Warum der Spieleentwickler Zynga derart abgestürzt ist

Der Erfinder von Facebook-Spielen wie Farmville oder Mafia Wars hat einen neuerlichen Quartalsverlust verkündet. Zynga schwächelt im Mobilgeschäft – und ist Opfer des einstigen Erfolgs auf Facebook.

Die schlechten Nachrichten rund um den Social-Gaming-Pionier reißen nicht ab: Erst Ende vergangener Woche hat Zynga per Vorabmeldung gewarnt, dass die Zahlen im abgelaufenen dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres schlechter ausfallen würden als erwartet. So erwartet der Erfinder des Facebook-Spiels „Farmville“ für die drei Monate zwischen Juli und September nunmehr einen Verlust zwischen 90 und 105 Millionen Dollar. Als Quartalsumsatz erwartet das Unternehmen zwischen 300 und 305 Millionen Dollar – damit liegt Zynga gerade noch auf dem Vorjahresniveau.

Und schließlich hat Zynga-Boss Mark Pincus auch noch seine Prognose fürs Gesamtjahr deutlich nach unten geschraubt. Kaum verwunderlich also, dass die Aktie am Montag dieser Woche bei 2,43 Euro schloss – einer neuerlicher Tiefststand. Schon nach der Vorlage der Zahlen des zweiten Quartals Ende Juli mit einem Verlust von fast 23 Millionen Dollar war die Aktie an einem Tag um satte 40 Prozent abgestürzt. Seit dem Börsengang im Dezember 2011 hat das Zynga-Papier mehr als Dreiviertel an Wert eingebüßt.

Hauptauslöser für den jetzigen Quartalsverlust sind Abschreibungen zwischen 85 und 95 Millionen Dollar auf den im März für gut 210 Millionen Dollar übernommenen „Draw-Something“-Entwickler OMGPOP. Die hohen Erwartungen in jene Übernahme haben sich nie erfüllt; bereits im zweiten Quartal schrumpfte die Nutzerzahl von 14 auf 3,5 Millionen.

Quelle: Statista

Doch auch das Stammgeschäft mit Spielen wie „The Ville“ oder „Farmville 2“ laufen schleppender als erhofft. „Wir adressieren diese Herausforderungen, indem wir zielgerichtete Kostenreduzierungen durchführen und unsere Forschungs- und Entwicklungs-Pipeline rationalisieren“, lässt sich Zynga-CEO Pincus zitieren.

Ob das reicht, um den Anbieter von Browser-basierten Spielen wieder flott zu machen, bleibt einstweilen zweifelhaft. So hat Zynga etwa den Schwenk vieler Nutzer weg von sozialen Netzwerken wie Facebook hin in Richtung Smartphone-Games verschlafen – den Rückstand konnte auch besagter Kauf der seinerzeit populären Handy-App „Draw Something“ nicht kompensieren.

Zudem scheint Zynga ein Stück weit Opfer des eigenen Erfolgs in den Frühjahren zwischen 2008 und 2010 geworden zu sein. Damals boomten Facebook-Games wie Farmville oder Mafia Wars derart, dass sich immer mehr Nutzer des weltgrößten sozialen Netzwerks über „Game-Spam“ in ihrem Nachrichten-Strom beschwerten. Ende 2010 schritt Facebook-Chef Mark Zuckerberg höchstpersönlich ein und ließ einige Regeln ändern. Nichtspieler erhalten nun deutlich weniger Spielebenachrichtigungen – und die kostenlose Viralwerbung für Zynga ist seitdem vorbei.

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Alle Kommentare [2]

  1. Ich muss mich über die „Experten“ an den Börsen doch immer wieder wundern. Die Bewertung von Innovationunternehmen gehört nicht wirklich zu deren Stärken. Wie man für die Aktie jemals über 14 Dollar zahlen konnte, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.