Mangelnde Kritikfähigkeit bei Google

Ein Großkonzern wird anders behandelt und beäugt als ein Startup – das muss der amerikanische Internet-Gigant freilich noch lernen.

Gestern hat Martin Weigert von dem auf Internet-Themen spezialisierten Blog Netzwertig.com in einer lesenswerten Analyse festgestellt, dass Google aktuell durch die wachsende Kritik, vor allem im Zusammenhang mit den Bemühungen um das eigene soziale Netzwerk Google+, zunehmend ein Image-Problem bekomme.

Ich teile zwar nicht jede von Weigerts Behauptungen. So sehe ich es beispielsweise nicht so, dass die wachsende Zahl von kritischen Texten über den Suchmaschinen- und Internet-Giganten ein vergleichsweise neues Phänomen ist. Viele Medien widmen sich seit Jahren den Schwachpunkten bei Google – und damit meine ich nicht die Hysterie wie seinerzeit um den Online-Straßendienst Street View. Die WirtschaftsWoche hat etwa bereits Anfang 2006 in einer Titelgeschichte über „das verschwiegene Unternehmen“ berichtet; auf Oktober 2008 datiert unsere erste (von diversen) kritischen Würdigungen der Datenauswertung bei Google – der Titel: „Schrecklich nette Cyberschnüffler“.

Grund für jene Titulierung war das Google-Firmenmotto „Don’t be evil“, zu Deutsch „Sei nicht böse“. Denn das Unternehmen aus dem kalifornischen Mountain View trägt diese Parole seit Jahren mantrahaft vor sich her. Entsprechend reagieren Google-Mitarbeiter, so zumindest meine eigene Erfahrung aus der Vergangenheit, auf kritische Artikel verschnupft – vorsichtig ausgedrückt. Man könnte auch sagen: Es schwingt immer ein bisschen Beleidigtsein mit im Stile von: „Wir sagen doch immer, dass wir die Guten sind – wieso glaubt Ihr uns das nicht einfach?“ Dieses Argument führt auch Weigert in seiner Analyse noch einmal auf – zurecht, wie ich finde.

Vorwurf des Facebook-Jüngers

Erst kürzlich habe ich die Dünnhäutigkeit von Google bezüglich Kritik nämlich mal wieder am eigenen Leibe erfahren: Mitte Februar habe ich die widersprüchlichen Zahlen bezüglich Google+ in einem Blogstück analysiert: Demnach steigt zwar einerseits die Zahl der registrierten Nutzer steil an, andererseits verharrt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer je Besuch auf deutlich niedrigerem Niveau als die der Konkurrenz. Basis jener Analyse waren zwei von unabhängiger Stelle veröffentlichte Studien. Trotzdem bekomme ich danach von offizieller Seite zu hören, ich sei offenbar so etwas wie ein (Zitat) „FB-Fanboy“, also ein Facebook-Anhänger. Dabei weiß doch jeder: Parteiisch bin ich nur bei einer Sache  – im Fußball.

Ob wirklich als Vorwurf gemeint oder nicht: Souveräner Umgang mit Kritik geht jedenfalls anders. Ob Google an seiner mangelnden Kritikfähigkeit irgendwann untergeht, wie Weigert ausgangs seiner Analyse argwöhnt, kann und will ich nicht beantworten. Fakt ist aber: Die Google-Leute müssen lernen, dass sie eben seit langen kein junges, freches Startup mehr sind. Sondern ein Internet-Gigant, dem eben auch mal genauer auf die Finger geschaut – und auf selbige geklopft wird.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [4]

  1. Mich haben sie nach einer kritischen Google-Geschichte vor ein paar Jahren nach einem telefonischen Wutanfall auf Infodiät gesetzt.

  2. Wie gewohnt ist von Michael Kroker (als fleissiger Facebook Nutzer) nichts Neues zu Thema Google+ zu finden. So langsam langweilt er mit seiner andauernden Negativstimmung zu G+.
    Des weiteren ist zu beobachten, dass er selbst bei G+ immer weniger beachtet wird und sich seine Postings immer mehr auf seine Facebook Site beziehen, die eh niemanden interessiert;).

    So werden wir sicher jeden Monat wieder und wieder Gebetsmühlenartig seine Unzufriedenheit über G+ zu lesen bekommen und wie wenig G+ doch benutzt wird, und bei Facebook ist alles viel mehr usw…
    Übrigens Herr Kroker, Sie sollten erst mal selbst Kritikfähigkeit üben, bevor Sie pauschalisiert dies den G+ Usern vorwerfen;), ok… alles wird gut… auch wenn es Ihnen nicht passt, schönes Wochenende. P.S. und bitte ersparen Sie uns wieder ihre bekannten Kommentare, danke

  3. Sehr geehrter Herr Mike H.,

    danke für Ihren Kommentar. Ich weiß ja nicht, welche Laus Ihnen über die Leber respektive Tastatur gelaufen ist, aber solche Kommentare finde ich ja schon eine ziemliche Frechheit, vorsichtig ausgedrückt. Ich werde das Hausrecht in MEINEM Blog natürlich wahrnehmen und weder Ihnen noch meinen sonstigen Lesern jetzt und in Zukunft meine Kommentare ersparen – eben weil es MEIN Blog ist. Wenn Ihnen die hier behandelten Themen und die Tonalität nicht passt – es zwingt Sie niemand, meine Texte zu lesen.

    Beste Grüße,
    Michael Kroker

  4. Lieber Mike H.,
    ich bin zwar selber eine exzessive Facebook-Nutzerin, kann mich aber nichtsdestotrotz als Kommunikationswissenschaftlerin dem Thema durchaus neutral nähern.
    Ob Google kritikfähig ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich selbst die Erfahrung noch nicht gemacht habe. Ich denke aber, dass Herr Kroker nichts davon hätte Google zu denunzieren. Wie sollte ihm das denn auch nutzen?
    Aber eins kann ich beurteilen: Facebook ist definitiv beliebter als Google+, ob Google und Ihnen das nun passt oder nicht. Statistiken besagen, dass Google+ durchschnittlich 3 Minuten/Monat von seinen Usern genutzt wird, Facebook hingegen durchschnittlich 7 Stunden. Hm, in dem Fall sprechen die Zahlen wohl für sich…
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende!