Fehlender Veränderungswille und niedrige Experimentierlust bremsen die Digitalisierung

Vor allem die Unternehmenskultur und -struktur stehen der digitalen Transformation in deutschen Unternehmen im Weg.

Dass sie nicht um die digitale Transformation herumkommen, ist deutschen Unternehmen längst bewusst: Demnach beschäftigen sich immerhin bereits fast alle hiesige Firmen mit der Digitalisierung. Zudem befürchtet mehr als vier von zehn Unternehmen, ihr Geschäftsmodell könne drei bis fünf Jahren obsolet sein.

Dennoch steht die Umsetzung der digitalen Transformation häufig erst am Anfang. Bislang beschränken sich die meisten Veränderungen auf technologische Aspekte wie innovative Tools und IT-Lösungen. Weitere Chancen bleiben ungenutzt. Dabei wird die Veränderungsbereitschaft der eigenen Organisation als größter Bremser wahrgenommen.

Traditionelle, starre Strukturen und Orientierungslosigkeit prägen das langsame Entwicklungstempo. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint, bei der 281 Teilnehmer aus deutschen Unternehmen befragt wurden.

Viele Unternehmen sehen die technologische Entwicklung als den wesentlichen Faktor der Digitalisierung. Für 40 Prozent der Befragten sind Tools, Features und Daten die wichtigsten Themen, bei denen Digitalisierungsinitiativen angesetzt werden. Weitere 21 Prozent setzen auf Automatisierung, Virtualisierung und Agilität.

Doch digitale Transformation verlangt weitaus mehr als die Einführung innovativer Technologien: Komplett neue Geschäftsprozesse werden notwendig. Allerdings hat nur ein Drittel der Unternehmen mit der Transformation ihrer Geschäftsmodelle begonnen. Die Änderungen kommen in kleinen Schritten, aber das große Wagnis wird noch gescheut.

Vor allem Unternehmenskultur und -struktur stehen der digitalen Transformation in den befragten Unternehmen im Weg: Sie sind vielfach noch traditionell, hierarchisch, vertikal und funktional – statt agil, horizontal und prozessorientiert. Insbesondere Großunternehmen haben hier Nachholbedarf: Knapp 60 Prozent der Großunternehmen werden noch immer traditionell geführt – mehr als doppelt so viele wie im Mittelstand.

Überraschenderweise sieht nur jeder Vierte die finanziellen Ressourcen als Hindernis bei der Digitalisierung an. Budget und Ressourcen reichen folglich in der großen Mehrheit der Fälle aus.

Risikovermeidung, fehlender Veränderungswille und niedrige Experimentierlust lähmen Unternehmen in ihrer Chancenverwertung bei der Digitalisierung. Jeder zweite Befragte bemängelt die Bereitschaft zur grundsätzlichen Veränderung in Verhalten und Organisation. Mehr als 40 Prozent bewerten ihr Unternehmen als zu träge mit ungenügender Entscheidungsgeschwindigkeit. Und 15 Prozent der Studienteilnehmer beklagen die Orientierungslosigkeit in ihrer Organisation.

Weitere Zahlen & Fakten zu den Hemmnissen bei der digitalen Transformation in der folgenden Infografik:

Quelle: BearingPoint

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Alle Kommentare [6]

  1. Danke für diesen klugen Artikel! Meiner Ansicht nach ist es extrem hilfreich die Mitarbeiter so früh wie möglich in die Überlegungen zur Digitalen Transformation einzubinden. Wenn Sie an der Gestaltung mitwirken, werden sie zu Akteuren und verlassen die „Opferrolle“.

  2. -> „Aus Alten Handlungsmustern ausbrechen“ -Punkt 1 bis 5 -> Blödsinn!

    Punkt 1. -> Die EierLegendeWollMilchSau kann es nicht geben, und der Kunde ist auch nicht bereit das zu bezahlen.

    Punkt 2. -> „Fehler zu lassen“ -> Dümmer geht ümmer! Welcher Trottel schreibt so etwas?!?

    Punkt 3. -> Nicht möglich, da entweder die Hardware fehlt oder die Software. Meist ist es zu 90% die Software, da nicht ausgereift, und am Ziel vorbei! Vor allen Dingen immer „überladen“!

    Punkt 4. -> Da kann ich gleich mein Geld weg schmeissen! Das EINZIGE Know How das vorhanden ist auch noch aus der Hand geben? „Extern entwickeln“ ist Gleichbedeutend mit „Geld und Idee verschenken“. Zusätzlich wandern dann noch die Fachkräfte ab.

