Test Garmin Enduro. Ein Akku, der kaum leer zu bekommen ist.

Nach rund 45 Tagen, vielleicht waren es auch 50 oder 42 hätte ich den Test beenden können. Die Uhr musste aufgeladen werden, alles, was ich an wesentlichen Dingen damit erleben konnte/wollte, war getan. Und es mag für die wissbegierigsten unter Präzisionsfanatikern wichtig sein, ob es 45, 50 oder doch fast 60 waren – im normalen Leben ist es das einfach nicht. Nie. Zu keinem Zeitpunkt. Für eigentlich niemanden.

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Wenn Ihre Sportuhr anzeigt, dass noch 12 Prozent Akku vorhanden sind – beginnen Sie dann eine längere Einheit? Eher nicht, da sie fürchten, sie würde nicht zu Ende aufgezeichnet werden. Wenn Ihre Sportuhr anzeigt, dass der Akku noch sechs Tage reicht? Dann laufen Sie sehr vermutlich sogar noch zu einem 30-Kilometer-Lauf los, da sie sich nicht vorstellen können, dass die Uhr mittendrin den Geist aufgibt. Ich bin los zu einer mehrstündigen Radfahrt. Der Akku zeigte Rest 12 Prozent und sechs Tage an.

Und damit ist aus Perspektive des Nutzers der logischerweise voluminösen Uhr das wichtigste über den Akku gesagt. Sie müssen sich schon vorsätzlich blöd anstellen, um für Einheit oder Wettkampf nicht genügend Akku zu haben. Außer natürlich Sie sind für mehrtägige Events wie beispielsweise den Trans Alpine Run gemeldet. Da könnte es vielleicht sein, dass Sie am Ende von Tag 7 unsicher sind, ob die Uhr die finale Etappe noch aufzeichnet. Ich konnte das für Sie leider nicht nachvollziehen. Sehr wahrscheinlich wäre mir, nicht der Uhr, der Akku ausgegangen. In Zahlen sind es laut Hersteller bis zu 130 Tage im Schon-Modus, bis zu 80 Stunden im GPS-Modus bei einer Einheit oder 300 Stunden, wenn der Ultra-Trac-Modus gewählt wird, der weniger Messpunkte auswertet als der normale – mit optischer Messung der Herzfrequenz! Es ist also nicht allein die Größe des Akkus, sondern auch die Wahlmöglichkeiten der Software, die die Dauer bestimmen.

Und wenn man den entsprechenden Modus wählt, kann man das Ladekabel auch mal verleihen.

Aus meiner bescheidenen Perspektive, ich bin kein Ultrarunner, kein Trailrunner und schon gar kein Ultra-Trailrunner, zählt neben den Navigationselementen, die die Enduro mit den anderen Laufuhren wie fenix6 teilt, und der langen Akkudauer vor allem der Komfort und die Robustheit des Geräts. Auch ein einfacher ganztägiger Wettbewerb lehrt – die kleinste Störung und das kleinste bisschen an unangenehmen Gefühl kann sich in schwierigen Momenten zu einem gewaltigen Faktor entwickeln.

Brennender Brustgurt, Falten der Laufhose an unzugänglichen Stellen, drückende Schuhe logischerweise – alle diese Dinge sind extrem nervig und ich selber versuche vorher alles zu minimieren, was an Belästigung zustande kommen könnte. Meist geht das mit einer Reduktion von Equipment einher. Aber ein Armband einer Laufuhr, das nervt, das wäre etwas, das ich nicht durch die Nacht tragen wollte.

Ich bin in der Testphase nachts wach geworden und war kurz irritiert, weil ich die Uhr wegen der Messung von Vitalfunktionen eigentlich 24 Stunden trage, wo ich sie hingelegt habe, denn ich spürte sie nicht. Obwohl ich sie trug, wie ein Griff mit der anderen Hand ans linke Handgelenk ergab.

Man glaubt es nicht, wenn man es nicht sieht.

Ich habe in gut acht Jahren, in denen ich solche Uhren test und seit einigen Jahren auch kontinuierlich trage nicht eine einzige Uhr getragen, die so bequem saß. Nicht mal die Applewatch, meinem bisherigen Favoriten in dieser Disziplin. Und für mich wäre das für einen sehr langen, gar mehrtägigen Wettbewerb absolut ein entscheidendes Argument für die – leider – recht teure Enduro.

Sie erreicht diesen Tragekomfort mit einem banalen, technisch geradezu rudimentärem Konzept, dass ich mir so als Option für alle Sportuhren wünschen werde. Es ist ein Gewebeband ohne Schließe, das mittels Klettverschluss an beiden Seiten stufenlos eingestellt werden kann. Löse ich beide Klettschlüsse gleichzeitig, baumelt sie immer noch ums Handgelenk und fällt nicht auf den Boden – oder in eine Schlucht, wenn ich das gerade zufällig beim Transalpine Run mache. Unter anderen Lösungen schwitzt mein Arm mehr, ist Haut geröteter, sind die Druckstellen nerviger. Falls mich jemand liest bei Garmin – so ein Gewebeband bitte auch für alle anderen Modelle, danke!

Realistisch für den normalen Sportler ist dies.

Ein paar Dinge sind dann in der Nutzung dann dennoch aufgefallen. Ich bin seit November sehr viele Höhenmeter gelaufen und gefahren, 42.000 in Summe. Oder vielleicht auch nur 40.000. Denn die Angaben zwischen den verschiedenen Modellen – auch von Garmin – weichen bei den Höhenmetern durchaus deutlich ab. Nur – welche liegt richtig?

In Connect gibt es für die Auswertung die Funktion, die Höhenmeter korrigieren zu lassen. Als Standardeinstellung ist das deaktiviert und die Auswertung zeigt die Messung des barometrischen Höhenmessers. Seit ich Laufuhren nutze, ergeben die aktivierten Höhenkorrekturen geringere Werte. Mal nur ein paar Meter, mal schon ein paar mehr. Wer 2000 Höhenmeter mit dem Rad bei fünf Grad fahren will, möchte die rasch zusammenhaben. Da sind 1800 und 2000 Höhenmeter als Angabe zweier Uhren des gleichen Herstellers natürlich eine Gewissensfrage. Die geringere Zahl der barometrischen Messung liegt aber näher an der, die Connect ausspuckt, wenn man die Höhenkorrekturen aktiviert. Will sagen – sehr wahrscheinlich misst die Enduro genauer als die 945 und ich bin nicht soviele Höhenmeter gefahren, wie ich hoffte. Deswegen bin ich jetzt auch froh, dass sie wieder zurückgeht und ich weiter noch zufriedener mit meiner Kletterei sein kann als ich es eh bin.

Bequemste Lösung, die mir je am Arm gelegen hat.

Zu allen Fragen rund um Funktionen wie Schlaf oder Pulsoximeter bitte hier die Tests der 945 und/oder fenix6 lesen, sie sind soweit die gleichen. Die expliziten Trailrunner, die bis hierhin gelesen haben, werden sich vielleicht fragen, ob sie die Enduro oder die in der gleichen Preisklasse liegende fenix6 Solar bevorzugen sollen. Das ist eine Frage der Prioritäten – mehr Navigation durch Kartenmaterial der fenix6 versus dem absurden Akkuleben der Enduro.

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