Die beneidenswerten Probleme von Apple

Heute nach US-Börsenschluss wird Apple-Boss Steve Jobs einmal mehr Zahlen präsentieren, welche die Finanzwelt ins kollektive Entzücken stürzen dürften. Im Schnitt erwarten die Analysten für das Ende September abgelaufene Fiskaljahr 2010 einen Umsatz von knapp 64 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von rund 13 Milliarden Dollar – das wäre jeweils ein Plus von gut 50 Prozent. Hauptmotor des Wachstums ist dabei offenbar vor allem der Tablet-Computer iPad, den Jobs Ende Januar vorgestellt und im April auf den Markt gebracht hat.

Quelle: Unternehmensangaben, *Analystenschätzung; WiWo-Grafik

Fast noch erstaunlicher sind aber die Prognosen für das kommende Geschäftsjahr. Anfang Oktober veröffentlichte der Finanzanalyst Brian White von der US-Investmentbank Ticonderoga Securities nach Gesprächen mit Zulieferern in China und Taiwan seine Schätzung, Apple werde im kommenden Jahr stolze 45 Millionen iPads an Mann und Frau bringen können. Wie Henry Blodget vom Technologieblog Business Insider anmerkt, kommt dies ungefähr einem Umsatz von 30 Milliarden Dollar gleich – fast der Umsatz des Gesamtkonzerns im Jahre 2008. „Nicht schlecht für ein Produkt, das es vor sechs Monaten noch gar nicht gab“, so Blodget weiter.

Kaum verwunderlich also, dass auch die Apple-Aktie derzeit nur eine Richtung zu kennen scheint – aufwärts. Erst in der vergangenen Woche stieg das Papier erstmals über 300 Dollar – und notiert aktuell bei rund 314 Dollar. Bereits Ende Mai löste Apple den Erzrivalen Microsoft als wertvollstes Technologieunternehmen ab. Jetzt ist die Jobs-Company drauf und dran, auch noch den Ölkonzern Exxon Mobil einzuholen und sich zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufzuschwingen. Das scheint angesichts der aktuellen Marktkapitalisierung – 331 Milliarden Dollar bei Exxon im Vergleich zu Apples 274 Milliarden Dollar, und das bei abnehmender Tendenz – nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Quelle: Silicon Alley Insider

Derzeit kann sich der Apfel-Konzern wohl nur selber ein Bein stellen, glauben Marktbeobachter. Denn Apple und seine Zulieferer, allen voran der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn (siehe auch die Titelgeschichte der aktuellen WirtschaftsWoche), arbeiten seit Monaten an der Kapazitätsgrenze, vor allem beim Ende Juni präsentierten iPhone 4. Daher wird die Finanzwelt ganz genau drauf achten, ob die fürs vierte Quartal erwarteten Verkaufsmengen für iPhone (11 Millionen Stück) und iPad (4,7 Millionen) auch tatsächlich erreicht werden.

Zudem sitzt Jobs auf einem mit fast 46 Milliarden Dollar gefüllten Geldspeicher, den zu halten angesichts des aktuellen Zinstiefs in den USA wenig Sinn ergibt. Gut möglich, dass manche Investoren eine Ausschüttung in Form einer Sonderdividene fordern. Welch „beneidenswerte Probleme„, schreibt das „Wall Street Journal“, darunter eine Grafik mit der Überschrift „Stevie’s Wonder“ – wie wahr, wie wahr.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Alle Kommentare [2]

  1. Also so wie Apple derzeit Werbung gerade im Weihnachtsgeschäft für das ipad macht, ist davon auszugehen, dass sie die Zahlen wohl noch übertreffen. Es ist schon der Wahnsinn, wie sich dieses Unternehmen entwickelt hat und das alles mit nur einer charismatischen Frontfigur. Man denke mal an die Zeiten zurück, als Steve Jobs mal nicht bei apple war.