Eine Wutrede gegen Blackberry: Kommunikation geht anders!

Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt mitten im größten Systemausfall der Unternehmensgeschichte – und blamiert sich bei der Krisenkommunikation.

(Update 13.10.2011 14:55 Uhr: RIM-Gründer und -Co-CEO Mike Lazaridis hat sich in einem Video für den Ausfall entschuldigt. Mittlerweile sind die Blackberry-Systeme auf dem Weg in Richtung Normalbetrieb)

Vorab soviel: Ich nutze beruflich einen Blackberry Bold – ein einfaches, aber solides Gerät ohne Touchscreen, das ich wirklich mag, vor allem dank der sehr guten physikalischen Tastatur. Bisher habe ich noch jeder Verlockung aus dem Apple- oder Android-Lager widerstanden. Das sogar selbst dann, als mich Vertreter aus der Mobilfunk-Industrie mit hämischen Kommentaren wie „Wollen Sie eigentlich nicht mal ein richtiges Smartphone verwenden?“ bedacht haben – stets hab‘ ich „meinen“ Blackberry verteidigt und bin ihm treu geblieben.

Vielleicht sollte ich wirklich mal langsam Alternativen in Erwägung ziehen. Grund: Die E-Mail, Internet- und Messenger-Kommunikation auf dem Blackberry ist bereits den dritten Tag hintereinander massiv gestört; siehe auch meine gestrige Blog-Geschichte über den Hersteller Research in Motion (RIM). So weit, so schlimm. Und was macht RIM? Lässt seine deutsche PR-Agentur heute gegen 11 Uhr folgende dürre Zeilen per Mail verbereiten – in Englisch (sic!):

RIM UPDATE: The messaging and browsing delays being experienced by BlackBerry users in Europe, the Middle East, Africa, India, Brazil, Chile and Argentina were caused by a core switch failure within RIM’s infrastructure.  Although the system is designed to failover to a back-up switch, the failover did not function as previously tested. As a result, a large backlog of data was generated and we are now working to clear that backlog and restore normal service as quickly as possible. We apologize for any inconvenience and we will continue to keep you informed.

Worte, die ich für eine Frechheit halte, vorsichtig ausgedrückt. „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“ Kaum zu glauben, dass sich ein Unternehmen – wohlgemerkt der Kommumikationsbranche – traut, derart abgedroschene Sätze abzusondern, die bestenfalls wie die Roboter-haften Sprachcomputer-Durchsagen der Deutschen Bahn daherkommen. „Wir halten Sie informiert.“ Letztlich sagt RIM überhaupt nichts in den paar Zeilen. Was glauben die Kanadier, sollen ihre Kunden mit dem Statement anfangen? Millionen Nutzer in Europa und anderswo warten seit nunmehr drei Tagen darauf, dass ihre Geräte wieder funktionieren – ein Katastrophe im heutigen Zeitalter des mobilen Internets.

Sagen sollte das Unternehmen beispielsweise, dass sich das vermeintliche Sicherheitsplus des Blackberry-Systems – nämlich dass der gesamte Datenverkehr in Europa über ein Rechenzentrum in Egham bei London fließt – nun ins Gegenteil verkehrt hat. Denn wenn man schon eine derartige, Neudeutsch „Single Point of Failure“ genannte Achillesferse aufweist, sollte man tunlichst alles dransetzen, dass ebenjene nicht reißt. Sagen sollte RIM auch, wie man gedenkt, die Probleme schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. Und auch eine aufrecht daherkommende, von einem der beiden Vorstandschefs Jim Basilie oder Mike Lazaridis glaubhaft vorgebrachte Entschuldigung könnte jetzt gewiss nicht schaden.

Mit fünf Sätzen (oder so) aus dem PR-Baukasten für Anfänger indes vergraulen die Kanadier auch die letzten treuen Fans in Richtung iPhone, Android & Co.

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Alle Kommentare [5]

  1. hallo

    klar kann ich mich jetzt aufregen, aber deshalb geht dann die Blackberry trotzdem nicht.. Aber es gibt Möglichkeiten das man sich keine neue Blackberry holt…
    lg Tommy

  2. Hallo Michael, sehe beim Lesen vor meinem geistigen Auge, wie Deine Halsschlagaden pulsierend hervortreten … Aber ich denke, andere Systeme, andere Probleme.

  3. Lieber Herr Kroker, ein bemerkenswerte klares Statement in der sonst so weichgespülten Pressewelt! Weiter so!

  4. Naja, das ist natürlich schlecht für BB User, jedoch sollte man auch gerechterweise sagen, daß Unternehmen mit einem eigenen BB Server, den man vom Provider i.d.R. gestellt bekommt, keine Probleme haben.

    Wahrscheinlich die PR genauso verschlüsselt wie der Datentransport 😉