Microsoft im Zangengriff: Surface-Tablet mau, Windows-Bedeutung sinkt

Der Software-Riese aus Redmond hat noch kein probates Mittel gegen den zunehmenden Bedeutungsverlust in der mobilen IT-Welt gefunden.

Ende vergangener Woche wurde einmal mehr deutlich, wie sehr der einst so dominante Software-Konzern Microsoft unter den gegenwärtigen Machtverschiebungen innerhalb der IT-Industrie leidet: Eine Abschreibung in Höhe von stolzen 900 Millionen Dollar mussten die Redmonder da ankündigen.

Grund: Die vor gut einem Jahr als Hoffnungsträger gestarteten eigenen Tablet-Computer Surface liegen wie Blei in den Regalen, so dass Konzernchef Steve Ballmer sie jetzt zu Ramschpreisen verhökern will. Nach Schätzung der Microsoft-Beobachter Mary Jo Fowley von amerikanischen IT-Portal ZDNet sitzt Ballmer aktuell auf sechs Millionen unverkauften Surface-Geräten in der abgespeckten RT-Variante.

Damit erweist sich einmal mehr, in welchem Zangengriff der immer noch weltgrößte Softwarehersteller aktuell steckt. Zum einen ist das traditionelle Stammgeschäft der Redmonder, nämlich der PC-Markt, zahlenmäßig schon längst von dem boomenden Geschäft mit Smartphones und Tablets überholt worden:

Quelle: Business Insider

Das freilich hat indirekt für einen rasanten Bedeutungsverlust von Microsoft gesorgt: Noch Anfang 2009, lief das hauseigene Betriebssystem Windows auf rund 70 Prozent aller weltweit ausgelieferten Geräte, wenn man alle Endgeräte – also PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones – zusammen nimmt.

Heute, nur vier Jahre später, ist das einstige Quasi-Monopol von Windows längst passé: Wie der amerikanische Tech-Marktforscher BI Intelligence herausgearbeitet hat, beträgt der Windows-Marktanteil nur noch gut 30 Prozent. Mehr noch – inzwischen liegt das Google-Mobilsystem Android sogar vor Windows als meistgenutzte Plattform:

Quelle: Business Insider

Aber nicht nur die relative Bedeutung von Microsoft sinkt, weil Android & Co. Windows in den Schatten stellen. Das allein ist problematisch genug für die Redmonder, weil Windows dadurch für App-Entwickler nicht mehr erste Wahl ist. Wer heute schnell eine kritische Masse an Usern gewinnen will, wählt iPhone und Android.

Zu allem Überfluss geht’s seit Mitte 2012 auch absolut rückwärts, weil das Windows-Stammgeschäft bröckelt: Im weiten Quartal 2013 brach das weltweite PC-Geschäft laut US-Marktforscher IDC um 11,4 Prozent ein. Wie Industrieanalyst Horace Dediu in seinem Blog „Asymco“ herausgearbeitet, ist der Umschwung im Computergeschäft eng verknüpft mit dem Start der Apple-Rechenflunder iPad Anfang 2010:

Quelle: Asymco

Bis heute hat Microsoft keine überzeugende Antwort auf den Strukturwandel im Computermarkt weg von herkömmlichen PCs hin zu mobilen Endgeräten gefunden. Wenn Ballmer nicht schnell gegensteuert, muss sich Microsoft mit der Nische als Software-Anbieter für Arbeitsplatz-Computer bescheiden. Im Geräte-Massenmarkt droht dagegen der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit.



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