Gestern machten einige Meldungen die Runde – getrieben vom „Wall Street Journal“, der Nachrichtenagentur Reuters sowie diversen US-Tech-Blogs – der Softwaregigant Microsoft vollziehe eine Kehrtwende im Handygeschäft und werde am kommenden Montag erstmals eigene Geräte präsentieren. Huch, was ist denn da los, fragt sich der beiläufige Beobachter des Geschehens im Mobilfunkmarkt. Hat der Konzern aus Redmond nicht gerade erst das neue Handy-Betriebssystem „Windows Phone 7“ vorgestellt? Will Microsoft-Boss Steve Ballmer seinen Hardware-Partner nun also doch mit eigenen Geräten Konkurrenz machen?

Designstudie "Project Pink", Quelle: Gizmodo
Gemach, gemach. Denn worum geht’s hier? Dass Microsoft im Rahmen einer intern „Project Pink“ getauften Entwicklung an zwei Handys namens „Turtle“ und „Pure“ arbeitet, ist in der Branche seit vielen Monaten ein offenes Geheimnis. So veröffentlichte das amerikanische Gadget-Blog Gizmodo bereits im vergangenen September zwei Designstudien jener Geräte. Und vor vier Wochen hatten die Gizmodo-Leute gar erste unscharfe Schnappschüsse der neuen Handys im Livebetrieb parat, eins mit ausziehbarer Tastatur und eins ohne. Spannend, ja durchaus.
Aber will Ballmer ernsthaft solche etwas pummelig wirkende Flundern mit abgerundeten Ecken in den Kampf mit Blackberry, iPhone, Nexus One & Co. schicken? Nee, wohl eher nicht. Und dafür sind Turtle und Pure auch gar nicht konzipiert. Vielmehr richten sich beide Geräte dem Vernehmen nach gezielt an jugendliche Nutzer, gewissermaßen die „Generation Facebook“. Denn ihr Hauptzweck soll das mobile Surfen in sozialen Netzen wie eben Facebook oder Twitter sein.

Danger Sidekick LX, Quelle: T-Mobile USA
Auch die Entwicklungshistorie spricht gegen einen großangelegten Gegenangriff auf Apple, Google & Co: So basiert „Project Pink“ auf einer Weiterentwicklung des Internet-Surfterminals Sidekick, das in den USA von T-Mobile vertrieben wird. Den Sidekick-Hersteller Danger wiederum hat Microsoft Anfang 2008 für einen nicht genannten Betrag übernommen. Produzieren soll Turtle und Pure der Elektronikkonzern Sharp. Die Japaner bauen übrigens auch schon den Vorgänger Sidekick. Microsoft steigt also auch nicht in die Handyfertigung ein.
Welche Überraschung könnte es am kommenden Montag also noch geben? Wohl wenig. Selbst dass dieses Mal der Handynetzbetreiber Verizon statt T-Mobile der Vermarktungspartner ist, sickerte vor einigen Wochen in Form von ersten Werbedokumten bereits durch. Wirklich spannend wird’s daher erst Ende des Jahres. Dann sollen die ersten Handys des mit viel Vorschusslorbeeren bedachten neuen Handy-Windows auf den Markt kommen. Und genau jene sind es, mit denen Ballmer dann zur Aufholjagd auf Apple & Co. blasen will.

Jeglicher „Hype“ wird verpuffen. Micorosft hat bei dem typischen Kunden für diese Art Geräte ein so schlechtes Image, da kann nix gehen. Es geht am Ende nicht um das letzte Technische Feature oder ein MB mehr Kamera … es muss Sexy und Hipp sein. Da muss Microsoft noch ganz lange arbeiten, um nur in die Nähe von Apple zu kommen. Im dem Sinne wird es erst keinen Hype geben – ausser in der Fachpresse – aber sicher nicht beim Kunden.