Facebook hängt Google ab? Einstweilen nicht

Facebook ist dem Suchmaschinengiganten in Sachen Social Networking weit enteilt. Doch bis auf weiteres verfügt Google mit der Internet-Suche über so etwas wie den heiligen Gral im Online-Anzeigengeschäft.

Das IT-Jahr 2012 steht ganz im Zeichen des irgendwann in den nächsten Monaten anstehenden Börsengangs von Facebook. Kein Wunder, hoffen viele Anleger wie Investoren doch auf den großen Reibach, wenn das weltgrößte soziale Netzwerk den Gang aufs Parkett wagt. Mehr als 800 Millionen Nutzer hat Facebook inzwischen; der Mitte 2011 gestartete Rivale Google+ kommt laut einer jüngsten Schätzung auf 62 Millionen Mitglieder.

Dank des enormen Booms bei den Nutzungszahlen hat Facebook im Geschäft mit Anzeigen einen kräftigen Schritt nach vorn machen können: Wie Henry Blodget vom US-Technologieblog „Business Insider“ in einer Präsentation Anfang Dezember festgestellt hat, konnte Facebook bei digitalen Anzeigenumsätzen binnen zwei Jahren an Microsoft, Yahoo und AOL vorbeiziehen – und kommt mittlerweile auf einen Umsatzanteil am US-Markt von rund zehn Prozent:

Quelle: Business Insider

Damit rangiert die Zuckerberg-Company freilich immer noch deutlich hinter Marktführer Google und seinem Anteil von 54 Prozent. Doch nicht nur deshalb soll man laut Blodget den Marktführer bei der Internet-Suche nicht allzu leichtfertig abschreiben. Auch der schiere Blick auf den jeweils erwarteten Umsatz 2011 – rund 40 Milliarden Dollar bei Google, vier Milliarden Dollar bei Facebook – offenbart die unterschiedlichen Dimensionen.

Jenes Verhältnis wird auf absehbare Zeit bestehen bleiben, kippt Blodget Wasser in den Euphorie-Wein rund um den Facebook-Börsengang. Das Argument: Selbst wenn die Nutzer sich deutlich länger bei Facebook aufhalten – der wahre Knackpunkt sei die Internet-Suche. Dadurch verfüge Google über einen direkten Zugang zu den Online-Kunden, nämlich wenn diese Produkte oder Dienstleistungen suchen.

Aus diesem Grund sei Internet-Werbung im Suchmaschinen-Umfeld bis heute auch viel erfolgreicher als innerhalb von sozialen Netzwerken. Wie folgender Chart beweist, pendelt der Anteil von Suchmaschinen-Werbung seit 2006 irgendwo um 45 Prozent; die – zugegebenermaßen – neueren Anzeigen in sozialen Netzerken kommen dagegen erst auf zehn Prozent:

Quelle: Business Insider

Zwar verfüge Facebook über ein funktionierendes, so Blodgets Schlussfolgerung. Aber der Aufenthalt in sozialen Netzwerken sei eben eher wie ein Party-Besuch – die Nutzer wollten lieber abhängen und miteinander plaudern. Solange Zuckerberg nicht einen vergleichbaren Hebel schaffe, der – ähnlich wie die Google-Suche – direkt am Kaufinteresse der User ansetze, solange werden sich die Machtverhältnisse in Internet seiner Meinung nach nicht nennenswert verschieben. Als Beispiel nennt er etwa ein Tool zum einfachen Bezahlen im Internet – wovon Facebook heute noch meilenweit entfernt ist.

Wie bewerten Sie diese Argumentation? Verfügt Google durch die Verknüpfung von Web-Suche mit User-Kaufabsichten wirklich über so etwas wie den heiligen Gral im Online-Anzeigengeschäft?

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*



Alle Kommentare [2]

  1. Hallo Herr Kroker,

    Facebook hat zwar einen gewaltigen Schritt bei der Werbung gemacht.

    Aber da gibt es ein ‚kleines Risiko‘: Diese Klage wegen der ‚Sponsored Storys‘, die in dem Website-Link erwähnt ist.

    Mir ist *nicht so ganz klar*, ob nicht diese Klage das derzeitige Geschäftsmodell von Facebook im Kern tangiert.

    Falls ja, müßte Facebook da erst mal rauskommen und ähnlich lukrative Alternativen entwickeln.

    Viele Grüße
    Jürgen Auer