleihe bei dem typischen Bullshit-Bingo von Apple.

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Alle Kommentare [5]

  1. Hier im Spot, wie auch in Text Reviews, wird gern auf das größere Display des Samsung mit der impliziten oder expliziten Aussage verwiesen, dass dies ein Vorteil sei.

    Sieht man sich das Video genau an, erkennt man, dass das Samsung Smartphone für die menschliche Hand zu groß ist. Der Nutzer neigt unwillkürlich dazu, zwei Hände zu nehmen. In der U-Bahn etc. habe ich das auch schon mehrfach gesehen.

    Interessant finde ich, dass Samsung selbst dies nicht zu erkenn bzw. anders zu sehen scheint – da sie die Größe des Geräts als Pluspunkt verkaufen. Vielleicht ist aber auch gerade dieses Marketing notwendig, weil die Nutzer es nicht als Pluspunkt erkennen!?

    Ich glaube, dass das iPhone die ideale Größe für ein Mobiltelefon hat. Sicher kann am Display selbst gearbeitet werden – sowie am Gewicht.

  2. @Michael

    Es gibt natürlich auch Geräte mit kleinerem Display. Es kommt aber in allererster Linie drauf an was man mit dem Gerät machen möchte und in vielen Fällen ist ein größerer Bildschirm da halt von Vorteil.

  3. Ich finde es sehr gut, dass dieser völlig überzogene und unverständliche Apple-Hype sehr subtil parodiert wurde. Ich bin stolz auf den Hersteller meines Smartphones. Danke dafür.

  4. Sehr cool! Immer wieder spannend, wie die eigentlichen Kreativen und so besonderen dann – ganz realistisch gesehen – doch immer der mainstream sind. Vielleicht wird es Zeit wieder das gute alte Nokia 6310 zum telefonieren in der Tasche zu haben. Oder gemäß einer abgewandelten Form Lagerfeld’s Statement zum Handy zu setzen. „Ich habe kein Smartphone – das erledigt alles meine persönliche Assistentin“ 😉

  5. @Michael: So ein Bisschen haben sie es doch verstanden. Die Werbung für das noch größere Galaxy Note spielt mit leichter Selbstironie damit: „Was ist das eigentlich, ein Tablet, ein Telefon?“ Die Verkaufszahlen vom Galaxy S2 sind gar nicht schlecht.