Blackberry-Hersteller RIM im freien Fall

Seit mehreren Quartalen geht’s abwärts beim Smartphone-Pionier Research in Motion. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil.

Ende vergangener Woche hat Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) Quartalszahlen vorgelegt, die einmal mehr unterstreichen, wie stark das Geschäft des einstigen Smartphone-Vorreiters bereits erodiert ist: So brach der Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2012 von fast 5,6 Milliarden Dollar im Jahr 2010 um satte 25 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar ein. Statt eines Gewinns fuhr das kanadische Unternehmen im ersten Quartal unter dem deutschen Vorstandschef  Thorsten Heins einen Nettoverlust in Höhe von 125 Millionen Dollar ein.

Ein Abwärtstrend, der nun schon seit mehreren Quartalen anhält – und eine Trendwende ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: So hat RIM in den drei Monaten bis Anfang März rund 11 Millionen Blackberrys verkauft – ein Minus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit verzeichnen die Kanadier zum ersten Mal seit 2006 in Weihnachtsquartal einen Absatzrückgang. „Blackberry-Hersteller gibt sich Apple geschlagen“, hat die Nachrichtenagentur Reuters einen Bericht zu den Zahlen betitelt. Tatsächlich ist der Marktanteil von RIM im globalen Smartphone-Geschäft von rund 20 Prozent Mitte 2009 auf zuletzt rund acht Prozent gesunken:

Quelle: Statista

Dabei muss der erst im Januar ins Amt berufene Chef  Heins gleich mehrere Löcher im Unternehmen stopfen. Zum einen gibt es aktuell einen Aderlass von hochrangigen Managern, darunter der ehemalige Co-CEO Jim Basilie, der sich aus dem Aufsichtsrat zurückzieht. Zu allem Überfluss hat gestern der niederländische Chiphersteller NXP Patentklage gegen RIM erhoben und die Aktie dadurch erneut auf Talfahrt geschickt. Und schließlich muss Heins die hauseigene Technik auf Vordermann bringen: Im Oktober waren die kompletten E-Mail- und Internet-Systeme mehrere Tage gestört. Allein dieser Systemausfall kostete RIM rund 54 Millionen Dollar.

Hier die Vorkehrungen zu erhöhen scheint umso mehr geboten, als dass Heins sich bei der Sanierung von RIM künftig wieder auf seine Kernkompetenz besinnen will – mittels einer Refokussierung auf das Geschäftskundensegment, durch das Blackberry einst großgeworden ist. Weitere Systemausfälle könnten da die sensiblen, weil auf höchste Zuverlässigkeit achtenden Unternehmenskunden verprellen.

Ob der neuerliche Strategieschwenk reicht, um den freien Fall von RIM zu stoppen, ist längst nicht ausgemacht. Viel zu lange hat das Unternehmen den Trend in Richtung berühungsempfindliche Displays und Apps ignoriert; irgendwann ging auch noch das einst hippe Image flöten. Das wiederum wiegt umso schwerer, weil längst der Endkunde der maßgebliche Schrittmacher für Neuerungen im Handymarkt ist. Wie sehr RIM bereits zurückgefallen ist, beweist ein Blick in den US-Markt: Im Februar war jedes zweite dort verkaufte Handy ein Smartphone – ein Jahr zuvor betrug die Quote unter 40 Prozent. Doch der Marktanteil der einst gerade in den USA so dominierenden Blackberrys liegt nur noch bei 12 Prozent:

Quelle: Statista

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Alle Kommentare [1]

  1. Als sehr kritisch empfinde ich auch die kürzliche 15-minuetige Unterbrechung des Dienstes, zumindest in Europa. Das scheint znächst eine kurze Zeitspanne zu sein, und ist einem bei der Wartung von Servern etc. durchaus aus anderen Kontexten ja auch bekannt.

    Allerdings sind aus meiner Sicht gerade für Unternehmen die permanente Verfügbarkeit und Sicherheit des Push-Dienstes das wichtigste Argument für die „Schwarzbeere“ – bei Aspekten wie Bedienkomfort der Geräte punkten wohl eher andere Hersteller.

    Verliert RIM das vielleicht lebenswichtige Alleinstellungsmerkmal der ununterbrochenen Email-Kommunikation?