Ein Viertel betrachtet eigene Firma als agil – aber nur die Hälfte hat notwendige Fehlerkultur

Viele Unternehmen in Deutschland arbeiten bereits agil – aber in den Köpfen der Mitarbeiter oder der Firmenkultur ist Agilität vielfach noch nicht verankert.

Bereits Ende des vergangenen Jahres habe ich Agilität als wichtiges Management-Prinzip beschrieben, das aus der Softwareindustrie ganz allgemein in die Unternehmen einzieht – einer der wichtigsten Digital-Trends 2019.

Tatsächlich arbeiten viele Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits agil mit Methoden wie Scrum und Kanban. Allerdings sind sie es nicht durchgehend, da sie die Agilität noch nicht in den Köpfen der Mitarbeitenden oder gar in der Unternehmenskultur verankert haben. Das sind die zentralen Befunde einer jüngst veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Campana & Schott aus Frankfurt und des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen.

Demnach attestiert rund ein Viertel der Befragten dem eigenen Unternehmen einen hohen bis sehr hohen Reifegrad an Agilität (27,5 Prozent). Unter Führungskräften fällt dieser Wert höher aus (30,5 Prozent) im Vergleich zu den Mitarbeitenden (21,7 Prozent). Insgesamt empfinden sich vier von zehn Befragten selbst als agil (40,9 Prozent). Dabei schätzen sich Führungskräfte weitaus agiler ein (50,3 Prozent) als Mitarbeitende (25,1 Prozent).

Zugleich gibt es immer noch Hindernisse für die agile Transformation. Dazu zählen insbesondere die Angst vor Fehlern sowie mangelnde Kommunikation. Nur jeder fünfte Teilnehmer (19,2 Prozent) sagt, dass Fehler im Unternehmen nicht gegen die Person verwendet werden. Dagegen kann jeder Zweite Probleme und Schwierigkeiten nicht offen ansprechen – hier fehlt also die für Agile notwendige Fehlerkultur.

Umgekehrt fühlen sich lediglich drei von zehn Befragten sicher, wenn sie ein Risiko eingehen (30,5 Prozent) – und nicht mal jeder Fünfte glaubt, er könne Kollegen ungefährdet um Hilfe bitten (13,9 Prozent).

Den Mitarbeitenden ist überdies klar, dass für agile Arbeitsweisen neue Fähigkeiten nötig sind. So fühlen sich zwar einerseits acht von zehn Befragten für ihre aktuellen Aufgaben gerüstet (81,2 Prozent). Gleichzeitig sehen jedoch drei Viertel den weiteren Aufbau neuer Fähigkeiten als essenziell an (75,4 Prozent). Knapp zwei Drittel stimmen beiden Aspekten stark zu (65,7 Prozent).

Auch Teamarbeit ist für die Agilität wichtig. Ein Drittel der Befragten ist davon überzeugt, dadurch erfolgreicher zu sein (30,5 Prozent). Diese betonen vor allem die nötige Abstimmung (48,5 Prozent) sowie Diskussion in der Gruppe (30,4 Prozent). Zudem greifen sie gerne auf die Hilfe anderer zurück (32,8 Prozent).

Weitere Zahlen & Fakten zum Thema Agilität von Unternehmen im deutschsprachigen Raum in der folgenden Infografik – zum Vergrößern zwei Mal anklicken:

Quelle: Campana Schott

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