Krokers RAM: Wehe, ein Ami oder Chinese greift nach Infineon!

Mein Rant am Morgen: Der Halbleiterkonzern aus München verfügt über eine Schlüsselrolle in mehreren für Deutschland äußerst wichtigen Zukunftsmärkten – allerdings ist fraglich, ob dies auch der Politik bewusst ist.

Als kürzlich gleich in zwei Fällen chinesische Unternehmen nach deutschen Unternehmen griffen, war der Aufschrei groß: Im Falle der einstigen Siemens-Tochter Osram machten kürzlich die Arbeitnehmervertreter gegen den Einstieg eines Investors aus China mobil.

Und im Falle des Chipanlagenbauers Aixtron machten nach der vorherigen Zustimmung des Bundeswirtschaftsministeriums amerikanische Behörden nationale Sicherheitsbedenken gegen einen Verkauf nach China geltend, so dass die deutsche Regierung ihre Unbedenklichkeitsbescheinigung widerrief – und die Entscheidung jetzt gar auf dem Schreibtisch des US-Präsidenten landen soll.

Da mag man sich als Beobachter gar nicht erst vorstellen, was hierzulande los wäre, würde ein amerikanischer oder chinesischer Rivale ein Auge auf Infineon werfen. Schließlich hat der Münchner Halbleiterkonzern gerade erst wieder eine solide Jahresbilanz vorgelegt – und ist nach einer tiefgreifenden Restrukturierung seit der Finanzkrise im Jahr 2008 wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt. Lohn des Umbaus: Die Börse bewertet Infineon mittlerweile wieder mit rund 18,5 Milliarden Euro.

Mehr noch: Infineon bewegt sich in für die deutsche Wirtschaft insgesamt äußerst wichtigen Zukunftsmärkten: Die Münchner produzieren Leistungshalbleitern und Sensoren für die Elektromobilität und autonomes Fahren, erneuerbare Energien und effiziente Stromnutzung bis hin zum Internet der Dinge und Datensicherheit – sprich: Infineon ist einer der wichtigsten Zulieferer für die digitale Transformation vieler anderer Branchen.

Da kann Infineon-Chef Reinhard Ploss noch so sehr beteuern, sein Unternehmen sei nicht zu klein – man sei weder ein Häppchen noch ein Schnäppchen: Wenn einer der ganz großen Chipgiganten wie etwa Intel mit seiner fast unbegrenzten Finanzpower daherkäme, wäre der einzige eigenständige Halbleiterkonzern Europas (neben der stark staatlich von Frankreich und Italien beeinflussten ST Microelectronics) schnell weg vom Kurszettel.

Dass dies – auch in der Größenordnung von Infineon – funktioniert, beweist aktuell der Halbleiterriese Qualcomm: Die vor allem auf Mobilfunkchips ausgerichtete Amerikaner verleiben sich gerade den europäischen Rivalen NXP, einstmals eine Mutter von Philips – und stoßen damit in das Segment der Automobil- und Industriehalbleiter vor. Kosten der Transaktion: Satte 47 Milliarden Dollar.

Doch der deutschen Politik ist offenbar nicht bewusst, wie eine ausländische Übernahme des Münchner Unternehmens den industriellen Standort Deutschland in Gänze träfe. Dies lassen jedenfalls Top-Manager von Infineon durchblicken, wenn man sie danach befragt, ob sich die Bundesregierung schon mal bei ihnen vorstellig geworden ist.

Daher kann man nur inständig hoffen: Wehe, ein Ami oder Chinese greift nach Infineon!

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