Schlechte Nachricht für Intel: Dell vermarktet Server mit ARM-Prozessoren

Der amerikanische Rechnerbauer liefert erstmals Server-Computer aus, die nicht von x86-Prozessoren angetrieben werden. Das ist eine weitere schlechte Nachricht für den weltgrößten Chiphersteller Intel.

Die Nachricht ist in der vergangenen Woche vergleichsweise unbeachtet geblieben – vielleicht, weil sie auf den ersten Blick rein technisch und wenig spektakulär klingt. So hat der amerikanische Computerhersteller Dell angekündigt, künftig ein Ökosystem rund um Server aufbauen zu wollen, die mit Prozessoren des britischen Chip-Designers ARM ausgestattet sind. Zudem haben die Texaner begonnen, ihre ersten, „Copper“ getauften ARM-Server an Kunden auszuliefern.

Frei erhältlich sind die ARM-Server noch nicht, sondern sollen laut Dell „zum passenden Zeitpunkt auf den Markt kommen“. Zudem betont das Unternehmen, sein Kernmarkt seien weiterhin x86-Server, also Rechner basierend auf Prozessoren des Chip-Weltmarktführers Intel. Um gleich wieder einzuschränken: „Wir sehen ein beachtliches Marktpotenzial für ARM-Server“, wie sich Dells Server-Chef Forrest Norrod zitieren lässt.

Die Ankündigung ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Bisher galt Dell als einer der engsten Partner von Chipgigant Intel. Zwar sind die Texaner bereits 2006 von ihrer „nur-Intel“-Strategie abgerückt und haben auch Rechner mit Prozessoren des Intel-Rivalen AMD mit ins Programm genommen. Damit hatte Dell seinerzeit freilich nur einen Schritt vollzogen, den andere PC-Hersteller längst gegangen waren – an den Marktanteilen der Chipproduzenten hat dies folglich nichts großartig geändert.

Hier ist die Ausgangslage eine andere: Mit ARM drängt ein Chipanbieter ins Servergeschäft, der aus einem völlig anderen Marktsegment kommt – dem Mobil-Geschäft. Ein Großteil der aktuellen Smartphones und Tablet-Rechner läuft mit Prozessoren auf Basis einer von ARM entwickelten und an Fremdproduzenten lizensierte Chiparchitektur. Deren Besonderheit ist vor allem die hohe Energieeffizienz.

Genau dieser Vorteil ist jetzt der Hauptgrund für den Einbau von ARM-Chips in Server, schließlich verschlingen Rechenzentren mit tausenden von Servern enorm viel Strom. „Dort, wo Kosten- und Energieeffizienz besonders wichtig sind“, sollten ARM-Server künftig eingesetzt werden, schreibt auch Dell in seiner Ankündigung.

Schlechte Nachricht für Intel

Dell ist ähnlich wie PC-Weltmarktführer Hewlett-Packard besonders von den Umwälzungen der Post-PC-Ära betroffen, die sich in den letzten Monaten vollzogen hat. So mussten Dell wie HP in ihren jüngsten Quartalsberichten einen Umsatzrückgang verkünden. Dell dürfte sich von dem jetzigen Schritt also die Erschließung neuer Märkte erhoffen – zumal die Texaner bei der Nutzung von ARM im Serverbereich ein Vorreiter sind und sie so über ein gewisses Alleinstellungsmerkmal verfügen.

Eine schlechte Nachricht ist dies indes für Intel. Schon vor knapp zwei Wochen hatte ich hier im Blog die aktuelle Marktsituation des Chip-Weltmarktführers näher beleuchtet und dabei ein eher negatives Fazit geschlossen – und dafür eine kleine Kontroverse rund um Intel losgetreten. Meine Begründung für den kritischen Blick: Die Kalifornier sind in wichtigen Zukunftsmärkten wie eben Smartphones oder Tablet-Rechner ins Hintertreffen geraten. Wenn jetzt der Hauptgrund für jenen Rückstand – nämlich der bisherige mobile Chip-Champion ARM – in die Intel-Domäne Server-Markt eintritt, würde ich mir an Stelle der Kalifornier so meine Gedanken machen.

Wie schon mal erwähnt: Mir ist bewusst, dass Intel immer noch hochprofitabel und in vielen Bereichen erfolgreich ist. Dennoch muss sich ein Unternehmen eben auch weiterentwickeln, wenn sich die Märkte verschieben. Zudem bleibt die Frage, ob demnächst auch weitere Computerhersteller dem Vorbild von Dell folgen werden.

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