Selbstmord geglückt: Tschüss, Foursquare! Es war schön mit Dir, aber…

Ich lasse mein Profil bei dem Check-In-Dienst ruhen – schweren Herzens zwar, aber ohne Fun-Elemente wie Mayorships macht Foursquare keinen Spaß mehr.

Man kann mich durchaus als Heavy-User von Foursquare bezeichnen – vielleicht sogar was „zu“ heavy: In rund dreieinhalb Jahren Nutzung seit Anfang 2011 habe ich fast 12.000 mal eingecheckt – das heißt, per Smartphone den virtuellen Foursquare-Freunden meinen Aufenthaltsort mitgeteilt.

Zudem bin ich seit langem ein sogenannter Superuser Level 2 – ein internes Foursquare-Ranking, bei dem Nutzer durch freiwillige Prüfungen bestimmte Zusatz-Rechte auf der Plattform erwerben. Auf dem „Level 2“, der zweithöchsten Einstufung, kann ich beispielsweise Foursquare-Orte, die sogenannten Venues, editieren, das bedeutet den Namen ändern oder die Adresse korrigieren.

Oder ich bin in der Lage, von anderen Nutzern als doppelt gemeldete Venues zusammenzulegen und so mithelfen, die Liste der Lokalisationen sauber zu halten. Und last but not least war ich jahrelang der Mayor, also der virtuelle Bürgermeister des Kölner Doms – weil ich an dem, wie schön, auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag vorbei komme.

Und trotz alledem habe ich beschlossen, Tschüss Foursquare zu sagen, wenn auch schweren Herzens. Der Grund: Seit der Zweispaltung des Dienstes Anfang Mai – die gewohnten Check-ins in einer neuen App namens Swarm, während Foursquare bloß als eine Art mobiler Empfehlungskatalog bestehen bleibt – erschließt sich mir der Sinn überhaupt nicht mehr.

Das habe ich besonders während meines Urlaubs in den vergangen neun Tagen gemerkt. Seit das wichtige Fun-Element der traditionellen Mayorships passé ist – bei Swarm kann man nur noch Mayor unter den Freunden werden, nicht mehr „absolut“, also unter allen Nutzern – macht mir das Einchecken keinen Spaß mehr.

Wo sich Freunde aufhalten, kann ich inzwischen auch woanders erfahren

Zumal ich das andere wichtige Alleinstellungsmerkmal – die Information, wo sich Freunde gerade aufhalten – inzwischen auch als „Abfallprodukt“ bei Facebook bekomme: Viele User des weltgrößten sozialen Netzwerks versehen ihre Postings längst ebenfalls mit einer Ortsangabe.

Ich lasse meinen Foursquare-Account jetzt also ruhen. Schade eigentlich, fand den Dienst immer einen der sympathischsten. Erst vor kurzem hatte ich hier im Blog gefragt: Begeht der Check-in-Dienst Selbstmord aus Angst vor dem Tod? Vom heutigen Standpunkt aus würde ich dies bejahen, leider.

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Alle Kommentare [10]

  1. Ohne foursquare finde ich in fremden Städten kaum gute Restaurants.

    Weiterhin ist foursquare super, wenn man Kunden in einer Stadt zu guten Restaurants führen möchte. Ich sende dann immer eine Liste, die ich kreiert habe.

    Zum Beispiel:
    https://de.foursquare.com/ibo/list/k%C3%B6ln–essen

    Wo sich meine Freunde einchecken und welche Preise man bekommt war mir nie wichtig. Ich denke, man sollte foursquare weiter denken 🙂

  2. Ich denke die Bewertung greift zu kurz, 4sq war nie als LBS-Spiel gedacht, deswegen lagern sie ihr Game-Element ja auch aus.

  3. Deine Entscheidung kann ich nachvollziehen, allerdings ist nicht die Zweispaltung das Problem, ich sehe sie sogar als Vorteil. Viele Nutzer haben die App nicht installiert, weil sie immer dachten man muss einchecken. Richtig dumm war meines Erachtens nach die Änderung der Spielereinen, wie die Abschaffung des globalen Mayors einer Venue, die zu sammelnden Punkte (die mich ehrlich gesagt nie interessiert haben) und vor allem die Badges.

    Ich hoffe ja, dass Foursquare hier wieder etwas zurückrudert evtl. sogar ein paar neue spielerische Maßnahmen einbaut, sonst rennen ihnen nämlich wirklich massenhaft aktive User davon.

