Die Kommunikations-Verhinderer von Oracle

Die beschämdende Kommunikationspolitik des zweitgrößten Softwarekonzerns der Welt im Heimatland seines Erzrivalen.

Larry Ellison, der exzentrische Gründer des amerikanischen Hightech-Konzerns Oracle, hat einen erklärten Lieblingsgegner: Den deutschen Softwareanbieter SAP aus dem badischen Walldorf. Grund: Zwar ist Oracle mit einem Umsatz von knapp 36 Milliarden Dollar im Ende Mai abgelaufenen Geschäftsjahr 2011 (hier die Ergebnis-Meldung als PDF) rund doppelt so groß wie Erzrivale SAP (2011 Umsatz 14,2 Milliarden Euro; umgerechnet rund 18,8 Milliarden Dollar). Doch im wichtigen Markt mit Software zur Unternehmenssteuerung haben die Walldorfer weiterhin die Nase vorn, trotz dutzendfacher Zukäufe von Ellison in den vergangenen Jahren.

Kaum verwunderlich also, dass Ellison auch jenseits des Geschäftslebens keine Gelegenheit auslässt, dem teutonischen Erzrivalen eins auszuwischen und ihn vorzuführen. Auf das Jahr 2007 datiert etwa eine Klage von Oracle gegen SAP wegen des Diebstahls von geistigen Eigentums, die – wie gestern die Presseagentur „Reuters“ verbreitet hat, nun in die nächste Runde geht: Oracle will die im vergangenen Jahr von einem US-Gericht gegen SAP verhängte Schadenersatzzahlung in Höhe von 272 Millionen Dollar nicht akzeptieren und ein neues Gerichtsverfahren anstrengen. Es geht also – wie so oft zwischen den beiden Kontrahenten – nicht um Peanuts.

Aus diesem Grund habe ich gestern versucht, von Oracle eine Stellungnahme einzuholen. Keine gute Idee – denn trotz aller Rivalität ist Oracle in Sachen Kommunikation hierzulande praktisch nicht vorhanden, wohlgemerkt im Heimantland seines Erzrivalen: In München arbeiten in der Pressestelle des US-Konzerns offiziell zwei Mitarbeiter (von denen eine zudem im Mutterschutz weilt). Noch einmal zur Verdeutlichung: Oracle ist hinter Microsoft der zweitgrößte Softwarekonzern der Welt, mit 8,5 Milliarden Dollar Gewinn zudem hochprofitabel. Und jene Gelddruckmaschine leistet sich in Deutschland, immerhin der – ich glaube – viertgrößte IT-Markt der Welt, gerade mal zwei Presse-Ansprechpartner. Wobei bei einer längeren Abwesenheit des zweiten sogar einer allein ausreichen muss.

Abnehmende Wertigkeit der Kommunikation

Zur Klarstellung: Es geht mir hier nicht um die armen Presse-Leute bei Oracle. Die sind nur das schwächste Glied in einer langen Kette. Denn gerade in der Kommunikation – und speziell bei einem so zentral geführten Unternehmen mit einem Self-Made-Mann wie Ellison an der Spitze – stinkt der Fisch sprichwörtlich vom Kopf. Soll heißen: Die Besetzung der Pressestelle spricht Bände darüber, was die Wertigkeit von Kommunikation bei Oracle betrifft. Demnach zählt sie bei Ellison offenbar nicht sehr viel – um nicht zu sagen gar nichts. Ich finde das – vorsichtig ausgedrückt – beschämend für so einen Branchenriesen wie Oracle.

Schon in der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass mir bei Recherchen rund um Oracle mitgeteilt wurde, derlei Anfragen liefen über die Konzernzentrale in den USA und seien daher – trotz teils mehrwöchigem Vorlauf (sic!) – zu kurzfristig. Das ist keine Kommunikation, sondern ihr Gegenteil: Kommunikationsverhinderung. Jeder deutsche IT-Mittelständler mit einem Bruchteil des Oracle-Umsatzes agiert auf diesem Felde professioneller als die Ellison-Company. Vielleicht ist Deutschland den Amerikanern ja wirklich schlichtweg egal – was als Signal an den Markt und nicht zuletzt die hiesigen Oracle-Kunden ebenfalls kaum positiv anmutet.

Oder ist das Oracle-Beispiel sogar das Indiz für einen allgemeinen Trend, nämlich die abnehmende Wertigkeit der Kommunikation in Unternehmen? Wie ist Ihre Meinung dazu?

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [3]

  1. Ich glaube nicht das Deutschland Oracle egal ist, aber eine guten Kundenkontakt pflegen sie zum Beispiel durch die DOAG, welche die größte Oracle-Konferenz in Europa (Aussage in der DOAG News) veranstaltet hat. Wenn man sieht, welche hochkarätigen Teilnehmer dort von Oracle-Seite dabei sind, kann man schon davon ausgehen das Deutschland eine gewisse Aufmerksamkeit bei Oracle hat.

  2. Mit dieser Kommunikationsverhinderungspolitik steht Oracle aber nicht ganz allein: Dürfen denn die PR-Abteilungen von Apple, HP oder IBM in Deutschland noch irgendetwas Substantielles oder Eigenständiges mitteilen? OK, Pressemitteilungen übersetzen ist vielleicht auch eine kommunikative Leistung..

  3. Erstmal Danke an Michael Kroker dafür, dass er das Thema, das ihn bewegt, fair und trotzdem kritisch aufgegriffen hat, siehe dazu auch seine Kommentare auf Facebook und Google+.

    Meine durch den Post ausgelösten Gedanken und ein paar ergänzende Hintergründe befinden sich hier: https://www.vibrio.eu/blog/?p=3633

    Leider unterstützt das Blog hier offensichtlich keine Trackbacks…