Deutsche Unternehmen kaufen keine Startups: 82 Prozent aller Exits gehen in die USA

Wenn es um Exits geht, ist Deutschland im Vergleich zu den USA ein Entwicklungsland – sowohl bei Käufern als auch bei der Herkunft der Startups.

Germantech Digital, ein branchenübergreifender Company-Builder mit Sitz in Berlin, hat internationale Zahlen zum Thema Startup-Exits analysiert. Der Ergebnis ist erschreckend: Deutsche Unternehmen verpassen die Chance auf Innovation, die durch Startups ausgelöst werden kann. Im Gegensatz zu Ländern wie den USA, wo der Zukauf von Startups weit verbreitet ist, halten sich deutsche Corporates zurück.

Demnach gingen zwischen den Jahren 2012 und 2016 satte 82 Prozent aller Startup-Exits weltweit in die USA. Umgekehrt haben überhaupt nur 43 deutsche Unternehmen in dem betrachteten Zeitrum eine nennenswerte Startup-Akquisition getätigt. Damit kauften deutsche Firmen auch dreimal weniger Startups als vergleichbare britische Unternehmen.

Die Highlights der Analyse:

  • Im Untersuchungszeitraum wurden insgesamt 287 deutsche Startups gekauft. Rund ein Drittel (93 Stück) davon ging an ausländische Käufer. Die verbleibenden zwei Drittel (194 Stück) blieben in deutscher Hand, aber nicht einmal die Hälfte davon wurde von deutschen Unternehmen gekauft (90 Stück).
  • Wenn es um Exits geht, ist Deutschland im Vergleich zu den USA ein Entwicklungsland – sowohl bei Käufern als auch bei der Herkunft der Startups. Während zwischen 2012 und 2016 in den USA 4654 Startups den Besitzer wechselten, waren es in Deutschland gerade einmal 166.
  • Deutsche Unternehmen kaufen damit dreimal weniger Startups als Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich (532), obwohl das deutsche Bruttoinlandsprodukt um fast die Hälfte größer ist (42 Prozent).
  • Unter den Startup-Käufern innerhalb der EU ist die deutsche SAP die Nummer eins, aber mit Zalando schafft es nur ein weiteres deutsches Unternehmen in die TOP 15 und besetzt dort gerade einmal den letzten Platz.
  • Einige Unternehmen haben verstanden, dass ihnen Startups bei der notwendigen Veränderung und Innovation helfen können. Dabei greifen sie auch mal recht tief in die Tasche: So hat im Jahr 2015 Adidas das Fitness-Startup Runtastic erworben und dafür 220 Millionen Euro bezahlt. Im selben Jahr hat der Medienkonzern ProSiebenSat.1 das Vergleichsportal Verivox für 210 Millionen Euro geschluckt.

Weitere Zahlen & Fakten zum Thema Startups & Exits in der folgenden Infografik:

Quelle: Germantech Digital

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Alle Kommentare [1]

  1. Liegt es daran das Deutschland durch Regeln, Gesetze und Vorschriften sich selbst blockiert ? Oder daran, das es an Seriösität mangelt ? Wenn grosse Konzerne Erfinder um ihren Lohn betrügen ? Das ist keine Erfindung von mir. Habe selbst 2 mal diese Erfahrung gemacht. Da hat mein mehr Vertrauen ins Ausland. Das sollte nicht unterschätzt werden.