DNF, DNS – der härteste Kampf meines Lebens beginnt. Ich will wieder Läufer sein.

Wettkämpfe sind für den Verfasser eines Blogs für Ausdauersport willkommene Gelegenheiten, einen Beitrag zu schreiben. Ich habe in den vergangenen 14 Tagen gleich zwei davon ausgelassen. Es gab keinen Vor- und/oder Nachbericht zum Köln-Marathon. Dort wollte ich auch 2016 wieder den Hasen gegeben. Es gab auch keinen Vor- und/oder Nachbericht zum Essen-Marathon, bei dem ich seit ebenfalls vielen Monaten gemeldet war.

Ein Hund, ein Stein, ein Sturz

Es wird blutig!!! Training bis ans Limit!!! FSK18 (Quelle: Historische Bilder des Blogs)

Beides hat seinen Ausgangspunkt in der langwierigen Einschränkung des Trainings durch eine Plantar Fasciitis. Die hat meinen Trainingseifer seit etwa November 2015 bis heute zunächst behindert und später als willkommene Ausrede hergehalten, bis es zu spät war und ich nur noch Schreiben konnte: Ich bin kein Läufer mehr.

Nun bin ich natürlich dennoch seit diesem Beitrag immer wieder gelaufen. Mal 5 Kilometer in der Mittagspause, mal etwas über 20 Kilometer am Wochenende. Aber dennoch nicht die Umfänge, an die ich mich seit Beginn meines ernsthaften Laufens im Herbst 2011 gewöhnt zu haben glaubte. Habe ich aber nicht.

Ich bin in eine Phase der Faulheit gerutscht, die ich mir mit erhöhtem Fahrradpensum schöngeredet habe. Nur: Davon läuft man nicht weiter und schon gar nicht schneller. Fahrradtraining MAG das Laufen unterstützen – aber sicher nur, wenn man überhaupt läuft. Habe ich aber kaum. Jedenfalls nicht genug, um ohne großes Zögern an einem x-beliebigen Tag locker 30 Kilometer oder mehr abzuspulen.

Am Ende des Ziels.

Es wird ein harter, einsamer Weg!!!

Und schon gar nicht für einen Marathon. Für den Posten als  Zug- und Bremsläufer hatte ich in Köln frühzeitig und schweren Herzens abgesagt. Laufen ist kein Fußball, da dödelt man nicht nach 90 Minuten Rumgekicke den Ball irgendwie ins Tor und steht plötzlich als Sieger da. Keine gute Vorbereitung – keine gute Zeit. Keine Vorbereitung – gar keine Zeit.

So geschehen beim Essen-Marathon, den ich vergangenen Sonntag bei 25 Kilometer abbrach. DNF (Did Not Finish), das ist nicht meine Art. Ich bin da Spießer, was man anfängt, zieht man eigentlich auch durch. Ein DNF ist ein Makel, den kein ambitionierter Läufer in seinem Ergebniskalender stehen haben mag. Nach dem DNS (Did Not Start) in Köln also nun das zweite DNF in 2016 nach dem Ultramarathon in Rodgau, bei dem ich nach 40 Kilometer die Segel strich. Es wäre in Essen einfach nicht gegangen. Oder vielmehr: Ich wäre irgendwann gegangen. Statt gelaufen. Es sprachen wenig bis keine Gründe dafür, irgendwas über den Zaun zu brechen außer des elenden Stolzes.

Letzte Kalorien für vorgetäuschtes Wohlfühlgrinsen augehoben.

Ein Bild aus einem früheren Läuferleben.

Das Sportjahr 2016 ist also – außer einer Bestzeit beim 70.3-Triathlon im Kraichgau  – mit reichlich sportlichen Misserfolgen gesegnet. Hier in der Reihenfolge: Rodgau, Hamburg, Klagenfurt. Vergangenes Jahr bereitete ich mich zu dieser Zeit auf ein Highlight vor, den 100-KM-Lauf in Remscheid, der Röntgenlauf. Dieses Jahr würde ich nicht mal die einfache Marathondistanz dort schaffen. Der einzige positive Effekt, den ich nicht verschweigen möchte, ist, dass ich staune, was ich mal konnte. Wenn man es tut, scheint einem vieles leicht und selbstverständlich, das was ich mal konnte, ist es aber nicht für mich.

Dennoch, der ein oder anderen Verlockung musste ich 2016 ebenfalls Tribut zollen. Statt 73 Kilo Kampfgewicht bei meiner ersten Langdistanz in Hannover, und vernünftigen 75 Kilo das Jahr darauf beim Ironman in Klagenfurt und immer noch akzeptablen 78 Kilo Weihnachten 2015 bin ich nun, eine zerplatzte Anzughose später, bei 82 Kilo gelandet. Das macht nicht schneller. Wenn der Bauch unterm Kompressionsshirt wippt – dann ist da was im Argen.

Fassen wir also zusammen: Ich bin eigentlich an einem Tiefpunkt. Mental nicht einfach die Kiste. Denn selbst wenn alles gut läuft, werde ich binnen der kommenden 6 Monate nicht viel mehr schaffen als das, was ich schon mal gut konnte. Form verschwindet schneller als man Ausdauertraining sagen kann. Sie kommt mit langsamerer Geschwindigkeit zurück, als ich mich morgens nochmal im Bett umdrehe.

Es darf auch mal Alkohol sein, sagt Kienle. Vielleicht nicht im Rennen, so wie hier beim Röntgenlauf.

Kein Alkohol! Das Gewicht muss weg!!!

