Nokia kommt nicht aus dem Stimmungstief

Im Vorfeld der Zahlen fürs zweite Geschäftsquartal 2012 kämpfen die Finnen im Tagesrhythmus mit schlechten Nachrichten – die nicht immer nur gerechtfertigt sind.

Nein, derzeit möchte man mit den Nokianern wirklich nicht tauschen: Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der angeschlagene Handyhersteller nicht mit Negativschlagzeilen von sich reden macht. Erst gestern rissen die schlechten Zahlen des französischen Netzwerkausrüsters Alcatel die Papiere von Nokia um fast sechs Prozent mit in die Tiefe – auf wenig mehr als 1,40 Euro, so niedrig wie seit 1996 nicht mehr. Die Börsianer haben die Finnen mithin in Sippenhaft mit den Franzosen genommen, obwohl das Netzwerkgeschäft von Nokia deutlich kleiner als der Rest des Konzerns ist.

Eine weitere, vermeintlich schlechte Nachricht gibt’s tags zuvor am Montag: Da veröffentlicht das „Wall Street Journal“ eine Story mit dem reißerischen Titel „Nokia halbiert Preis für Flaggschiff-Smartphone“, die erst durch die US-Medien sickert und dann mit gleicher Tonalität nach Deutschland schwappt – etwa als „Preisverfall beim Nokia-Hoffnungsträger“ beim „Handelsblatt“. Dabei habe man bloß die Zuzahlung von 99 auf 49 Dollar halbiert, wie ein Nokia-Sprecher klarstellt. Dies sei über die Zwei-Jahres-Vertragslaufzeit jedoch nur ein Bruchteil des Gesamtpreises; zudem ein Schritt, der vier Monate nach der Einführung des Lumia 900 in den USA marktüblich sei.

Quelle: Asymco/Nielsen, Comscore

Doch mit solchen Details dringen die Finnen derzeit kaum noch durch – Nokia befindet sich seit Wochen im Stimmungstief. Da kann das Unternehmen noch so sehr auf die zahlreichen positiven Bewertungen des Lumia 900 verweisen: Bei Amazon bewerten aktuell 426 Kunden das Smartphone mit durchschnittlich 4,5 von 5 Sternen. Selbst Blogs, die Nokia und der vom Partner Microsoft gelieferten Smartphone-Plattform Windows Phone eher gewogen sind, beäugen die Finnen inzwischen nur noch skeptisch: So hat etwa das US-Techblog „PocketNow.com“ die jüngste Story unter der Überschrift „Nokias Schiffs sinkt“ samt untergehender Titanic mit aufmontiertem Nokia-Logo verfasst.

Zu alledem scheinen jetzt auch noch miese Verkaufszahlen zu kommen: Das jedenfalls behauptet der amerikanische Mobil-Analyst Horace Dediu in seinem Blog „Asymco“. Laut seiner Ende der vergangenen Woche veröffentlichten Berechnung seien, basierend auf den Marktanteilszahlen des Marktforschers Comscore, in den USA gerade mal 330.000 Lumia-Smartphones über die Ladentheken gegangen – wohlgemerkt innerhalb von vier Monaten.

Details zu den tatsächlichen Verkaufszahlen erhalten die Märkte am morgigen Donnerstag, wenn Nokia seine Zahlen fürs zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres vorlegt. Im Schnitt erwarten Analysten fast eine Verdopplung des Quartalsverlustes aus 237 Millionen Euro gegenüber dem Vorquartal (Q1: -127 Millionen Dollar). Sollte sich das Lumia tatsächlich so schlechter verkauft haben wie von Dediu berechnet, könnten die Miesen gar noch größer ausfallen.

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Alle Kommentare [4]

  1. nokia ist schlicht und ergreifend am ende. zumindest im phone-sektor. genau wie alcatel und auch rim. hochmütig die trends verpasst. die können noch ein paar feature phones nach afrika verkaufen – und das wars dann.

  2. Sehe ich ehrlich gesagt noch nicht so – aus mehreren Gründen. Microsoft wird Nokia niemals fallen lassen – trotz aller Probleme sind die heute schon der wichtigsten WP-Partner. Und ohne eine Standbein im Mobilgeschäft bekommt auch MSFT immer größere Probleme. Ex Cash, also netto, kostet Nokia inzwischen weniger als drei Milliarden Euro – vergleichen Sie das mal mit den 8,5 Milliarden für Skype. Und von den Nokia-Patenten will ich gar nicht anfangen… nur soviel: für eine im Handygeschäft ebenfalls total abgemeldete Motorola hat Google 12,5 Milliarden Dollar hingeblättert. Daher: Totgeweihte leben länger – auf welche Art und Weise auch immer…

  3. ok… einigen wir uns darauf, dass nokia alone nicht durchhalten wird. aber ob WP gegen ios/android etwas auszurichten vermag, bleibt abzuwarten. in die sich durch den wegfall von rim ergebende lücke konnte windows jedenfalls NICHT mir business phones einfallen.

    und wir wissen alle, wie kläglich alle bisherigen mobile versuche von windows gescheitert sind. ich glaube vielmehr, dass wir auch den untergang von windows sehen werden.

    ios und android sind bereits große konkurrenten (stichwort ubiquitouus computing), linux – obwohl lange zeit im schlummerschlaf – erwacht. und office? da sind die leute und unternehmen auch mehr als angenervt, dass da wieder was neues – ohne wirklichen mehrwert – kommt.

    der lack von ms und nokia ist ab. balmer vergräzt die entwicklergemeinde, elop stolpert konzeptlos rum (eine restrukturierung nach er anderen…). ich sehe einfach kein szenario, in dem beide sich an den haaren aus dem sumpf ziehen könnten.

    die in der pipe befindlichen produkte sind bestenfalls metoo produkte. (ausser dem n900, dessen launch nokia und ms aber GRÜNDLICH versaut haben)

    ohne breite entwicklerbasis – die aber vor allem bei ios/android zu finden ist, können beide „nachhause“ gehen. und ich sehe auch kein szenario, in dem entwickler (ohne not oder internen auftrag) plötzlich von android/ios zu win wechseln sollten.

  4. > Michael Kroker sagt:
    > 18. Juli 2012 um 09:45

    > Sehe ich ehrlich gesagt noch nicht so – aus mehreren Gründen.
    > Microsoft wird Nokia niemals fallen lassen

    Wie soll man das verstehen? Nokia wurde von Microsoft böse im Regen stehen gelassen, indem dummerhafte Begründungen, wie z.B. Windows 8 liefe nur auf Mehrkern-CPUs geliefert wurden. Microsoft hat sich offensichtlich Gedanklich längst von Nokia gelöst, sonst hätte man Nokia das Update auf WP 7.8 als Windows 8 verkaufen lassen, nur dass eben auf alten Telefonen einige Features nicht verfügbar sind.