Entwicklungsland Deutschland: 90 Prozent nutzen Twitter nie, 60 Prozent Facebook

Die Deutschen machen weiterhin einen großen Bogen um Social Media – eine Mehrheit meidet selbst das weltgrößte soziale Netzwerk völlig.

Über die Zurückhaltung der Deutschen in Sachen Social Media habe ich ja schon desöfteren hier im Blog geschrieben. Erst in der vergangenen Woche beispielsweise über eine internationale Vergleichsstudie, wonach Deutschland bei der Nutzung sozialer Netzwerke unter 24 Ländern nur in der hinteren Hälfte gelandet ist.

Einen neuerlichen Beweis für diesen Umstand hat nun eine Umfrage der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) ergeben. Die GIK-Forscher haben in ihrer Studie mehr als 30.000 Deutsche danach befragt, wie häufig sie soziale Netzwerke benutzen.

Quelle: Statista

Das Ergebnis ist niederschmetternd – selbst für die bekanntesten Plattformen. Denn eine große Mehrheit der Befragten nutzt Social Media laut eigenem Bekunden überhaupt nicht. Fast 90 Prozent waren noch nie beim Kurznachrichtendienst Twitter. Und selbst das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook, das hierzulande laut eigenem Bekunden mehr als 25 Millionen Nutzer hat, meiden satte 60 Prozent.

Umgekehrt nutzen immerhin gut 22 Prozent der Deutschen über 14 Jahren Facebook täglich; bei Twitter sind es nur etwas mehr als zwei Prozent. Noch schlechter die Datenlage bei anderen US-basierten sozialen Netzwerken wie Instagram, Pinterest oder Tumblr. Nur Google+ kommt, vermutlich durch die Zwangsnutzung innerhalb von Android, auf etwas höhere Zahlen als Twitter – siehe diese Übersicht bei Statista.

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Alle Kommentare [13]

  1. Warum ist das Ergebnis niederschmetternd? Von den 40%, die FB nutzen, verplempern die meisten doch sowieso nur ihre „wertvolle“ Freizeit. Viele, die FB nur als Kommunikationswerkzeug nutzen, gehen inzwischen auf schlankere Plattformen (z.B.: WhatsApp) . So ist ja auch die Abwanderungswelle unter jüngeren Nutzen zu bewerten!

  2. @Hanno S: Diese Argumentationskette ist aber etwas zu platt oder nicht? FB bietet schließlich auch einen Messenger wie WhatsApp und da schenken sich diese nicht wirklich viel. Ich denke eher, dass das jüngere Clientel anspruchsvoller in Sachen Features und Neurungen ist. Ständig neues Desing, neue Ideen etc. hier bietet Facebook mit Abstand die wenigsten Neuerungen. Man denke nur an das Fiasko mit „FB-Home“, Werbeformen floppen, automatisches abspielen von Videos… Ach und über die Anzeige der Inhalte in meinem Newsfeed möchte ich gar nicht sprechen -> kapiert das irgendeiner, was hier angezeigt wird und was nicht?

  3. Warum ist das Ergebnis niederschmetternd? Ist es besser, wenn mehr Menschen Facebook nutzen? Ist das ein Fortschritt oder bringt das der Gesellschaft irgendeinen Nutzen?

  4. Wer setzt denn bitte Twitter- und/oder Facebooknutzung mit Entwicklungstand gleich?
    Es ist sogar sehr erfreulich, wenn die Menschen auf ihre Privatsphäre achten und nicht den Datenkraken und der NSA alle Daten freiwillig in den Rachen schmeißen. Nur weil ich nicht FB nutze, heißt das nicht, das ich kein soziales Netzwerk nutze. Nur eben ein dezentrales und werbefreies Netzwerk, das nicht versucht mit meinem Nutzungsprofil Profite zu machen.

  5. Ich kann jetzt auch nicht ganz nachvollziehen was daran niederschmetternd sein soll wenn die Leute diesen Social-Krampf mal nicht nutzen. Ist doch eigentlich lobenswert. Wie hat die Menschheit es nur ohne soziale Netzwerke geschafft so weit zu kommen?

  6. Passt doch: Wenn 25 Millionen Deutsche Facebook nutzen sind das 31 Prozent. 69 nutzen f-book demnach nicht. Dann stimmt die Studie in dem Punkt (einigermaßen).

    25 Millionen Nutzer ist eine gute Zahl. Die Apothekenumschau und das ADAC-Magazin schaffen das nicht.

  7. Wieder mal eine Fake-Statistik….Laut aktuellen Text nutzen 90 % bzw. 60 % Twitter und Facebook nie.
    In „Verwandte Artikel“ (unter dem Text) heißt es aber: „Drei Viertel aller Deutschen nutzen Social Media“.
    Was stimmt denn nun? Beides, oder gar nichts, oder irgendwas Anderes?

  8. @Fabian Kehle:
    …. das sollte nicht platt klingen, nur kurz und knapp :-) aber genau das meine ich mit schlank. Klar gibt’s die meisten Funktionen bei FB, aber ich denke für viele Leute ist das ganze Ding inzwischen viel zu überfrachtet. Und die ständige „Suche“ nach einem belastbaren Geschäftsmodell ist dafür auch nicht gerade förderlich..