    Punkt 5. -> Es gibt KEINE starren Strukturen! Es gibt nur Dummköpfe, die auch noch dafür bezahlt werden, wenn Sie Fehler machen! Kultureller Wandel ist NICHT möglich, da die Menschen noch an „Religionen“ glauben! Solange diese Dummköpfe sich noch durch die Religionen unterdrücken lassen, solange wird es weder Fortschritt noch „Kulturellen Wandel“ geben, da der Geistige Fortschritt Absichtlich gestopped wird!

    Merke: Religion ist nur ein Kontrollinstrument, um die Völker zu unterdrücken und zu lenken, nichts anderes!

    DU = Wasser und Brot!
    ER = Wein und Fleisch!

    DU=Heu im Stall, sprich ein kleines Kellerloch zum dahin vegetieren!
    ER=Villa und eine eigene Insel

    DU=Darfst gar nix und zahlst biste nicht mehr kannst!
    ER=Zahlt gar nix, weil Steuer befreit!

    DU=Kommst innen Knast, wenn Du 5.- Euro Steuern hinterzogen hast!
    ER= Hat 10 Millionen Steuern hinterzogen und geht Straffrei aus, da er sich Freikaufen kann!

    DU=Hast zwar Recht, kannst es aber nicht durchsetzen, weil Du mkein Geld hast (das hat Er).
    ER=Kauft sich sein Recht von Deinem Geld!
    ———-

    UND DAS – ist leider die Aktuelle Realität! Nix anderes!

  3. Nicht alles was nicht digitalisiert ist ist schlecht und warum sollte man nicht an Bewärten festhalten? Die verfluchte Digitalisierung schafft keine Werte mehr, sondern der Mensch wird der Knecht von Updates und muss sich diesen unterwerfen. Das bringt keiner Fortschritt in der Gesellschaft sondern nur stetiges Wachstum für die Unternehmen die die digitalen Produkte anbieten. Es müssen wieder mehr analoge Produkte gefördert werden. Analog steht für Beständigkeit, bessere Qualität, wesentlich mehr Sicherheit. Die Digitalisierung ist Volksverdummung. Immer mehr Vernetzung jedes Einzelnen bringt nicht mehr Sicherheit sondern birgt auch mehr Risiken und mehr Gefahren! Man kann ja Mals das deutsche Volk Fragen: „wollt Ihr die totale Digitalisierung“, ich jedenfalls bin gegen die Digitalisierung und wünsche mir die Rückkehr der analogen Welt! Und viele Tausende andere Menschen wollen dies auch. Aber die, die heute Software schreiben und dadurch Wachstum generieren wollen dadurch Geschäftsmodelle kreieren und Kohle machen. Die Folge: immer schlechtere Qualität und immer schnelleres Austauschen bestimmter Teile oder Medien und dadurch ständiger Kaufzwang – das braucht keine Gesellschaft – das ist Volksverdummung!

  4. Ich frage mich manchmal, warum viele filialisierte Unternehmen sich immense Onlinestrategien überlegen und nicht erstmal an das Wesentliche denken: dafür zu sorgen, dass Kunden ihre Filialen auch finden. Ich sorge beruflich unter anderem dafür, dass Unternehmen gut im Internet gefunden werden. Nein, ich programmiere keine Webseiten. Ich lege optimierte Einträge an, z.B. auf Google My Business und Apple Maps.
    Viele Unternehmen haben sehr teure Webseiten, fahren Kampagnen auf Facebook usw. – doch ihre Filialen sind auf Google in den lokalen Suchergebnissen nicht oder unvollständig vertreten. Großte Internetagenturen sind darauf meist nicht spezialisiert (genauso wenig wie ich Webseiten programmieren könnte). Ich könnte Ihnen hier Beispiele von Unternehmen mit dreistelligem Millionenumsatz nennen, welche diese Basics nicht erfüllt haben. Unter anderem mit dem Ergebnis, dass der Miniladen um die Ecke bei lokalen Suchanfragen viel besser gefunden wird.

    Das Internet wird von manchen großen Konzernen deshalb verschlafen oder falsch genutzt, weil sie an große Strategien denken, aber das Nächstliegende oft dabei nicht beachten.

    Bernd Schüßler
    http://www.berndschuessler.de