Von wegen digital: Die eBook-Verweigerer in Europa – vor allem in Deutschland

Während der Verkauf von elektronischen Büchern in den USA boomt, sind die Leser in der alten Welt einstweilen skeptisch. Der Rückstand dürfte auch in den kommenden Jahren andauern.

Wenn heute in Frankfurt die alljährliche Buchmesse ihre Pforten öffnet, dürfte neben klassischen Buchvorstellungen vor allem ein Thema die Branche bewegen: Die Entwicklung von elektronischen Büchern, Neudeutsch eBooks genannt, und die zugehörigen Lesegeräte. Vorbild ist dabei die Entwicklung des E-Commerce-Giganten Amazon in seinem Heimatmarkt USA: Amazon hat dort schon vor zwei Jahren mehr elektronische Bücher als gebundene verkauft, unter anderem befeuert durch das hauseigene Lesegerät Kindle.

Hierzulande – wie in ganz Europa – ist der Boom bei den eBooks bisher jedoch ausgeblieben. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) investieren Westeuropäer in diesem Jahr rund 574 Millionen Dollar in ihre digitalen Bücherregale; jenseits des Atlantiks sollen es mit 4,3 Milliarden Dollar mehr als sieben mal so viel sein. Bis 2016 wachsen die Ausgaben hüben wie drüben, doch bleibt Europa auch bis dahin hinter den USA weit abgeschlagen:

Quelle: Statista/PwC

Dabei macht insbesondere Deutschland seinem Ruf als besonders skeptisch bezüglich neuen Technologien alle Ehren. Laut einer GfK-Erhebung lag der Umsatz von eBooks hierzulande im vergangenen Jahr gerade mal bei 38 Millionen Euro. Damit lag der Anteil des vermeintlichen Hoffnungsträgers der Branche gerade mal bei einem Prozent der Gesamtumsätze im deutschen Buchmarkt 2011.

Einen fahlen Hoffnungsschimmer hat kürzlich der ITK-Branchenverband Bitkom in seiner Studie „Die Zukunft der Consumer Electronics 2012“ veröffentlicht. Demnach lesen aktuell 14 Prozent der deutschen Internet-Nutzer eBooks; immerhin 24 Prozent planen die Anschaffung von elektronischen Büchern. Die schlechte Nachricht: Eine satte Mehrheit von 55 Prozent bezeichnet sich weiterhin als eBook-Verweigerer:

Quelle: Statista/Goldmedia-Bitkom

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Alle Kommentare [10]

  1. Was scheinbar einfach niemand begreifen will: Die größten Hemmnisse für den Book-Reader Markt in Deutschland sind:

    1) Preisgestaltung der eBooks
    2) DRM
    3) Formatvielfalt der eBooks und immer wieder technische Probleme

    Klaus

  2. Was einfach niemand begreifen will:
    Ich möchte einfach – ganz konventionell – in einem Buch lesen!

  3. und ich möchte einfach – ganz konventionell – den guten Inhalt lesen ohne mir nachher die Wohnung mit Altpapier vollzustellen.
    Um der deutschsprachigen Hochpreisstrategie auszuweichen lerne man Englisch, da erhält man Vieles, und nicht nur den Ramsch,zu einem Bruchteil der Preise von deutschen Büchern.

  4. Tina, wie kann man so old-school sein!!

    Die Zeiten ändern sich, nur ein Nerd der mit seinem Samsung Galaxy Tab 10.1, Android 4.1 „Jelly Bean“ heldenmütig eine Spinne zertrümmert und das stets verhasste Operating System in rauchende Trümmer aufgehen lässt, kann das Herz einer Frau im Sturm erobern.

    Das ist die wahre Leidenschaft des 21. Jahrhunderts.

  5. Ich warte ja eigentlich nur noch darauf, dass man sich für sein Festhalten am konventionellen Buch als „Ewiggestriger“ titulieren lassen muss. Wird nicht mehr allzu lange dauern, vermute ich.

  6. Es geht doch nichts über ein Buch, an dem man riechen kann, das man anfassen kann, bei dem die Seiten knistern…
    Sorry, aber ein E-Book ist für mich nichts!

