Krokers RAM: SAP droht zu überdrehen – und das ausgerechnet bei treuen Bestandskunden

Mein Rant am Morgen: SAPs harte Linie bei der Nachforderung von Lizenzgebühren für die indirekte Softwarenutzung behindert auch Zukunftsthemen wie etwa Investitionen in das Internet of Things.

Seit Februar 2010 – also seit insgesamt mehr als sieben Jahren – steht SAP-Chef Bill McDermott an der Spitze von SAP: Schon davor war der Softwarekonzern aus Walldorf eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten in der IT.

Doch erst unter McDermotts Ägide hat sich SAP zum echten Dominator im Markt für Unternehmenssoftware aufgeschwungen – und ist inzwischen das wertvollste börsennotierte Unternehmen aus Deutschland überhaupt.

Ist McDermott, der aus kleinen Verhältnissen stammt und sich mit unbändigem Fleiß und Ehrgeiz ganz nach oben gearbeitet hat, dieser Erfolg nun zu Kopf gestiegen? Wie die „WirtschaftsWoche“ Mitte dieser Woche berichtet hat, laufen aktuell Kunden und Partner in einem Lizenzstreit Sturm gegen SAP. Ihr Vorwurf: Der Softwarekonzern verstoße mit seiner derzeitigen Entgeltpraxis gegen Kartellrecht.

Im Kern geht es bei dem Streit darum, dass die Walldorfer von den Kunden auch Lizenzgebühren für Zugriffe aus Fremdsoftware heraus auf SAP-Daten einfordern. Die Rechtslage bei dieser sogenannten indirekten Nutzung ist nicht eindeutig; ein britisches Gericht hat SAP im Frühjahr in einem Einzelfall recht gegeben.

Aber damit nicht genug: Die derzeitige Entgeltpraxis von SAP sorgt auch dafür, dass viele Unternehmen bei wichtigen Zukunftsthemen wie der Digitalisierung und dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) auf der Bremse bleiben.

Denn ohne eine rechtssichere und vor allem kundenfreundliche Regelung der indirekten Nutzung durch SAP fürchten viele Unternehmen, dass am Ende für alle miteinander vernetzten Geräte, Gadgets und Rechner, die an SAP-Systeme andocken, Lizenzgebühren fällig werden.

So oder so: Wenn SAP bei dieser harten Linie bleibt, könnte dem Unternehmen zwar einerseits Lizenznachforderungen in Millionen- oder gar Milliardenhöhe winken. Andererseits würden die Walldorfer gewaltig überdrehen – und das ausgerechnet bei ihren treuen Bestandskunden.

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Alle Kommentare [1]

  1. Lieber Herr Kroker,
    Liebe Wiwo-Leser,

    schön dass Sie das Thema mal wieder aufgreifen.
    Insbesondere für das Leonardo Portfolio von SAP ist das Indirekte Nutzen von Daten eine Wachstumsbremse. Grade die Edge Daten von Sensoren werden ja von vielen Anwendungen parallel genutzt.
    Wir bei Crisp Research haben darüber Mitte des Jahre schon geschrieben und auch mit den verantwortlichen bei SAP gesprochen.
    https://www.crisp-research.com/leonardo-iot-sap-spielt-mit-dem-vertrauen-seiner-kunden/
    Diese haben bessere Kommunikation und klarere Guidelines versprochen, aber bis jetzt noch nicht veröffentlicht.
    Gerade bei Cloud-Produkten macht es nicht nur die Technik, sondern auch das gelungene Pricing und Go-to-Market. Hier muss SAP dringend nachbessern um gegen die IoT und Machine Learning Angebote der Hyperscaler Marktanteile zu gewinnen.

    Schönes Wochenende
    Stefan Ried
    Crisp Research.