Warum Google verzweifelt versucht, Facebook zu kopieren

Als Google Mitte vergangener Woche die Verfügbarkeit seines „+1“-Buttons für beliebige Webseiten ankündigte, war die Resonanz vergleichsweise gering. Möglicherweise schlicht deshalb, weil viele Nutzer diesen Schritt des Suchmaschinengiganten aus dem kalifornischen Mountain View als das bewerten, was er ist: eine schnöde Kopie des „Like“/“Gefällt mir“-Knopfes von Facebook, mit dem sich Nutzer des sozialen Netzwerks gegenseitig Webseiten, Artikel oder Produkte empfehlen können.

Einmal mehr beweist Google damit eindrucksvoll sein aktuelles Dilemma: Gewiss, das US-Unternehmen ist weiterhin eine Profit-Maschine; im Geschäftsjahr 2010 erwirtschaftete Google bei einem Umsatz von fast 30 Milliarden Dollar einen Reingewinn in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar. Doch trotz aller Bemühungen des bisherigen Konzernbosses Eric Schmidt und des inzwischen auf den Chefsessel zurückgekehrten Firmengründers Larry Page ist Google bis heute ein so genanntes „One-Trick-Pony“ – auf gut Deutsch: Ein Unternehmen, das nur einen einzigen Umsatzbringer hat. Denn noch immer stammen stolze 96 Prozent der Umsätze aus Internet-Anzeigen.

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Aus diesem Grund kristillisiert sich immer deutlicher Facebook als ärgster Google-Rivale heraus. Denn das soziale Netzwerk sitzt wegen der freiwilligen Offenbarungen seiner inzwischen fast 700 Millionen Nutzer auf einem geradezu gigantischen Datenschatz. Der erlaubt es Firmengründer Mark Zuckerberg, noch gezielter und maßgeschneiderter Online-Werbung zu verkaufen, wie die WirtschaftsWoche bereits vor ziemlich genau einem Jahr in einer großen Story beschrieben hat.

Kaum verwunderlich also, dass die Google-Lenker Page und Schmidt seit langem verzweifelt versuchen, dem vor allem auf mathematischen Algorithmen gründenden Unternehmen ebenfalls eine soziale Ader einzuhauchen – bisher weitgehend vergeblich: Ob der bereits wieder eingestellte, zunächst als E-Mail-Killer angekündigte Dienst Wave oder der praktisch nur noch als Untoter dahindämmernde Nachrichtendienst Buzz, einstmals als Frontalangriff auf Twitter und Facebook ins Rennen geschickt – die Geschichte von Google ist geradezu gespickt mit derartigen Produkt-Flops.

Ob dem Google-Knopf dem Schicksal von Wave, Buzz & Co. engehen kann, bleibt abzuwarten. Denn der Mehrwert des Anklicken bleibt für die Nutzer einstweilen beschränkt. So sollen die Ergebnisse bei Internet-Suchen über Google um „+1“-Empfehlungen von Nutzern ergänzt werden. Einmal mehr wirkt das Google-Konzept eher technokratisch entworfen denn einem sozialen Gedanken entlehnt. Möglicherweise ist genau dies ja das wahre Problem: Google ist ein von Software-Entwicklern dominiertes Unternehmen; ein Kontroll-Freak, der sich müht, die amorphe Masse des sozialen Internet in den Griff zu bekommen, wie es André Vatter kürzlich in seinem Blog beschrieb – und resümierte: „Warum Google wahrscheinlich nie im Social Web ankommen wird.“ Möglicherweise hätte er das „wahrscheinlich“ direkt streichen sollen – oder was meinen Sie?

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Alle Kommentare [4]

  1. Im Gegensatz zu Facebook erwirtschaftet Google aber Umsatz mit Werbung – unter Werbeverkäufern berüchtigt ist doch die 0-click-rate bei facebook!

  2. Gibt es zur Aussage „war die Resonanz vergleichsweise gering“ irgendwelche Zahlen, oder ist das nur eine polemische Einleitung zu diesem Linkbaitartikel?
    Übrigens: Der Like-Button unterscheidet sich unter anderem insofern vom +1 als das der Like Button keinen direkten Einfluß auf das Klickverhalten der Suchmaschinenbenutzer hat. Der +1 Button erzeugt nicht zuletzt einen optischen Anker, der zeigt, dass meine Suchergebnisse von mehr oder weniger relevanten „Kontakten“ empfohlen wurden. Der +1 Button ist ein sehr wichtiger Schritt für die Verbesserung der Suchergebnisse – ein Bereich wo Facebook noch nichts zu bieten hat.
    Ich denke der Autor sollte ein wenig mehr in die Search- bzw. Social-Media Szene eintauchen (spezielle USA) um die Hintergründe und den „Impact“ dieses Buttons zu verstehen, dann kommt dieser Artikel vielleicht weg von spekulativen Halbwahrheiten.

  3. Beide Kisten sind „Evil Empires“, in den der User, repräsentiert durch seine intimen, persönlichen Daten, das eigentliche Produkt ist („Werbung verkaufen“ ist nur eine Euphemismus hierfür).

    Während Google die Benutzerdaten heimlich stiehlt, ist Facebook ein offener Raub an naiven Usern.

    Mal schauen was als Nächstes kommt. Ihr habt doch sicher alle nichts zu verbergen.

  4. Fakt ist, dass Google etwas tun muss. Meine Vermutung geht dahin, dass Facebook mittelfristig ebenso mit einer Suchmaschine an den Markt kommen wird, welches von den Suchmaschinenergebnisse sich stark von Google unterscheidet, da diese den schon weitverbreiteten und etablierten LIKE-Button als Datenbasis nutzen können. Ich bin gespannt. Wir whaben den Google Plus 1 Button auf bestimmten Seiten neben dem Facebook-Like Button gesetzt und werden mit Spannung den Trend verfolgen.