    Selbst bin ich auch ein Heavy-Foursquare-Nutzer, sowie SU2 und merke den Rückgang der Nutzung an mir selbst. Seit Swarm checke ich lange nicht mehr so viel ein wie früher, denn der Spieltrieb ist weg und das Handling ist gewöhnungsbedürftig. Auch gefällt mir der lange SwarmApp-Link nicht, wenn man die Position z.B. bei Twitter o.ä. teilt. Das ist alles sehr schade, denn dank Foursquare konnte ich bisher immer exakt nachvollziehen, was ich wo gemacht habe. Bin aber trotzdem gespannt, wie sich alles entwickeln wird… wir werden sehen.

  4. Es gibt nichts Anstrengenderes als Leute die sich «beim Vorbeifahren» Mayorships gesichert haben — am Besten noch mit Autocheck-in. Genau weil der Spass am Gaming hier aufhört, hat Foursquare den Schritt gewagt, das Ganze mehr «social» zu machen. wenn das die nervtötenden Mayorship-Hunter vertreibt, finde ich das persönlich keinen grossen Verlust 😀

  5. «Und last but not least war ich jahrelang der Mayor, also der virtuelle Bürgermeister des Kölner Doms – weil ich an dem, wie schön, auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag vorbei komme.»

    Solcher Nutzer haben mir den Spass an Foursquare schon lange genommen. Schade, dass Foursquare nie dagegen vorgegangen ist.

  6. Foursquare hat durch einen Schritt eine Schwarz-Weiß-Lösung erzeugt. Entweder man liebt es – oder man nutzt es gar nicht mehr. Wie es weiter geht bleibt abzuwarten.
    Ich habe für mich vor ca. zwei Wochen ein sehr ähnliches Resümee gezogen und ebenfalls entschieden eine Beziehungspause einzulegen: https://www.stefan-borchert.de/news/398

  7. Momentan warte ich noch ab, auf die Dinge die da angekündigt sind.
    Aber ich checke mich viel weniger ein, als vor Swarm.
    Und ja, ich gehöre an manchen Orten auch zu denen die sich „on the fly“ eingecheckt haben.
    Wie in allen anderen Beziehungen ist auch hier mein Motto „Leben und leben lassen“. Wen meine Check-ins nerven, der muss ja nicht mit mir befreundet sein.
    Ich mag es nicht, wenn Leute meinen nur Ihre Sicht der Dinge wäre die einzig wahre.
    Foursquare hat bestimmt seine Gründe. Ob mir das endgültige Ergebnis dann gefällt ist ganz allein meine Sache.

  8. Ich habe den ultimativen LBS-Test gemacht und gewonnen:

    1. Nachdem Gowalla meine Daten nichts mehr wert waren und dieser neugebackene Multimillionär das Ding geschlossen hatte (ohne mir meine 500€ zurückzuzahlen, die ich vorab für Badges – ohne jegliche Gegenleistung gezahlt hatte) -> habe ich das überlebt

    2. Nach dem Wechsel zu Foursquare stellte sich nicht mehr der kreative Spaß von Gowalla ein, aber ich wurde auch zum Heavy User und habe irgendwann mal über ein Jahr mit dem einchecken pausiert -> ich habe das überlebt und es ging mir besser 🙂

    Als dann die iPhone Foursquare App vor einiger Zeit Strom fraß wie sonst was, habe ich diese gelöscht und immer mal wieder via Instagram eingecheckt. Aber glaubt mir, die Fahne die hier einige User immer noch hoch halten, interessiert die da in Amerika einen feuchten Kehricht.

    3. In Path schlafe ich mindestens schon 1 1/2 Jahre und werde denen auch nicht sagen, wenn ich wieder aufgewacht bin 🙂 -> und ich lebe immer noch.

    Mit Yelp findet man auch wieder gute Restaurants in fremden Städten, aber was spielt auch das für eine wichtige Rolle? Keine.

    Alles ist seit der Social Overdose und dem NSA-Skandal total unwichtig für mich geworden und ich konzentriere mich langsam wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und Foursquare zählt so mindestens zu den unwichtigsten Dingen im Leben, mit denen man sich beschäftigen sollte. Glaubt mir 🙂

  9. Ich nutze es auch schon seit Wochen nicht mehr.

    Habe Foursquare nur zum Check in genutzt und nicht für anderes. Restaurantempfehlungen über Foursquare wäre mir im Leben nicht in den Sinn gekommen, denn bei dem Thema vertraue ich der Crowd nicht, dass sie meine Ansprüche erfüllt 🙂

    Insofern war es nur Spielerei für Mayorships und Badgets. Das ist weg und auch Swarm kein Ersatz, zumal die Usability alleine schon wegen Kontrastarmut für jeden in meinem Alter eine Zumutung ist.