SAP löst Siemens als wertvollsten DAX-Konzern ab

Erstmals ist ein Hightech-Unternehmen das Börsenschwergewicht Nummer eins. Die Strategie von Unternehmensmitgründer und SAP-Aufsichtsratsboss Hasso Plattner ist aufgegangen.

Die Nachricht ist mir im Trubel der aktuellen Berichtssaison – insbesondere wegen der Apple-Quartalszahlen am Dienstag – durchgegangen: Vorgestern Abend hat der Softwarekonzern SAP mit dem Rückenwind der am gleichen Tag veröffentlichten Zahlen den Elektro- und Industriegiganten Siemens als wertvollsten DAX-Konzern überholt. Laut „Bloomberg“ lag der SAP-Börsenwert da bei 62,4 Milliarden Euro im Vergleich zu 61,3 Milliarden Euro bei Siemens.

Der Abstand hat sich heute sogar noch vergrößert, weil Siemens schwache Zahlen fürs dritte Quartal seines Geschäftsjahres vorgelegt hat. Die Börse hat das mit einem Minus bei der Siemens-Aktie von zwischenzeitlich mehr als vier Prozent quittiert.

Allein in diesem Jahr hat der SAP-Aktienkurs gut ein Viertel zugelegt, während Siemens gut neun Prozent verloren hat. Beachtlich ist die Ablösung vor allem beim Blick auf den Umsatz: Während der Münchner Industrieriese im vergangenen Geschäftsjahr fast 74 Milliarden Euro erlöste, setzten die Walldorfer mit ihren Computerprogrammen zur Unternehmenssteuerung gerade mal 14,2 Milliarden Dollar um.

Kurs von SAP (schwarz) zu Siemens seit Februar 2010. (Quelle: Comdirect)

Die Wachablösung ist vor allem eine Bestätigung des Kurses von Unternehmensmitgründer und SAP-Aufsichtsratsboss Hasso Plattner: Der hatte im Februar 2010 den glücklosen und intern wie extern ungeliebten Vorstandschef Léo Apotheker von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt und die heute noch agierende Doppelspitze Jim Hagemann Snabe und Jim McDermott installiert.

Seitdem haben sich Snabe und McDermott darauf konzerntriert, SAP wieder eine Innovationskultur einzuhauchen und das Unternehmen zurück auf Wachstumskurs zu bringen. Mit Erfolg: Allein im abgelaufenen zweiten Quartal sind die reinen Software-Erlöse um satte 26 Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro hochgeschnellt – ein Rekordwert in der vierzigjährigen Unternehmensgeschichte.

Die Bemühungen von Snabe und McDermott hat auch die Börse honoriert: Seit ihrem Amtsantritt vor gut zweieinhalb Jahren konnte die SAP-Aktie um fast 60 Prozent zulegen. Der nächste Meilenstein ist nun das Jahr 2015: Bis dahin wollen die beiden Vorstandschefs den SAP-Umsatz auf mehr als 20 Milliarden Euro steigern. Möglicherweise ist dank der jüngsten Übernahmen wie SuccessFactors und Ariba ja sogar noch etwas mehr drin.

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Alle Kommentare [1]

  1. Ich mag SAP nicht…
    Zumindest nicht die Programme, mit denen ich arbeiten muss. Dem Herrn sei es getrommmelt, gepfiffen und Lob gepreist, dass ich lediglich einmal in der Woche in meine Zeitnachweise und einmal im Monat an meinen Gehaltsnachweis „ran“ muss.