SAP-Finanzchef Werner Brandt: „Unsere internen Ambitionen sind höher“

In einem im Unternehmens-Intranet veröffentlichten Interview hat SAP-Finanzchef Werner Brandt die wahren Finanzziele des Softwarekonzerns im Jahr 2012 preisgegeben – und erläutert, wie er die Kosten senken will.

Der Walldorfer Softwarekonzern plant im laufenden Geschäftsjahr ein höheres Betriebsergebnis als bisher bekannt: Offiziell will SAP bis Jahresende ein währungsbereinigtes Betriebsergebnis von 5,05 bis 5,25 Milliarden Euro einfahren. „Unsere internen Ambitionen sind natürlich höher: Wir haben ein Betriebsergebnis von 5,3 Milliarden Euro als Zielmarke für unseren Bonusplan […] festgelegt“, sagt SAP-Finanzvorstand Werner Brandt in einem im firmeneigenen Intranet veröffentlichten Interview, das der WirtschaftsWoche vorliegt.

Genau darin liegt aber auch ein Problem: Bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal Ende Juli musste SAP ein Ausgabenproblem einräumen. So stiegen in den ersten sechs Monaten der Gesamtumsatz um zehn Prozent, die operativen Aufwendungen dagegen gar um zwölf Prozent. Die Folge: „Wir haben [im ersten Halbjahr] ein währungsbereinigtes Betriebsergebnis von rund 1,9 Milliarden Euro erzielt. Das sind lediglich 95 Prozent dessen, was wir in diesem Zeitraum erzielen wollten“, moniert Brandt.

Als Reaktion darauf – und um die Boni für die Mitarbeiter nicht zu gefährden – stellt SAP nun alle Kosten auf den Prüfstand: „Wir müssen in der zweiten Jahreshälfte die Ausgaben deutlich reduzieren, um unser internes Ziel zu erreichen.“ Zu den Kostentreibern gehörten die Übernahmen, die Personalaufstockung sowie das Wachstum allgemeiner Ausgaben wie Reisekosten. „Anstatt zu reisen, sollte jeder nach Möglichkeit unsere Videokonferenz-Technik und Telepresence nutzen“, appelliert der Finanzchef an die SAPler.

Schon in der Krise 2008/09 gehörte das Softwarehaus zu den Unternehmen, die bei Dienstreisen radikal den Rotstift ansetzten. Auch das Personal soll nur noch beschränkt weiter aufgestockt werden. Brandt: „Ich möchte aber klarstellen, dass wir keinen Einstellungsstopp haben.“

Den komplette Interview mit Werner Brandt gibt’s als Tumblr-Kopie hier.

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