Wie HP-Chefin Whitman den Reinfall mit der Autonomy-Übernahme intern begründet

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten hat Meg Whitman die Hintergründe für die jüngste Milliardenabschreibung erläutert und weitere Restrukturierungsmaßnahmen angedeutet.

Der krisengeplagte amerikanische IT-Gigant Hewlett-Packard (HP) kommt nicht zur Ruhe: So erwägt HP-Chefin Meg Whitman sogar noch einen höheren Stellenabbau als bisher bekannt, wie die „WirtschaftsWoche“ am Wochenende berichtet hat. Das befürchten jedenfalls Arbeitnehmerkreise in Deutschland.

Anlass ist ein Frühverrentungsprogramm in den USA, das jüngst ablief und von dem rund 10 000 Mitarbeiter Gebrauch gemacht haben sollen. „Ich gehe davon aus, dass es ein Neuauflage geben und in Kürze weiterer Personalabbau angekündigt wird“, sagt ein HP-Betriebsrat, der ungenannt bleiben will. HP wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. 

Hintergrund der neuerlichen Unruhe bei HP: Ende November musste Whitman erneut einen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochenen Quartalsumsatz sowie einen Milliardenverlust präsentieren.

Die sind angefallen, weil HP wegen angeblich falscher Bilanzen beim noch von Whitman-Vorgänger Léo Apotheker für 11 Milliarden Dollar übernommenen Software-Anbieter Autonomy nun 8,8 Milliarden Dollar abschreiben muss. Was den seit Jahren anhaltenden Absturz des HP-Aktienkurses weiter beschleunigt hat:

Quelle: Silicon Alley Insider (zum Vergrößern anklicken)

In ihrer Quartals-Videobotschaft an die HP-Mitarbeiter hat Whitman weitere Details zu der Abschreibung genannt: „Der Großteil der Summe, mehr als fünf Milliarden Dollar, steht in Verbindung mit Buchhaltungs-Unregelmäßigkeiten, Fehler bei Offenlegungen und unverhohlene Falschdarstellungen im Vorfeld unserer Übernahme von Autonomy.“

Diese Unregelmäßigkeiten seien entdeckt worden, als eine Führungskraft des Autonomy-Management-Teams  nach dem Abgang des früheren Autonomy-Vorstandschefs Mike Lynch an HP herangetreten und „uns von einer Serie fragwürdiger Buchhaltungs- und Geschäftspraktiken bei Autonomy“ berichtet habe, so Whitman in der Videobotschaft.

Angebliche Falschangaben des früheren Autonomy-Managements

„Wir glauben nun, dass das frühere Autonomy-Management die finanzielle Leistungsfähigkeit von Autonomy falsch angegeben hat, inklusive des Umsatzes, der Kern-Wachstumsrate und der Bruttomarge“, spart Whitman nicht mit deutlichen Worten. Über Klagen bei der SEC und Zivilklagen gegen „diverse Parteien“ wolle HP jetzt versuchen, so viel wie möglich an Kompensation für das Unternehmen und seine Aktionäre zurück zu holen.

Die neuerlichen Belastungen könnten schlimmstenfalls einen weiteren Stellenabbau nach sich ziehen. Bisher will Whitman im Rahmen eines bis Ende 2014 laufenden Restrukturierungsprogramms weltweit 29.000 Stellen abbauen. Doch schon 2013 könnte weiteres Ungemach für HP drohen: „Wir erwarten, dass der makro-ökonomische wie auch der industrielle Gegenwind anhält“, hat Whitman in ihrer Quartals-Videobotschaft den HP-Mitarbeiter mitgegeben.

Das komplette Transkript der Whitman-Rede in englischer Sprache gibt’s hier.

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