Bitkom-Präsident kritisiert Endkunden-Fokus bei Breitbandinitiative der Bundesregierung

Der Chef des ITK-Branchenverbandes Dieter Kempf fordert einen anderen Schwerpunkt bei schnellen Internet-Anschlüssen und tüftelt an einer Plattform für Cyber-Kooperation von Unternehmen in der IT-Sicherheit.

Irgendwie sind mir in den vergangenen Tagen immer wieder andere aktuelle Themen dazwischen gekommen, so dass ich erst jetzt zur Nachlese des Bitkom-Sommerfests komme, das am vergangenen Donnerstag in Berlin mit mehr als 1300 Teilnehmern aus der ITK-Branche und Politik stattgefunden hat.

Im Rahmen der Veranstaltung habe ich mich mit Bikom-Präsident Dieter Kempf mir im persönlichen Gespräch seine Vorhaben für die nächsten Monate skizziert. Vor ziemlich genau einem Jahr, Ende Juni 2011, hat der 59-jährige Chef des IT-Dienstleisters Datev mit Sitz in Nürnberg den Job turnusgemäß von Vorgänger August-Wilhelm Scheer übernommen.

Mit seinem ersten Jahr an der Spitze ist Kempf durchaus zufrieden, betont aber, er wolle sich in den kommenden Monaten dafür stark machen, manche Schwerpunkte anders zu setzen. Beispiel Breitband-Initiative der Bundesregierung: Im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets hat die Regierung im Januar 2009 beschlossen, bis 2014 sollen 75 Prozent aller Haushalte in Deutschland mit Hochgeschwindigkeits-Internet versorgt werden, bis 2018 gar alle.

„Mir wäre 100 Prozent aller Industriegebiete und Gewerbeparks wichtiger als 75 Prozent aller Haushalte“, so Kempf. Immerhin sei die Zahlungsbereitschaft von Gewerbetreibenden und Unternehmen viel höher als beim Endkunden, der im Zweifelsfall alles immer billiger haben wolle. Mehr noch: Es gebe immer noch genügend Ingenieur-Unternehmen oder Architektur-Büros, die Baupläne und Konstruktionsskizzen über Schmalband-Verbindungen verschicken müssen. „Denen könnte man mit einem anderen Schwerpunkt schnell helfen“, so Kempf.

Ein weiteres seiner Wunschprojekt ist eine Plattform für eine so genannte Cyber-Kooperation. Damit meint der Bitkom-Chef einen Mechanismus, wie sich Unternehmen und Verband im Falle von IT-Angriffen miteinander austauschen und gegenseitig helfen können. Kempf: „Sowas gibt es bereits – die Chefs für die herkömmliche Unternehmenssicherheit tauschen sich längst untereinander aus. So etwa benötigen wir auch für IT-Sicherheit und Cyber-Kriminalität, die ja im Zweifelsfall viel größere Auswirkungen auf die Unternehmen haben.“

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