  7. Mir fehlt es bei einem E-Book einfach an Wert. Es ist substanzlos und immer nur das Eine, ein E-Book, ganz gleich des Inhalt. Preislich wäre es nur im absoluten Niedrigpreis Sekment ein wenig interessanter, da ein E-Book eben so unglaublich wenig ist, auch im Aufwand für den Anbieter.

  8. Der Preis für ein ebook ist einfach zu hoch.

    mittelfristig werde ich jedes Buch, das ich für den Beruf lese, als ebook kaufen. Man kann einfach viel besser mit dem ebook arbeiten.

    es gibt Bücher, die ich nie als ebook kaufen würde. Z.B. Bücher über Kunst, Malerei Architektur.

  9. Ich finde den Vorwurf „Dabei macht insbesondere Deutschland seinem Ruf als besonders skeptisch bezüglich neuen Technologien alle Ehren“ unfair, zumindest den Konsumenten gegenüber.
    Solange ich dank Buchpreisbindung fast den gleichen Preis bezahlen muss (in der Regel nur 1-2 Euro weniger), aber nicht einmal ANNÄHERND die gleichen Rechte habe (tatsächlich werden in meiner Familie und im Freundeskreis häufig für „gut“ befundene Bücher verliehen), ist ein eBook für mich ein ziemlich schlechtes Geschäft für mich. Und weiterverkaufen kann ich die Bücher auch nicht.

    Anders sähe es aus, wenn ich beruflich viel reisen würde, denn im Prinzip empfinde ich das Lesen auf dem Kindle genauso angenehm wie ein gedrucktes Buch.

  10. Ja, ich bin ewiggestrig, ich lese gerne Papierbücher. Aber ich bin auch fortschrittsgläubig, ich lese auch gerne E-Books. Sie haben beide ihre Vor- und Nachteile und ich finde, man sollte jedem doch einfach das lassen, was er am liebten am Lesen mag, ohne ihn unbedingt in irgendeine Schublade stecken zu müssen.

    Was ich mich beim Lesen des Artikels aber eigentlich gefragt habe: haben die sog. „E-Book-Verweigerer“ sich tatsächlich als solche bezeichnet, wie es der Text vorgibt, oder haben sie auf die Frage geantwortet, dass sie Papierbücher lesen und E-Book-Nutzung nicht geplant ist? Das ist ein enormer Unterschied! Es soll ja tatsächlich Leute geben, die sich einen E-Reader nicht leisten können oder für die er sich einfach nicht lohnt, bei 2 – 4 Büchern pro Jahr. Es gibt bestimmt noch mehr Gründe als die totale Fortschrittsverweigerung, die Leute dazu bewegen könnten, sich keinen E-Reader anschaffen zu wollen/können.

    Zudem: was macht mehr Spaß: mit Freunden im Buchhandel durch die Gänge stromern, sich freundlich beraten lassen, in den ausliegenden Büchern stöbern, zwischendurch noch einen Kaffee trinken, weiterstöbern oder doch lieber allein vor seinem Rechner sitzen und im Onlinebuchladen blättern und sich danach mit DRM rumschlagen? Und, ganz ehrlich, im Freibad lasse ich doch auch meinen teuren E-Reader nicht einfach auf der Decke liegen, sondern nehme mein olles Taschenbuch mit. Soll ich mir jetzt dafür die Bücher doppelt kaufen, also Papier und epub, oder reicht dann doch das Buch?

    Und leicht macht es die werte E-Buch-Händlerschaft mit seinem DRM auch nicht unbedingt: genügend Leute in meinem Bekanntenkreis sind damit absolut überfordert, alternativ auch gerne mal die E-Lesegeräte.

    Hat sich eigentlich auch mal jemand überlegt, warum in den USA so gerne E-Bücher gelesen werden? Beispielsweise, weil man im mittleren Westen weitere Wege zum nächsten Buchladen auf sich nehmen muß als in bsp. Mittelhessen? Oder weil es einfach mehr gute Bücher auf englisch gibt als auf deutsch? Oder weil es dort keine Buchpreisbindung gibt, die auch für E-Bücher gilt? Nein nein, es sind die technikfeindlichen Deutschen mal wieder, genau, ganz klar.

    Toller Artikel. Gut recherchiert. Wirklich…