Krokers RAM: Ein europäisches Google oder Facebook kann die Politik nicht erzwingen!

Mein Rant am Morgen: Die Wunsch hiesiger Politiker, ein europäisches Facebook oder Google zu schaffen, ist verständlich – aber illusorisch. Die Politik kann den Gründergeist von Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos niemals ersetzen.

Als SPD-Chef und Kanzerkandidat Martin Schulz am vergangenen Sonntag auf dem Sonderparteitag in Dortmund seine Wahlkampfrede hielt, versteiften sich die meisten Medien auf seinen Frontalangriff auf Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Politikstil er als „Anschlag auf die Demokratie geißelte“. Wenig überraschend also.

Ein anderer Teil der Rede hat erstaunlicherweise relativ wenig Beachtung gefunden, obwohl es um das wichtige Zukunftsthema Digitalisierung ging:

„Europa muss diese Aufgaben anpacken: […] Den Aufbruch in ein digitales Zeitalter, in dem wir ein europäisches Google und ein europäisches Facebook schaffen. Der kommende Bill Gates muss ein Europäer sein.“

so Schulz ausweislich der hier im Wortlaut protokollierten Rede. Und da war er mal wieder, der typisch etatistisch-staatsgläubige Impuls, der in Europa in jüngster Zeit überall auf dem Vormarsch ist. Die Denke dahinter: Der Staat könne quasi „von oben“ in irgendeiner Form beeinflussen oder gar dafür sorgen, dass das nächste Facebook aus Europa stammt.

Parallel zu derartigen Wunschvorstellungen der Politik marschieren die echten Facebooks & Co. dieser Welt ungebremst voran: Mark Zuckerberg hat erst am Dienstag mit zwei Milliarden monatlich aktiven Nutzern den nächsten Meilenstein für das weltgrößte soziale Netzwerk erreicht. Kurz zuvor hatte Amazon-Gründer und -Chef Jeff Bezor die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods angekündigt und damit regelrechte Schockwellen durch die gesamte Handelsbranche gesendet.

Beide Vorgänge belegen eindrucksvoll, was es für einen wahren IT-Champion vor allem benötigt: Einen charismatischen Gründer, der sein Ziel allen Unken- und Kassandrarufen zum Trotz über viele Jahre stoisch verfolgt – siehe etwa Bezos‘ langjähriges Verzichten auf Gewinne zugunsten von Investitionen in neue Geschäftsfelder.

Und der obendrein noch das passende Bauchgefühl für Übernahmen zum richtigen Zeitpunkt – und seinen sie vordergründig noch so teuer: Als sich Zuckerberg im Februar 2014 den Messaging-Dienst WhatsApp für 19 Milliarden Dollar einverleibte, waren die Bedenken groß. Heute muss der Deal nachgerade als Schnäppchen gelten, denn WhatsApp hat seine Nutzerzahl inzwischen auf mehr als 1,2 Milliarden glatt verdreifacht.

All dies zeigt: Es kommt bei Startups – gerade im Bereich IT und Social Media – auf Beharrlichkeit, Intuition und auch Geschwindigkeit an. Die Politik kann den Gründergeist von Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos niemals ersetzen.

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