Krokers RAM: Der Facebook-Skandal sind wir alle!

Mein Rant am Morgen: Der Skandal ist nicht der Datenklau durch Cambridge Analytica oder die mangelhafte Kontrolle von Drittanbietern durch Facebook. Sondern wir alle, die wir uns viel zu wenig um Datenschutz kümmern.

Der Kölner Digitalberater Klemens Skibicki berichtete Anfang der Woche von einem Gespräch an der Supermarktkasse, das er unfreiwillig mitgehört habe: „Bei Facebook melde ich mich jetzt wegen dieser Datengeschichte ab…mir reichen Instagram und WhatAapp sowieso“, so die Aussage laut Skibicki.

Neben dem Umstand, dass er diese Anekdote „natürlich“ via öffentlichem Posting auf – Trommelwirbel – Facebook verbreitet hat, ist diese Zitat aber auch aus einem anderem Grund vielsagend: Weil er Bände spricht über Nutzungsverhalten und Medienkompetenz vieler Menschen in Deutschland (und vermutlich auch anderswo).

Abgesehen von der Filterblase der Wirtschafts- und Social-Media-Interessierten wissen nämlich viele Menschen bis heute schlichtweg nicht, dass zum Imperium von Mark Zuckerberg längst auch Instagram und WhatsApp gehören.

Zudem betonen viele Deutsche die Bedeutung von Datenschutz gerne in Sonntagsreden. Wenn es dann aber um die Nutzung von sozialen Netzwerken und Messenger-Apps im Alltag geht, wählt die Mehrheit der hiesigen Nutzer dann doch die einfachste und bequemste Option – und die stammt eben meist aus dem Hause Facebook.

Mehr noch: Das Datenabsaugen durch Cambridge Analytica wäre – neben manchen Versäumnissen von Zuckerberg – nicht möglich gewesen, würden viele Nutzer nicht gedankenlos immer wieder irgendwelchen Fremd-Apps den Zugriff auf ihre Facebook-Daten gewähren. Oder hat schon jemand jüngst gecheckt, wie viele aktive Apps er mit seinem Facebook-Profil verknüpft hat (bei mir sind’s drei)?!

Kurzum: Der eigentliche Skandal ist gar nicht so sehr der Datenklau durch Cambridge Analytica oder die mangelhafte Kontrolle von Drittanbietern durch Facebook. Der wahre Facebook-Skandal sind wir alle – weil wir uns um den Datenschutz nicht viel stärker kümmern. Mark Zuckerberg selber übrigens ebenfalls nicht: Auch seine Daten wurden von den Briten abgegriffen, wie er bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress in dieser Woche einräumte.

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Alle Kommentare [2]

  1. Vielen Dank für diese wichtigen Worte zum wirklichen Problem bei den ganzen Diskussionen rund um Facebook und Cambridge Analytica. Solange wir uns nicht intensiv und ohne die üblichen Sonntagsreden mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen und solange wir dem Megathema „Medienkompetenz“ nicht endlich mehr Bedeutung einräumen, werden wir an die Wurzeln solcher Geschehnisse niemals heranreichen. Und sie werden immer wiederkehren. Teils auch durch unsere Versäumnisse. Ganz ähnlich habe ich das übrigens selbst in diesem Beitrag beschrieben: http://dominikruisinger.com/blog/warum-wir-am-sogenannten-facebook-skandal-eine-mitschuld-tragen/

  2. Hallo Herr Ruisinger, danke für den Kommentar und Ihre Einschätzung – das deckt sich in der Tat weitgehend mit meiner Sichtweise. Viele Grüße Michael Kroker