In Deutschland ist das Festnetztelefon noch kein Auslaufmodell – in den USA schon

Während in den USA Mobiltelefone den Festnetzanschluss abgehängt haben, liegt der Anteil bei beiden in Deutschland noch fast gleichauf.

Über einen bisher wenig beachteten Unterschied zwischen Deutschland und den USA bin ich kürzlich gestolpert: In den vergangenen Jahren habe ich ja regelmäßig hier im Blog über den Siegeszug des Mobilzeitalters geschrieben – zuletzt im Januar, dass der Anteil von Mobile am gesamten Internet-Traffic in diesem Jahr auf über 60 Prozent steigen soll.

Zumindest bei privaten Haushalten lässt sich dies aber noch nicht wirklich feststellen: So ist die Quote der Festnetzanschlüsse hierzulande trotz des steilen Anstiegs von Mobiltelefonen weitgehend stabil geblieben:

Quelle: Statista

Laut Statistischem Bundesamt überholten Mobiltelefone Festnetzanschlüsse zwar im Jahr 2014 und liegt heute bei fast 96 Prozent. Dennoch liegt der Anteil von Festnetzanschlüssen immer noch bei knapp 91 Prozent aller privaten Haushalte in Deutschland.

Im Gegensatz dazu ist das Festnetztelefon in den USA sehr wohl bereits ein Auslaufmodell: Zwischen 2004 und 2017 hat sich die Quote der US-Haushalte mit Festnetzanschluss von knapp 93 Prozent auf zuletzt 44 Prozent mehr als halbiert. Im gleichen Zeitraum stieg der Verbreitungsgrad mit Mobiletelefonen von fünf Prozent auf nunmehr knapp 53 Prozent:

Quelle: Statista

Eine mögliche Erklärung für diesen signifikanten Unterschied zwischen den USA und Deutschland: Viele hiesige Haushalte haben zwar nach wie vor ein Festnetztelefon, weil der Anschluss oftmals noch im DSL-Internetanschluss inkludiert ist. In den USA ist dagegen das Kabelnetz als Internet-Medium viel verbreiteter – dafür benötigt man kein Festnetz-Telefon mehr.

Letzteres ist übrigens bei mir privat der Fall – daher habe ich seit mehr als sieben Jahren keinen Festnetzanschluss mehr, ohne ihn je vermisst zu haben. Vor diesem Hintergrund hätte ich erwartet, dass die Quote in Deutschland auch bereits deutlich niedriger liegt.

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Alle Kommentare [3]

  1. Wenn man als nicht TV-Nutzer wenig Sinn im Kabelanschluss sieht und nicht für beliebig viele Familienmitglieder die verhältnismäßig üppigen Tarife für größere Mengen mobiler Daten zahlen kann oder möchte, ist der DSL-Anschluss zur heimischen Internetversorgung IMHO derzeit immer noch einigermaßen sinnvoller Stand der Dinge. Wenn das Telefon darin enthalten ist, hält es die Quote naturgemäß hoch.

  2. Jaja, die Amis. Finde ich eigentlich garnicht so verkehrt, das Internet reicht ja praktisch für ‚alles‘, auch fürs telefonieren.
    Andererseits finde ich es immer schöner, von jemandem auch die Festnetztelefonnummer zu haben, ist irgendwie persönlicher.
    Mal sehen wies weiter geht, der Trend zeichnet sich ja deutlich ab.
    Danke für den Artikel!

    Mfg Julian

  3. Kann ich nur bestätigen, würde damals komisch vom heimischen Provider Menschen angeguckt als ich bewusst auf den unnötigen Festnetz-Anschluss verzichtet habe. Es kam allerhand Argumente ala „Notfall Telefon“ oder sonst was.
    Habe es nie gemisst.
    Mal schauen wie es weitergeht wenn Telekom und co. alles auf VoIP umstellen werden.