Digitaler Musikvertrieb boomt – trotz rückläufiger Player-Verkäufe

Mehr als 50 Milliarden Dollar Umsatz hat die Branche mit digitaler Musik im vergangenen Jahr erzielt. Gleichzeitig verkauft Vorreiter Apple von seinem Musikplayer iPod seit 2008 immer weniger Geräte.

Dass Apple mit seinem vor gut 11 Jahren auf den Mark gebrachten Musikspieler iPod die Musikindustrie revolutioniert hat, ist längst Geschichte. Mehr noch: Im Grunde hat sich der iPod über die Jahre eine Rolle als Geburtshelfer des digitalen Musikgeschäfts erarbeitet. Noch im Jahr 2004 – also drei Jahre nach der Einführung des iPods – hat die Musikbranche weltweit nur wenige hundert Millionen Dollar Umsatz mit digitaler Musik erzielt. Seinerzeit hat Apple 8,3 Millionen iPods verkauft.

Nur ein Jahr später konnte Apple den Absatz seines Musikplayers um 286 Prozent auf gut 32 Millionen Geräte. Parallel dazu stiegen die digitalen Umsätze der Plattenfirmen um 175 Prozent auf mehr als eine Milliarde Dollar. Bis 2008 legten iPod-Verkäufe und digitales Musikgeschäft im Gleichschritt zu, wie das Datenportal Statista festgestellt hat.

Seitdem schrumpfte das Apple-Musikgeschäft von gut 56 Millionen iPods im Jahr 2008 auf weniger als 40 Millionen Geräte im vergangenen Jahr. Das digitale Musikgeschäft indes legte weiter zu – wenn auch weniger rasant. Grund hierfür dürfte unter anderem die wachsende Popularität von Musik-Streaming-Diensten wie Napster, Spotify oder Rdio sein, bei denen bloß eine Monats-Flatrate anfällt.

Quelle: Statista

Aufschlussreich ist der detaillierte Blick auf die Entwicklung der iPod-Umsätze in jenem Zeitraum. So setzte Apple im jüngst abgelaufenen vierten Geschäftsquartal nur noch 820 Millionen Dollar mit seinem Musikspieler um. Wie der Apple-Beobachter Dan Frommer in seinem Blog SplatF festgestellt hat, war dies das erste Mal seit acht Jahren, dass Apple weniger als eine Milliarde Dollar mit dem iPod umsetzte; zuvor im September-Quartal 2004. Dazwischen lagen 31 Quartale in Folge oberhalb jener Schwelle.

Dennoch kann Apple jenen Befund relativ gelassen nehmen, weil sich die relative Bedeutung jenes Geschäfts dramatisch verändert hat: So haben die Jungs aus Cupertino in der Spitze im Jahr 2006 rund die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes  mit ihrem kleinen Musikspieler erwirtschaftet.

Seitdem ist der Umsatzanteil des iPod am Gesamtgeschäft von Apple rasant gesunken – vor allem durch das Mitte 2007 eingeführte iPhone, das neben der Handy-Funktion quasi mit einen iPod huckepack dabei hat. Dadurch sinkt die Bedeutung eines Musik-Spielers als eigenständiges Gerät. Im jüngsten Quartal lag der iPod-Anteil nur noch bei gut zwei Prozent des Konzernumsatzes – ein Trend, der sich in Zukunft fortsetzen dürfte.

 

Quelle: SplatF/Dan Frommer

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Alle Kommentare [1]

  1. Wozu extra ein Musikplayer kaufen, wenn in jedem modernen Smartphone ein solcher integriert ist!