Und die Herausforderung für den Kopf erkennt man auch an der Wahl der Worte. Wenn ich heute mit Freunden darüber spreche, wie 2017 sportlich wird, dann höre ich mich sagen „Das wird harte Arbeit.“ Nicht Spaß, nicht Vergnügen, nicht Erweckungsgefühle – Arbeit. Wer macht die schon freiwillig? Ich. Weiß ich. Erinnere ich mich. Das kann es alles sein, das Laufen. Also ist das auch wieder möglich.

Deswegen ist hier mit die Auszeit als Läufer beendet. Während andere ihre Off-Season auskosten, werde ich das Training beginnen. Und zwar das Training für den echten Trainingsplan, der am 6. Dezember beginnt. Die Anmeldungen sind raus, wo ich zahle, da starte ich auch (wenn ich auch nicht immer ankomme). Jeder hat seine Marotten, mir hilft diese.

Dennoch: Es wäre gelogen, zu sagen, dass mir das leicht fiele. Der Automatismus, den ich mal beim Lauftraining hatte, ist defekt, jede Einheit will erobert werden. Das Mantra: Schuhe an, nicht nachdenken, muss ich nun in der kalten dunklen Jahreszeit mir selber vorbeten. Es führt kein Weg dran vorbei. Weil ich den Lohn kenne, die körperliche wie geistige Ausgeglichenheit schätze, wenn das Laufen Teil des Alltags ist.

Rein mit den Schnitzeln! Wo mich doch eh das exzessive Joggen umbringt!

Schnitzel??? GESTRICHEN!!!

Das wird nicht leicht, mit den gleichen Schwierigkeiten behaftet sein, wie sie jeder kennt, der sich aufraffen muss. Gewichtsabnahme, Unlust und so weiter. Schweinehund-Reloaded. Oder auch: The Sequel.

Nun, bleiben Sie dabei, wenn es auch 2017 wieder heißt: Bezwingt Thorsten F. im härtesten Kampf seines Lebens Faulheit, Chipssucht und Schweinehund? Wird er wieder Läufer sein? Wird der aus der Midlife-Crisis herausalternde F. noch mal die Kurve kratzen?

 

 

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Alle Kommentare [10]

  1. Hallo,
    es geht wieder aufwärts bei dir, da bin ich mir sicher. Sicher ist das nicht alles leicht, aber was ist schon leicht im Leben. Gott sei Dank bin ich bis jetzt von solchen Problemen weitestgehend verschont geblieben. Dafür muss ich mir auch nach Jahren meine Trainingseinheiten hart erkämpfen. Zum einen gegenüber meiner Frau, zum zweiten gegenüber meinem 2. Hobby Feuerwehr (2. Wehrführer und Ausbilder für junge Feuerwehrleute, im Jahr 15 Samstage) und zum dritten gegenüber meinem Schweinehund der öfters schreit das er nicht will.
    Ansonsten bewundere ich viele bei Twitter und Facebook über ihr Wettkampfpensum. Ich selber laufe nur max. 2 Wettkämpfe über 35 km und alles andere intergriere ich in den Trainingsplan. Ich denke eine ordentliche Vorbereitung darauf erfordert genug Zeit. Vielleicht ist das aber auch der Grund warum ich nicht mit den Problemen von Überlastung etc. zu kämpfen habe. Manchmal ist eben weniger mehr. Meine Grundeinstellung ist wie deine: Wenn ich etwas mache dann richtig oder gar nicht.
    Für die Zukunft wünsche ich dir auf jeden Fall alles Gute und das es wieder so wird, wie du es dir wünschst.

  2. Ach Thorsten. Ich leide immer so mit bei dir, wenn du sowas schreibst.
    Mach dich selbst nicht so klein! Du lässt die Bestzeit beim 70.3 Triathlon im Kraichgau in nem Nebensatz fast unbemerkt an uns Lesern vorbei ziehen.
    Das ist keine Kleinigkeit! Du kannst nicht alles rocken, das ist völlig menschlich.
    Für viele (mich inbegriffen, denn ich würde breits bei der ersten Disziplin nach paar Minuten abgluckern) ist das etwas völlig unglaubliches.
    Man neigt ja immer dazu, sich ohne Ende nach oben zu orientieren und sich immer weiter zu pushen. Manchmal geht es aber nur über Umwege bergauf. Ich wohne im Erzgebirge, ich weiß das 😉 .
    Das ist nur ein kleiner, etwas unwegsamer Umweg für dich, nix weiter. Und bald hast du auch wieder nen schöneren Weg unter den Füßen.
    Wir sehen uns in Rodgau 🙂

  3. Nein, leicht ist es nie.
    Es hilft nur das ewige runter beten des Winter-Mantras: „Nicht denken, nicht raus gucken, Schuhe an und ab.“
    Aber das Alltagsgefühl ist immerhin schon nach 2-3 Wochen wieder da… 😉

  4. @laufspatz aber damit rodgau spaßig wird, werde ich wohl nicht umhin kommen, das programm der vergangenen zwei bis drei monate etwas abzuwandeln… 🙂

  5. Der einzige Vorteil, den du hast: Dein Körper weiß, wie es funktioniert. Deswegen wirst du weniger lange als Anfänger brauchen. Das Schlimmste ist, dass es extrem lange dauert, bis der Spaß zurückkommt.
    Die wichtigste Tugend des Ausdauersportlers heißt eben Disziplin und da hast du was vor dir. Wir sehen uns in Rodgau 🙂

  6. Wirst Du uns denn an Deinem Training in Form Deiner Läufe auf einem der vielen Portale (RunT…, Stra…, etc.) teilhaben lassen?

  7. Man neigt ja immer dazu, sich ohne Ende nach oben zu orientieren und sich immer weiter zu pushen. Manchmal geht es aber nur über Umwege bergauf. Ich wohne im Erzgebirge,.