Offenen Auges ins Verderben. Wie der Ironman seinen Schrecken verliert.

Am Abend vor einer der beiden Abiturklausuren war ein Konzert der Big Band, in der ich mitspielte. Ich war natürlich vor Ort. Was soll am Abend vor der Klausur schon auch noch zu retten sein, was auf die Schnelle zu erlernen, das ich dann noch sinnvoll anwenden kann? Ich entschied: Nichts. Und spielte.

So ähnlich verhält es sich mit kommendem Sonntag, dem 7. September 2014 um 7:15, nur mit dem Unterschied, dass die Phase vor dem Ereignis, ein Triathlon auf Ironman-Distanz, deutlich länger ist als der Abend davor. Viele Hobbytriathleten bestreiten maximal einen Langdistanztriathlon (3,8km Schwimmen, 180km Rad, 42km Laufen) im Jahr. Aus sehr guten Gründen. Man muss sich darauf vorbereiten. Und zwar möglichst gründlich und möglichst lange. Mit Aufbau der Intensität über Monate und zwei Wochen davor erst Halbierung und dann Viertelung der Trainingsumfänge.

Habe ich nur alles nicht gemacht in den letzten Wochen. Ich habe eigentlich gar nichts gemacht für die Langdistanz. Denn – ich habe eigentlich ein anderes Ziel im Sinn, den Marathon in Essen einen Monat später. Darauf versuche ich meinen Körper abzustellen. Der Trainingsplan dafür sieht kommenden Sonntag eigentlich einen Testlauf vor. 10 km. Ein Viertel dessen, was ich nach Schwimmen und Radfahren noch laufen muss. Ideal ist anders.

Wie konnte es zu dieser krassen Fehlplanung kommen? Einfach: Zu diesem Wettbewerb dem Cologne Triathlon habe ich mich vor mehr als 12 Monaten angemeldet, für den Fall, dass mein eigentlicher Saisonhöhepunkt, der Ironman in Klagenfurt, ausfällt, ich ausfalle oder er einfach Murks wird. Angemeldet ist bezahlt, jetzt starte ich. Noch weniger als ein DNF (für Did Not Finish) möchte ich ein DNS (Did Not Start) hinter meinem Namen in der Ergebnisliste sehen, die ja auch öffentlich ist und irgendwann liest mal meine Bank oder Versicherung oder sonstwer wichtiges, dass ich gekniffen habe und ich bekomme einen schlechteren Kredit, kleinere Wohnung oder das kürzeste Würstchen vom Grill beim Sportfest. Die Datenbanken sind nun mal meine sportliche Reputation, nicht zu starten wird als Schwäche ausgelegt, ehrenhaftes Untergehen hingegen nicht.

Das wird also passieren. Ich habe weder intensiv dafür trainiert, nicht die Entspannungsphase wahrgenommen, weder mein Essen angepasst, noch auf Alkohol verzichtet. Und starte bei einem Ironman.

Das allerbemerkenswerteste für mich: Ich bin bin nicht mal nervös. Der Ironman hat für mich seinen Schrecken verloren. Sicher – das wird eine zähe Kiste mit sehr vielen unangenehmen Momenten, ich bin es selber schuld, habe es mir selber eingebrockt, nun muss ich es auch auslöffeln. Dennoch: Ich bin komplett entspannt, vielleicht auch, weil eben gar nichts zu erwarten ist. Ein einigermaßen ungequältes Erreichen des Ziels ist alles, was ich mir vornehme. Platzierung? In meinem Outfit gebe ich auch einen guten letzten Platz ab. Ich nehme diesen Wettbewerb fahrlässig auf die leichte Schulter, denn ich weiß ja: Das kann böse enden. Eine Haltung a la „na, Ironman ist doch immer drin!“ – nicht mit mir. Aber: Gesunder Optimismus, Hoffnung auf verbliebene Brocken Fitness aus der Jahresvorbereitung und laufendes Training für den Marathon im Oktober sind sicher nicht fehl am Platz.

Sonntag ist eine Black Box, die größte Unbekannte meines Hobbysports bislang. Und sie erinnert mich an meine Abiklausur. In der dann ein Thema vorkam, das keiner auf dem Schirm hatte. Der Unterschied damals und heute: Mein Ergebnis am Sonntag können Sie nachlesen. Meine Abiklausurnote bleibt mein Geheimnis.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Höhö, der Ansager hat das natürlich herausgehoben mit Düsseldorf, beim Vorbeilaufen fragte er, ob ich aus Düsseldof hergelaufen sei. 🙂

  2. Da Du für den „richtigen“ Verein startest, und das auch noch in Köln *g, wird es schon passen. Läuferisch wirst Du ja durch das Marathontraining einiges drauf haben – und beim Radeln wird es nur halb so schlimm, immerhin kann man dabei sitzen bleiben 🙂 .

    Viel Glück – evtl. sieht man sich an der Strecke (aber ich stehe nur am Rand)