Fakt und Fiktion rund um den Facebook-Flop

Zwei Wochen nach dem Gang aufs Parkett wirken die gesamten Umstände rund um den Facebook-Börsengang verheerend. Doch ein genauerer Blick lohnt.

Statt des „Börsengang des Jahrhunderts“, wie die WirtschaftsWoche seinerzeit getitelt hat (vor dessen Kauf wir im Text aber auch gewarnt haben), ist das von Mark Zuckerberg geleitete Unternehmen beim Gang aufs Parkett mächtig ins Schleudern geraten. Von technischen Problemen durch den Börsenbetreiber Nasdaq am ersten Börsentag bis hin zu Gerüchten um Insiderwissen der Altaktionäre – auf den ersten Blick ist Mitte Mai alles schiefgegangen, was schieflaufen kann.

Nach fünf Handelstagen lag die Aktie bereits 13 Prozent im Minus. Schon damit hat sich Facebook laut einer Übersicht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ den unrühmlichen Titel „schlechtester Börsengang des Jahrzehnts“ gesichert. Damit nicht genug des freien Falls: Mit Kursen um die 28 Dollar hat das Papier zwischenzeitlich mehr als ein Viertel gegenüber dem Ausgabepreis von 38 Dollar verloren – wenn es auch gestern mit einem Plus von fünf Prozent erstmal wieder kräftig nach oben ging.

Andererseits, und darauf weist das „Wall Street Journal“ unter der Überschrift „Facts, Fiction and Flop“ hin, habe Facebook den Börsengang in einem schwierigen Umfeld angestrebt. So läge etwa die Zahl der IPOs in diesem Jahr um 7,5 Prozent niedriger als 2011; und auch jenes Jahr sei mit 80 Börsengängen kein Blockbuster gewesen. Zwischen 2004 und 2006 strebten im Schnitt 254 Unternehmen an die Börse. War der Facebook-Börsengang also ein Flop, fragt der Autor – und antwortet: „Ja, in einer Zeit, in der viele Firmen diesen Schritt aus Angst vor einer Blamage nicht wagen.

Quelle: Business Insider/Bloomberg

Aufgrund des dramatischen Einbruchs der Aktien, der auch in den kommenden Tagen noch weitergehen könnte, kritisieren viele Beobachter den Ausgabepreis von 38 Dollar je Aktie als überhöht. Das sieht Mary Meeker, früher Internet-Analystin bei Moran Stanley und heutige Partnerin von Kleiner Perkins, indes nicht so: „Facebook hatte die Chance, auf einen Streich 16 Milliarden Dollar ins Unternehmen fließen zu lassen“, so Meeker auf der bis gestern laufenden D10-Konferenz des zum „Wall Street Journal“ gehörenden Technologie-Blogs All Things D.  „Die sind ein großartiges Unternehmen, das mit der Zeit gut laufen wird.“

Das sieht der New York Times“-Kolumnist Joe Nocera ganz ähnlich: „Facebooks brillantes Disaster“, hat er seine Einschätzung über den Börsengang in der vergangenen Woche betitelt. Die Hauptrivalen wie Google oder Apple hätten riesige Cash-Bestände. Daher sei es vernünftig, dass sich Facebook auch eine ordentlich gefüllte Kriegskasse zugelegt habe, um mit diesen konkurrieren zu können. „Darüber sollten sich Langfrist-Investoren freuen“, so Nocera.

Bleibt bloß die Frage, wie viele davon überhaupt in Facebook investiert hätten. Wohl wenige, wie Nocera meint. Die meisten Investoren, die die Aktie am ersten Tag gekauft hätten, seien gemäß der Devise „kurz reingehen und reich werden“ verfahren. Und das habe eben nicht geklappt. Welch‘ Ärger.

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Alle Kommentare [1]

  1. Also ich bin natürlich kein Wirtschaftsexperte, aber so unerwartet fand ich den Absturz der Aktie nun nicht. Für mich war diese ganze Aktion von Anfang eher etwas das sich ein egozentrischer Mark Zuckerberg in den Kopf gesetzt hatte, um sich von der Börse ganz offiziell als einer der reichsten Männer adeln zu lassen. Das ist ihm (kurzzeitig) ja auch geglückt.

    Was er vielleicht übersehen oder verdrängt hat (und einige Banken scheinbar mit ihm) ist die Tatsache, dass das Geschäftsmodell von Facebook ja nun nicht so weltbewegend innovativ ist (Webseiten mit Werbung, mehr ist es nicht wirklich) und die Margen in diesem Bereich kontinuierlich unter Druck sind. Das war bisher nur „sein“ Problem, nun aber ist Facebook an der Börse und muss deshalb alle drei Monate zu den Zahlen Rede und Antwort stehen. Und wie wir alle wissen, ist die Börse mehr als gnadenlos. Da ist es völlig irrelevant, wenn man 20% Gewinn macht. Man wird trotzdem abgestraft, wenn die Erwartung bei 30% lag. Der Aktienkurs ist immer eine Wette auf die Zukunft, bisher Erreichtes ist Vergangenheit und daher uninteressant.

    Gerade diese Zukunft sieht aber nicht so rosig aus. Natürlich hat Facebook ein bisschen die Welt insgesamt verändert und den Begriff „Soziales Netzwerk“ auf eine ganz neue Ebene gehoben, die es so vorher nicht gab. Trotzdem mehren sich die Zeichen, dass der Zuwachs bei den Nutzerzahlen abflacht, dass Leute sich kritischer mit dem Produkt auseinandersetzen, dass Firmen wie GM ihre Werbebudgets woanders einsetzen und es scheinbar keine überzeugende Konzepte für die Zukunft gibt. Daran haben auch die Gerüchte um ein Facebook Handy nichts geändert, obwohl im Bereich Werbung auf dem Mobilgerät wohl noch am meisten Wachstumspotential vorhanden zu sein scheint. Was der Deal mit Instagram für Facebook am Ende wirklich bringt scheint auch noch unklar.

    Es ist sicherlich noch zu früh um sagen zu können wie die Sache ausgeht, aber am Ende wird es Mark Zuckerberg vielleicht nichts nützen, dass er die Stimmenmehrheit bei den Aktien hat, wenn diese am Schluss nichts mehr wert sind. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

    Anmerkung: Dieser Kommentar wurde ursprünglich auf Google+ gepostet (https://plus.google.com/117323450508061673802/posts/e6B9SG8EaLg)