  9. Steile These : „Entwicklungsland“.
    Beim Ausbau der Breitbandnetze wäre ich ja mit im Boot – aber die Teilhabe an sozialen Netzwerken als Entwicklungsfaktor zu nehmen ist wie afrikanische Länder zu schelten, weil es da so wenig Krötentunnel gibt (Dieter Nuhr)…

  10. Entwicklungsland ist anders.

    Twitter habe ich probiert. Doch nach wie vor ist der einzige Zweck dort entweder die Beweihräucherung der eigenen Erhabenheit oder der schnelle Informationsaustausch.
    Der schnelle Informationsaustausch geht so: Ich folge den Nachrichtenmachern. Das hat einen Vorteil und einen Nachteil: Vorteil: Ich bin 10 Minuten früher informiert als bei gewöhnlichen Nachrichtenseiten oder bei den NachrichtenApps meines Smartphones. Nachteil: Folge ich wirklich allen (vermeintlich) wichtigen, potentiellen Nachrichtenkanälen auf Twitter, ist die TimeLine (im Twitter-Jargon TL) schnell überfüllt und die Informationsbeschaffung ist hinüber. Warum also Twitter nutzen wenn die aggregierten Informationen trotzdem bei mir landen, und der TimeLag mittlerweile vertretbar geworden ist?

    Und dann gibt es noch die sog. TwitterElite. Für etwas Unterhaltung folgt man hier dem einen oder andern Prominenten oder WerbeTextern oder HobbyJournalisten. Die Folge ist ebenfalls eine schnell überfüllte TL. Nicht nur durch „charmante“ Wortspiele und pointierte Satire in Bezug auf das aktuellste Zeitgeschehen. Was insgesamt irgendwann gewöhnlich und nicht mehr unterhaltsam ist. Sondern gerne auch durch stolze RT (Twitter-Jargon für Retweets) von TwitterPokalen, weil der eigene Tweet 5, 25, 50 mal „geliked“ oder „geteilt“ wurde oder weil man den 100 Follower begrüßen durfte.

    Twitter. Willkommen im Zirkus der Eitelkeiten. Wer nicht gerade beruflich mit digitalen Medien zu tun hat, findet in Twitter einen perfekten Prokrastinations-Zeitfresser-Spielautomaten.

    Facebook habe ich auch probiert. Doch Facebook taugt nur noch als Adressbuch. Die Erasmusstudenten von der Party damals. Meine Kommilitonen. Freunde aus der Grundschule. Meine Oma. Meine Eltern. Gesponsorte Beiträge. Mein zukünftiger Arbeitgeber. Facebook, dass ist eine TL voller lustiger Bilder. Von Kätzchen, Lebensweisheiten und schmalzigen Liebesgedichten. Facebook ist „sponsored Posts“ und Information-Overkill. Welcher meiner Freunde liest meinen Beitrag, wenn täglich 400 andere „Freunde“ die TL mit Nichtigkeiten füllen, nur noch übertrumpft von den Beiträgen der Prominenten und Unternehmen, denen meine Freunde folgen?

    Nein, wir sind kein Entwicklungsland. Die Generation Internet ist nur weiter gezogen, zu den Kommunikationswegen, die mehr Erfolg versprechen, bei denen es um Kommunikation und nicht ums Geschäft geht. Das Prinzip Facebook stößt an seine Grenzen und niemand will ernsthaft, dass der letzte deutsche Internetnutzer einen TwitterAccount anlegt um die TL mit noch mehr Belanglosigkeiten zu füllen.

    Lesen:
    (1) Studie: Für Teens ist Facebook “tot und begraben” http://winfuture.de/news,79529.html
    (2) Facebook Is A Fundamentally Broken Product That Is Collapsing Under Its Own Weight – http://www.businessinsider.com/facebook-news-feed-benedict-evans-2013-12

  11. Ich kann daran nichts niederschmetterndes finden. Viel beschämender ist der miserable Ausbau der Netzinfrastruktur in Deutschland. Da tut sich doch eine viel größer Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf.

    Außerdem sollte man sich immer wenn man Dienste wie facebook oder twitter(ja, auch twitter verkauft im ganz großem Stile ihre Nutzerdaten an jeden, der sie haben will) benutzt daran erinnern, dass man in dem Moment niemals der Kunde ist, sondern das Produkt(und man gibt sich sehr billig her).

    Jedoch liegt die schwach ausgeprägte Nutzung dieser Dienste in Deutschland nicht daran, dass sich besonders viele Menschen dieser Tatsache bewusst wären. Wir leben ganz einfach in einem Land voller vergeistigter Rentner, denen dieser ganze Internetquatsch so was von am Hintern vorbei geht!

    Wo da in der Politik die Prioritäten liegen, wenn es darum geht Geschenke zu verteilen sieht man am aktuellen Koalitionsvertrag. Wir werden uns damit abfinden müssen in Zukunft weiter eher rückwärtsgewandt „voranzuschreiten“.

  12. Ich finde, es spricht für die Deutschen, in solch einer Dtatistik weit hinten zu liegen. Aber was soll ich mit diesen unwichtigen Informationen nun anfangen? Bitte, als nächstes eine Erhebung in der WiWo zum Thema: “ RTL -Dschungelcamp“! Gehen eurer Redaktion die Themen aus??